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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 05:45 Uhr

WVE hofft auf konstruktive Gespräche

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Von Existenzängsten bis Vertrauensbruch: Kaufleute setzen auf Dialog / CDU signalisiert Bereitschaft zum Umdenken, wenn „Fakten stimmen“

Kaum ein Thema habe jemals den Vorstand der Kaufmannschaft so beschäftigt wie die anstehende Stadtsanierung in der Peterstraße, sag-ten die Vorsitzenden der Eutiner Wirtschaftsvereinigung (WVE) zu Beginn ihrer Infoveranstaltung zum Thema Stadtsanierung und Verkehrskonzept (Text unten). Bei beiden Themen blieb es emotional – und ein Vertrauensbruch zwischen Verwaltung und Händlern wurde deutlich. Und das obwohl WVE-Moderator Klaus Wietfeld zu Beginn Stadt und Verwaltung ein professionelles Vorgehen im Rahmen der Planung und des politischen Willensbildungsprozesses bescheinigte. Die Wahrnehmung zumindest bei einer Vielzahl an Kaufleuten äußerte Jutta Hoth so:„Habt ihr eigentlich noch Vertrauen in eure Verwaltung und die Informationen, die ihr von ihr bekommt? Bei uns kommt das als Riesenkluft zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerwillen an.“ Jutta Hoth richtete das direkt an die Adresse von Jackie Meyer (FDP), die sich als einzige der anwesenden Stadtvertreter neben den Freien Wählern zu Wort meldete.

Zu Beginn der Veranstaltung waren alle Fraktionen bis auf die Grünen vertreten – die CDU verlies nahezu geschlossen nach eineinhalb Stunden den Saal, was hörbar nicht gut ankam bei den Kaufleuten. Am Tag danach erklärt deren Fraktionsvorsitzender Matthias Rachfahl auf Nachfrage: „Das dies blöd ankam, wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Dafür gibt es aber Gründe, die nichts mit der Veranstaltung zu tun haben. Einer wollte nur Infos zum Verkehrskonzept, der andere war verabredet und ein dritter wollte Championsleague schauen.“ Rachfahl selbst habe viele konstruktive und fundierte Beiträge aufgenommen, über die es in einem nichtöffentlichen Treffen Anfang Dezember mit WVE und Stadtwerken noch einmal zu reden gelte. Rachfahl: „Wenn es insgesamt möglich ist, alles viel sanfter und schonender zu machen, dann muss man darüber nachdenken, das ist doch klar. Aber vorher gehören die Fakten auf den Tisch.“

Dies dürfte die WVE freuen: „Wir haben die Hoffnung, dass – auch an die Adresse der CDU – die Maßnahme in der Peterstraße noch zu ändern ist“, sagte Hans-Wilhelm Hagen aus dem WVE-Vorstand als die Christdemokraten schon aus dem Haus waren und fügt hinzu: „Es ist sonst mit normalen Menschenverstand nicht vereinbar.“ Eine Partei muss den Antrag stellen, die Sanierung zu stoppen, so viel stehe fest. Jacki Meyer (FDP) gab den Tipp: „Wenn Sie etwas erreichen wollen, geht das nur über die Ausschüsse. Sie müssen dafür sorgen, dass sich die Mehrheiten ändern.“

„Wir hoffen auf konstruktive Gespräche mit allen Parteien. Es ist doch auch für die CDU eine neue Erkenntnis, dass Mißling sagt, die Leitungen sind intakt. Es wäre doch ein leichtes, mit uns über diese goldene Brücke zu gehen und zu sagen, darüber reden wir nochmal“, sagt Thomas Menke, ebenfalls WVE-Vorstand. Die WVE wünsche sich eine Verschönerung, aber keine lärmende Existenzbedrohung. Menke: „Ich finde es bedauerlich, dass von der CDU die Existenzängste mit einem ironischen Schmunzeln abgetan werden und sie gehen. So sehr ich die Herren schätze, das fand ich persönlich niederschmetternd.“ Sollten die Gespräche und der angestrebte Antrag nicht den gewünschten Erfolg aus WVE-Sicht haben, ist der Vorstand bereit, ein Bürgerbegehren anzustreben, so Brauhaus-Chef und WVE-Vorstand Marcus Gutzeit. „Wir sind kein Sanierungsfall. Wir wollen, dass es schöner wird, gern auch barrierefrei, aber wirklich ohne die Betontragschichten anzufassen“, so Gutzeit.

Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt lud am Ende zur Infoveranstaltung der Stadt zum Thema am 26. Januar ab 18.30 Uhr ins Bauamt ein. „Die Stadtsanierung soll etwas sein, was die Stadt voranbringt. All das fußt auf dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept. Wir wollen das mit ihnen machen“, fügte sie kurz hinzu. Es war der Abend der Kaufmannschaft.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 00:29 Uhr

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