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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

WVE hofft auf ein Einlenken der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

2200 Unterschriften gegen den Verkehrsversuch mit Sperrung der Schloßstraße wurden gesammelt / Bürgervorsteher und Bürgermeister erhielten die Listen

Zeitpunkt und Rahmen waren ungewöhnlich: Sonnabendmittag, zwischen Ständen des Stadtfestes, überreichten Vertreter der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) den Spitzen der Stadt einen Ordner mit Unterschriftenlisten. 2200 Bürger und Kunden hätten den Protest der Kaufleute gegen einen Verkehrsversuch mit einer Sperrung der Schloßstraße unterstützt, sagte Andreas Booke vom WVE-Vorstand. Bürgervorsteher Dieter Holst und Bürgermeister Carsten Behnk nahmen den Ordner entgegen.

Knapp vier Wochen hätten die Unterschriftenlisten in Geschäften und Gaststätten ausgelegen, 95 Prozent der Kaufleute die WVE-Aktion unterstützt, sagte Hans-Wilhelm Hagen. Er ergänzte, dass es keine reine Protestaktion gewesen sei, sondern auch ein Versuch, die Öffentlichkeit stärker über den geplanten Verkehrsversuch zu informieren. „Dieser Pflicht ist die Stadt nach unserer Auffassung nicht ausreichend nachgekommen“, setzte Hagen nach.

Außerdem habe man mit der Unterschriftenaktion den breiten Bedenken der Kaufmannschaft gegen die Folgen eines möglicherweise überflüssigen Verkehrsversuches Nachdruck verleihen wollen, sagte Booke. Diese Bedenken seien in Ausschuss-Sitzungen und Anhörungen geäußert, aber nicht berücksichtigt worden: „Ein Planer hat sein Konzept vorgestellt, und an dessen Umsetzung wurde Schritt für Schritt gearbeitet.“

Der WVE gehe es nicht nur um das Verhindern eines Versuches, sondern um die Suche nach einer ganzheitlichen Lösung für eine kundenfreundliche Innenstadt, die alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer wie Pkw-Fahrer – ohne unnötige Barrieren erreichen könnten, sagte Booke weiter. Dazu sei es notwendig, dass die WVE nicht nur gehört, sondern mit der Kompetenz der IHK im Rücken in den Planungsprozess eingebunden werde.

Hagen kündigte an, dass die Kaufmannschaft schon in Kürze „interessante Alternativen“ für ein Verkehrskonzept zur Diskussion stellen werde. Mit der Unterschriftenaktion sei auch die Hoffnung verbunden, dass es einen wirklich offenen Prozess gebe, an dessen Ende ein von allen getragenes Verkehrskonzept stehe – „und vielleicht ist dann gar kein Verkehrsversuch mehr nötig.“

Bürgermeister Carsten Behnk verriet Verständnis für die Sorgen der Kaufleute. Es sei nachvollziehbar, dass sie einen Versuch verhindern wollten, der in der Stadt Chaos produziere. Und eine drängende Eile für den Versuch erkenne er auch nicht.

Bürgervorsteher Dieter Holst (CDU) äußerte sich kritischer: Er finde es nicht schön, dass in einer Phase von Gesprächen mit einer Unterschriftenaktion öffentlicher Druck erzeugt werde.

Die Stadtvertretung sei auf Wunsch der Kaufmannschaft bereit gewesen, den zur Landesgartenschau geplanten Verkehrsversuch zu verschieben. Er erkenne in einigen Fraktionen auch die Bereitschaft, das Advents- und Weihnachtsgeschäft nicht mit einer neuen Verkehrsführung zu behelligen. Offizielle Beschlusslage sei aber, dass der Versuch im Oktober beginnen solle.

Wie sehr viele Menschen die Fragen der Verkehrspolitik bewegt, wurde am Rande des Treffens von WVE mit Bürgervorsteher und Bürgermeister deutlich: Dr. Uwe Jacobsen sah die kleine Versammlung und nutzte sie spontan für den Mahnung, dass er vor einer vom Verkehrsplaner Prof. Dr. Herbert Staadt empfohlene Befahrbarkeit der kompletten Albert-Mahlstedt-Straße in zwei Richtungen nur warnen könne. Vor der Einbahnregelung in einem Teil der Mahlstedt-Straße habe es dort häufig Unfälle mit verletzten Fußgängern gegeben, und diese Gefahr würde wieder entstehen.

Eine Passantin sagte im Vorbeigehen: „Sie sind von der Zeitung? Dann schreiben Sie mal, dass eine Urlauberin die Beschilderung für Radfahrer in Eutin nicht gut findet. In Malente ist sie auf jeden Fall besser“ – sprach’s, und verschwand in der Menge der Stadtfestbesucher.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 14:02 Uhr

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