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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 07:13 Uhr

ZOB-Umbau verzögert sich

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Diskussion im Bauausschuss reichte von „Brauchen wir das überhaupt“ bis zur Frage der Zuständigkeit / Verkehrsplaner soll kommen

Die Mitglieder des Bauausschusses lehnten den aktuellen Entwurf des neuen Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) in Eutin am Mittwochabend ab. Zu viele Unstimmigkeiten und offene Fragen seien nach dem Vortrag des Planers Philipp Haggeney geblieben. „Wir können heute nicht abstimmen“, sagte Kathrin Pitzner (CDU) entschlossen. Doch Ausschussvorsitzende Monika Obieray (Grüne) forcierte die Abstimmung, „wir müssen die Planungen vorantreiben“ – und kassierte die Ablehnung des Entwurfes.

Die Diskussion begann mit der Beleuchtung, die der Planer so nicht eingezeichnet hatte, die aus Verkehrssicherungsgründen aber nach Mehrheitsmeinung unumgänglich ist. Wie weit der Abstand zwischen Bus und Straße letztlich ist, war für Jackie Meyer (FDP) und Malte Tech (FWE) wichtig. Ob die Häuser überhaupt abgerissen werden müssen (CDU), wurde mit einem klaren „Ja“ seitens des Planers beantwortet.

Und dann kam, was Planer Philipp Haggeney aus Eutin schon kannte: Die Vorschläge verschiedenster Ausschussmitglieder, wie was ganz einfach umkonstruiert werden könne, damit alle zufrieden sind. Erstens: Der Gehweg zwischen Bahnhofsvorplatz und ZOB müsse nach der Unterführung weiter in Richtung Westphal-Straße geführt werden. Dazu hatten Kathrin Pitzner und Olaf Schmidt (beide CDU) verschiedene Ideen, wie der Mittelteil, auf dem die Wartenden verweilen doch verschlankt oder langgezogen werden könnte, zugunsten des Platzes für die Fußgänger gegenüber. Der Planer will die Schleppkurven (Platz, den ein Bus beim Wenden benötigt) vom Verkehrsexperten berechnen lassen, stellte aber in Frage, ob das dann noch funktioniere. Die Lösung des Problems hatten die erfahrenen Lkw-Führerschein-Besitzer Pitzner und Schmidt parat: „Wir vergrößern die Zufahrt an beiden Seiten.“ Problem: Dann würde der Bereich, der derzeit als Puffer für Busplatz neun und zehn geplant ist, angefasst und eine Erweiterung des ZOB zu einem späteren Zeitpunkt unmöglich werden.

Schließlich wurde kurzzeitig auch der ganze Sinn des Umbaus in Frage gestellt, wenn es jetzt wie nach dem Umbau vorerst nur acht Haltestellen gebe, zwei Häuser abgerissen werden müssen und das Ganze auch noch mehr als 1,5 Millionen Euro kosten soll. „Dann können wir doch lieber die Häuser stehen lassen und verzichten am anderen Ende lieber auf ein paar Bäume“, schlug Pitzner vor. Karen Dyck und Bernd Rubelt vom Bauamt machten schnell klar, dass es sich hierbei um „die Realisierung einer Maßnahme“ aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) handelt: „Das Ziel lautete, das Bahnhofsumfeld zu einer Mobilitätsdrehscheibe werden zu lassen und alle Busse auf die städtische Seite zu verlegen“, so Rubelt. Außerdem handele es sich nicht nur um „ein paar Bäume, sondern eine Platzsituation, die geschaffen werden sollte für eine leichte Auffindbarkeit der Innenstadt“, sagte Dyck.

Der Versuch der Ausschussvorsitzenden die Wogen zu glätten, „wir sollten jetzt nicht das Ganze in Frage stellen“, rief Jackie Meyer (FDP) auf den Plan: „Selbstverständlich dürfen wir Planungen in Frage stellen, wenn wir beim Blick auf den viel zu großen Bahnhofsvorplatz heute alle Bauchschmerzen haben. Damals sagte man uns auch, das ist alles in Ordnung und jetzt ist es völlig überdimensioniert.“ Als ebenso zu groß empfinde sie die entworfene ZOB-Anlage mit knapp 60 Meter Länge. „Das ist doch viel zu groß für eine Stadt wie Eutin“, so Meyer. Auch Rubelt versuchte sein Glück nochmal, in dem er den Ausschussmitgliedern verdeutlichte: „Sie sollten sich darüber klar werden, um welche Interessen es hier geht. Was sie jetzt wollen, verteuert die Planung und verzögert sie.“ Es seien schließlich nur 15 Meter Umweg für Fußgänger (wegen des fehlenden Gehweges an einer Seite, der laut aktueller Planung ins Nichts führt Anmerk. d. Red.). Doch abgelehnt war abgelehnt.

Der Vorschlag von Hans-Georg Westphal (SPD), im August noch eine Sondersitzung für das Thema einberufen zu lassen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren, versandete. Obieray thematisierte stattdessen die Frage der Zuständigkeiten: „Die Wünsche der CDU mit der Vergrößerung zugunsten des Fußweges in den Bereich, der als Erweiterungsmöglichkeit vorgesehen war, ist eine Veränderung der Grundsatzplanung und damit eigentlich Sache des Stadtentwicklungsausschusses.“ Sie wolle mit der Verwaltung und Heiko Godow, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses, Rücksprache halten. „So oder so geht Zeit verloren. Ich glaube nicht, dass die Umplanungen dann vor Ende der Sommerferien fertig sind“, sagte Obieray.

Welche Konsequenzen hat der abgelehnte Entwurf noch? „Wir müssen die Gesamtmaßnahme bis Ende 2017 abschließen“, das steht laut Rubelt in den Förderrichtlinien für die Gesamtmaßnahme Bahnhof und ZOB. Verzögere sich die Freigabe des Entwurfs, verzögere sich alles. Rubelt: „Ich weiß nicht, was passiert, wenn wir gegen die Förderrichtlinien verstoßen. Aber eine Baustelle über zwei Bauperioden zu ziehen, verursacht allein enorme Kosten.“

Für den nächsten Bauausschuss soll laut Obieray der Verkehrsplaner geladen werden, um die letzten Zweifel auszuräumen, „denn offensichtlich glaubt man Haggeney nicht“. Wann und ob in der Sommerpause ein Termin gefunden wird, ist offen.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 00:27 Uhr

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