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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 15:31 Uhr

Lehrstellen in Eutin : Wo sind die Azubis?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das neue Lehrjahr beginnt, doch der berufliche Nachwuchs lässt auf sich warten

Vor 16 Jahren hatte die Schlachterei Oldekop ihren letzten Azubi. Nicht, weil Caren und Dirk Oldekop niemanden mehr ausbilden wollen. „Es bewirbt sich einfach niemand“, erklärt Caren Oldekop. „Seit Jahren sind wir beim Arbeitsamt gemeldet und bekommen nicht einmal Bewerbungen.“ Früher habe fast jeder Schlachter einen Azubi gehabt, jetzt hätten sie alle Nachwuchssorgen, weiß Caren Oldekop. Zwei Ausbildungsberufe sind im Fleischereihandwerk möglich: Während der Fleischer schlachtet und Fleisch- oder Wurstwaren zubereitet, ist der Fleischfachverkäufer zuständig für die Kundenberatung und den Verkauf.

Konkurrenz haben regionale Fleischer in den vergangenen Jahren vor allem durch die Fleischtheken der Supermärkte bekommen. „Aber die Kunden wollen jetzt wieder zunehmend qualitätsbewusst kaufen“, sagt Caren Oldekop. Die Fleischfachverkäuferin schwört auf ihren Berufsstand. „Wenn einer hier lernt, lernt er fürs Leben. Er kann verkaufen, weiß die Teile vom Rind und vom Schwein einzuordnen, lernt Salate und Mittag zuzubereiten. Wer kann das denn heute noch?“ Mit 40 Wochenstunden sei das Arbeiten für die sechs Angestellten des Traditionsschlachters „sehr geregelt“, sagt Caren Oldekop. „Und wer ausgelernt hat, bekommt ein ordentliches Gehalt.“ Für die Nachwuchssorgen hat Caren Oldekop eine Erklärung: „Heute sollen alle Abitur machen. Aber handwerkliche Sachen müssen doch auch gemacht werden“, gibt die 53-Jährige zu bedenken. Für das im September beginnende Ausbildungsjahr nehmen die Oldekops gern Bewerbungen entgegen – allerdings ist nur noch eine Ausbildungsstelle als Fleischereifachverkäufer frei, denn: Sohn Jendrik beginnt in diesem Jahr seine Fleischerausbildung im Familienbetrieb.

Auch die Gastronomie leidet seit Jahren unter Fachkräftemangel. Mandy Leverenz, stellvertretende Restaurantleiterin im Eutiner „Brauhaus“, sagte: „Wir suchen ständig nach Auszubildenden im Servicebereich.“ An Aushilfen mangele es der Gaststätte am Markt nicht. „Und es kommt auch jedes Jahr ein neuer Koch dazu“, so Leverenz. Im Bereich des Restaurantfachangestellten gebe es aber so gut wie kein Interesse. Leverenz: „Oder sie brechen nach zwei Tagen Probearbeiten ab, weil sie merken, dass die Arbeit nichts für sie ist.“

Ebenso die Baubranche in Ostholstein verzeichnet eine Woche vor Beginn des neuen Lehrjahres Ausbildungs-Leerstellen. Bezirksvorsitzender Uwe Hahn von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sagte: „In Schleswig-Holstein sind 230 unbesetzte Lehrstellen in der Bauwirtschaft registriert“ – 21 offene Ausbildungsplätze allein in Ostholstein, so Hahn. Dabei gehörten Bau-Azubis sogar zu den Top-Verdienern unter den Auszubildenden. Kurzfristig könnten Interessierte noch einen Ausbildungplatz bekommen, teilte Uwe Hahn mit.

Für Jan Philipp Witt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck sind die Nachwuchssorgen nicht überraschend: „Wir kriegen die Stimmung ja auch mit. Vor allem im Hotel- und Gastronomiegewerbe ist der Nachwuchsmangel zu spüren.“ Zum aktuellen Stand der Lehrstellen sagte Jan Philipp Witt: „Im Kreis Ostholstein haben wir am 31. Juli seit Jahresbeginn 509 Ausbildungsverhältnisse eingetragen.“ Diese Zahl entspreche in etwa der des Vorjahres (mit damals 505 neuen Auszubildenden). Eine Umfrage der IHK im Juli diesen Jahres hatte ergeben, dass zwei Drittel der verfügbaren Lehrstellen für 2016 bereits besetzt waren. Aktuelle Zahlen für den August lagen seitens der IHK Schleswig-Holstein gestern nicht mehr vor.

Informationen zu offenen Lehrstellen erhalten Interessierte unter:

jobboerse.arbeitsagentur.de, www.ihk-lehrstellenboerse.de und

www.bau-stellen.de (Baugewerbe)


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erstellt am 23.Aug.2016 | 10:52 Uhr

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