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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

Eutin : ZOB: Stadt braucht Okay der Bahn

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bauausschuss beschließt Entwurf: Alle Busse sollen künftig vor dem Bahnhof auf der Stadtseite abfahren / Viele Fragen offen

Der Entwurf des neuen Zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) auf der Bahnhofsseite wurde im Bauausschuss am Donnerstagabend mehrheitlich verabschiedet, obwohl noch einige Fragen offen blieben. Was wurde beraten?

Die Standortfrage: Unter den rund 30 Besuchern des Ausschusses waren zahlreiche Vertreter des Bürgerstammtischs „Bürger für Eutin“. Deren Sprecher, Peter Schwarz, machte in der Einwohnerfragestunde deutlich, dass die Beobachtungen des Busverkehrs an verschiedenen Tagen und die Befragung der Busfahrer aus seiner Sicht keine Notwendigkeit erkennen lassen, Stadt-, Schüler- und Regionalverkehr auf die Bahnhofsseite zu bannen. Schwarz: „Bequemes Umsteigen mit kurzen Wegen wäre dann für die Nutzer des Stadtverkehrs nicht mehr gegeben, denn die orientieren sich Richtung Krankenhaus, Norma und Hospitalstraße. Ein Umsteigen auf einen Regionalbus findet gar nicht statt.“ Der Schülerverkehr überwiege derzeit auf der bisherigen Bahnhofsseite, „in den Ferien verkehrt aber auch der nicht“. Bauausschussvorsitzende Monika Obieray (Grüne) wiegelte ab: „Die Standortfrage wurde im Stadtentwicklungsausschuss ausreichend diskutiert. Wir wollen hier überlegen, wie wir den Übergang zur Stadt gestalten.“ Jackie Meyer (FDP) warf in die Diskussion ein: „Die Standortdiskussion hörte leider auf, als der Wettbewerb gewonnen wurde. Seitdem bekommen wir die Entwürfe mit dem ZOB auf der Bahnhofsseite vorgelegt.“ Die Verwaltung stellte klar, dass die Politik dafür schon mehrfach die Hand gehoben habe, den ZOB genau so zu wollen – beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) sowie bei der Auslobung und Prämierung des Wettbewerbs für die Stadtsanierung.

Die Frage nach dem Nutzen: „Wenn es so ein großer ZOB sein muss, für den noch dazu zwei städtische Immobilien abgerissen werden müssen, welchen Nutzen hat das für die Stadt? Sie können das doch nicht nur aus Gestaltungsgründen machen wollen für 1,5 Millionen Euro“, wollte ein anderer Einwohner wissen. Bauamtsleiter Bernd Rubelt: „Die Stadt hat sich zum Nutzwert eine Menge Gedanken gemacht. Der Bahnhof war schon im Isek als Mobilitätsdrehscheibe gedacht. Das war vor drei Jahren.“ Gemeinsam mit dem Kreis sei ein Dialog geführt worden und der Kreis habe die Vorgabe gemacht, da der Kreis Ostholstein zuständig für die Organisation des Busverkehrs ist – und der Blick sei in die Zukunft gerichtet. Rubelt: „Mobilität im ländlichen Raum wird ein wichtiges Thema sein, das kommen wird.“ Und dann folgte die Erinnerung an die Gesamtmaßnahme: „Wenn wir jetzt sagen, das wollen wir alles so nicht, dann müssen wir wohl auch den ersten Teil der Fördermittel zurückzahlen, denn der ZOB steht im direkten Zusammenhang mit der Sanierung, die am Bahnhof bisher schon gelaufen ist.“

Die Frage der Kosten: Die größte Überraschung und leider auch eine Erinnerung an Eutins Treppen-Dilemma bot die Aussage des Planers Philipp Haggeney, dass für die neue Gehwegplanung die Genehmigung der Bahn eingeholt werden müsse, da im Bahndamm gegraben werden soll. Zuvor wurde auf Antrag der CDU ein Gehweg von insgesamt 2,30 Meter Breite ab der Unterführung am Bahndamm entlang bis zum Parkplatz Heinrich-Westphal-Straße beschlossen. Haggeney: „Wir brauchen die Aussagen zum Bahnerdkörper und eine Genehmigung, ob wir ein bis zwei Meter hineingraben und anschließend wieder verfüllen können.“ Erst wenn diese Aussagen vorlägen, könne gesagt werden, ob eine Spundwand nötig sei oder ein wie bisher eingeplanter L-Stein genüge.

Eine offizielle Anfrage bei der Bahn sei erst mit der Entwurffreigabe möglich. Er hätte, so Haggeney, beim Unternehmen gern schon früher einmal vorgefühlt, aber: „Die Verwaltung sagte, wie brauchen keine Energie da reinstecken, bevor der Ausschuss den Entwurf nicht frei gibt.“ Wie lang es nun dauert, bis ein Termin mit der Bahn gefunden ist, vermochte Haggeney nicht abzuschätzen. „Manchmal dauert es nur vier Monate, manchmal länger.“

Die kritischen Fragen: „Geht das nicht besser?“ war Donnerstagabend immer wieder aus dem Gremium zu hören. Allen voran rechnete Bernd Ditscher (CDU) vor, was schon mehrfach angemahnt wurde: „Die Bahnhofstraße jetzt ist zu schmal, von Kantstein zu Kantstein gerade einmal sechs Meter. Zieht man die 50 Zentimeter Gosse auf beiden Seiten ab, haben wir nur noch fünf Meter. Wie soll da Begegnungsverkehr funktionieren?“ Karen Dyk vom Bauamt versuchte zu beruhigen: „Sie haben die Planungen genau so genehmigt. Mit reduzierten Geschwindigkeiten funktioniert auch der Begegnungsverkehr mit zwei Bussen. Wir hatten doch immer das Problem, dass wir den Verkehr in der Straße beruhigen wollten. In der Riemannstraße funktioniert das auch mit der Fahrbahnbreite.“

Und Detlef Kloth (SPD) wollte wissen, wo die Kurzhalteparkbuchten für den Bahnhof hinkommen: „Es muss doch eine Zone geben, in der Menschen kurz aus- und einsteigen können mit ihrem Gepäck.“ Die Antwort der Verwaltung: „Es gibt vor dem Bahnhof eingeschränktes Halteverbot. Eine extra Kiss-and-Ride-Bucht ist nicht vorgesehen.“

Die Lampenfrage zum Schluss: Auch wenn noch keine Genehmigung und Aussage der Bahn zu den ZOB-Planungen vorliegt, der Bauausschuss weiß schon, dass er Lampen nur auf der Mittelinsel will, die im übrigen zu Gunsten der Parkbuchten für Busse zur Straßenseite um etwa einen Meter verschmälert werden soll.

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erstellt am 06.Aug.2016 | 04:00 Uhr

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