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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

„Wir sammeln, so viele wir können“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bürgerinitiative beginnt mit Unterschriftensammlung / Sigrid Jürß, neue Vereinsvorsitzende, sendet klare Signale an Stadt und Politik

„Rettet unser Haus des Gastes“ – steht auf dem neuen Flyer, mit dem die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt und zur Sanierung des Haus des Gastes (HdG) ab sofort auf Unterschriftensammlung gehen und Eutiner über ihr Anliegen informieren wollen. Das teilte die Vertretungsberechtigte der Bürgerinitiative und neue Vorsitzende des dazugehörigen Fördervereins, Sigrid Jürß, auf dem jüngsten Mitgliedertreffen am Freitagabend im Riemannhaus mit.

Es war laut im Riemannhaus und für viele der gut 30 Gäste des Abends nur schwer verständlich, welche Informationen, die Redner gerade gaben. „Wir brauchen Veranstaltungsorte für die Größe von Menschen, das sehen wir heute hier. Wir müssen uns in einer Kneipe treffen, weil es sonst so einen Ort in Eutin nicht gibt“, sagte einer der Besucher. Es ist Wasser auf die Mühlen der BI, denn neben einem Platz für die Öffentlichkeit an der Stadtbucht und der kulturhistorischen und architektonischen Bedeutung des Bauwerks führt die BI fehlende alternative Veranstaltungsorte als Grund für einen Erhalt des HdG an.

Immer lauter wird an diesem Abend aber auch das „Nein zum Hotel“, das einige Aktive als drohende Konsequenz sehen, sollten sie mit ihrem Vorhaben scheitern. Daran glauben allerdings nur wenige: „Die Signale, die wir von den Bürgern bekommen, sind vielversprechend. Wir werden nicht bei den erforderlichen 1312 Stimmen aufhören zu sammeln, wir werden bis Ende November so viele Stimmen sammeln, wie wir kriegen, um dann der Stadtverwaltung und den Stadtvertretern zu zeigen, wie viele Bürger dahinter stehen“, so Jürß. Viel länger als Ende November bleibt der BI nicht, da die Kommunalaufsicht bis zu sechs Wochen Zeit hat für die Zulässigkeitsprüfung. „Erklärt die Kommunalaufsicht die Prüfung für zulässig, muss der Entscheid binnen der nächsten drei Monate erfolgen“, informiert Jürß die Anwesenden. Den Urnengang mit der anstehenden Kommunalwahl erst im Mai zusammenzulegen, funktioniere deshalb schon nicht.

„Für uns zählt der 15. Februar, da läuft der erste Entscheid ab und bisher ist die Haltung der Stadt unverändert, sodass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssen“, sagt Sidrid Jürß. Doch die Hoffnung sterbe aus ihrer Sicht zuletzt: „Auch nach der Entscheidung für das Bürgerbegehren gibt es eine Chance, sich mit der Stadt zu einigen. Wir würden die Kosten für den Entscheid lieber sparen und gleich in die Sanierung des Haus des Gastes stecken“, sagt die Vertretungsberechtigte der BI.

Die Entscheidung der SPD, solange kein Investor gefunden wurde, so lange stimmen sie nicht für den Abriss auf Vorrat, verstehe die BI nicht. Immerhin unterstützte die SPD als einzige Fraktion in der Stadt die BI beim ersten Bürgerentscheid. Jürß: „Wie lange will die SPD noch warten, ob es einen Investor gibt oder nicht? In der Zeit geht noch mehr kaputt.“

Die BI – mittlerweile rund 50 Mitglieder stark, 39 davon sind auch im Förderverein – ist bereit zu kämpfen: Mit der Straßensammlung, Auslegung der Listen, Plakat- und Flyer-Aktionen und ab nächstem Samstag auch einem Stand auf dem Marktplatz.

Etwas mehr als ein Drittel der am Freitagabend Anwesenden war bereits beim ersten Bürgerentscheid dabei. Neue Mitglieder, wie den 37-jährigen Diplom-Ingenieur aus Eutin, lockten unter anderem der politische Umgang mit dem ersten Bürgerentscheid: „Das ganze Prozedere war so undemokratisch. Es kann nicht sein, das die Stimme der Bürger so von Stadt und Politik missachtet werden.“ Auch er verbinde, wie viele ältere Mitglieder, schöne Erinnerungen mit dem Haus, doch auch heute brauche es aus seiner Sicht einen Treff insbesondere auch für Jüngere mit erschwinglichen Preisen – von der Partymöglichkeit bis hin zu kulturellen Veranstaltungen.

David Gutzeit (15) ist wohl der jüngste Aktive, der sich auf das Plakate-Kleben mit seinen Großeltern freut: „Die Jugend wünscht sich so ein Gebäude in der nähe des Parks mit akzeptablen Preisen. Sonst hat man doch hier nichts, wo man als Jugendlicher hingehen kann.“ Seine Großeltern wollen den „schönsten Platz Eutins“ langfristig der Öffentlichkeit sichern und sehen das bei einem Hotelneubau gefährdet.Daran glaubt auch der 37-jährige Diplomer, allerdings zweifelt er daran, ob die Aufklärung insbesondere bei den jüngeren Leuten von Menschen größtenteils jenseits der 60 gelingen kann. „Ein Hotel mit Bar wirkt aus Sicht der meisten 20-Jährigen wohl erst einmal besser. Dass sich dies nicht rentieren kann und die Gefahr von Eigentumswohnungen an dem Standort groß ist, sehen die Jungen doch gar nicht.“ Er hoffe, dass der Verdruss der Eutiner gegenüber der Stadtobrigkeit nicht so groß ist, dass sie getreu der Meinung „Ich kann ja eh nix machen“ beim Entscheid zu Hause bleiben.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 00:51 Uhr

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