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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 05:29 Uhr

Wie Radfahren ohne Gegenverkehr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zwei Herzen schlagen in Noelani Sachs (18) Brust: eines für das Stand-Up-Paddling und das andere für klassischen Operngesang

Was für den Einen nur ein auf dem Wasser treibendes Brett, ist für den Anderen der Himmel auf Erden. Seit Jahrhunderten existiert das Ein-Mann-Floß-Paddeln als Fortbewegungsmethode auf dem Wasser. Für Noelani Sach ist die als „Stand-Up-Paddling“ (SUP) seit einigen Jahren auch in Deutschland populäre Trendsportart „die absolute Freiheit.“ Dank mittlerweile unterschiedlichster SUP-Verbände ist die 18-Jährige allein im Jahr 2015 sechsmalige Deutsche Meisterin geworden.

Als Spross einer sportlichen Familie kam Noelani schon früh in Kontakt mit verschiedenen Formen der Ertüchtigung. Bis zu ihrem 12. Lebensjahr tanzte sie etwa acht Jahre lang Ballett und lernte durch ihren Vater das Windsurfen kennen. „Das hat mir schon sehr viel Spaß gemacht“, erinnert sich Noelani Sach zurück. „Blöd war nur, wenn es keinen Wind gab.“ Doch für die Flauten auf dem Wasser hatte Noelani schnell eine Lösung zur Hand: „Ich habe das Stand-Up-Paddling ausprobiert, weil man dafür keinen Wind braucht.“ Seitdem ist die Schülerin Feuer und Flamme für das Stehpaddeln. Seit fünf Jahren bestreitet Noelani Sach Wettkämpfe im Stand-Up-Paddling auch über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus. So fuhr sie bereits die Weltcupserie mit und paddelte sich so durch die Fluten in Bilbao, Chicago, Hawaii, Italien und Finnland.

Die Wettkampfsaison startet im Mai und endet im Oktober. Um für die Rennen in bestmöglicher Form anzutreten, trainiert Noelani das ganze Jahr hindurch, die meiste Zeit zuhause auf dem Eutiner See. „Das ist super. Man ist gleich da und kann sofort mit dem Training anfangen“, sagt Noelani Sach, die am See wohnt. Besonders Langstrecke trainiere sie gern hier. Denn diese gehört mit einer Länge von bis zu 19 Kilometern zu den unterschiedlichen Disziplinen der SUP-Wettkämpfe. „Am Ende des Sees paddle ich oft in die Schwentine“, beschreibt Noelani ihr Training. „Da kommt man sich vor wie im Amazonas, es ist teilweise sehr schmal und Bäume wachsen über das Wasser. Das ist schon schön.“ Und der Weg in die Stadt ist so auch angenehmer als im Linienbus, weiß Noelani: „Ich habe mich mal an der Stadtbucht mit jemandem verabredet und bin direkt mit dem Board dorthin gepaddelt. Das ist wie Fahrradfahren, nur ohne Gegenverkehr.“

Eines der schönsten SUP-Reviere ist für Noelani Sach jedoch Hawaii: „Hawaii ist ein Traum, da ist der Spirit insgesamt ein anderer.“ Und doch haben besonders die Ostwindtage von Pelzerhaken bis Scharbeutz ihren Reiz für die Stand-Up-Paddlerin: „Auch an der Ostsee kann man super die Wellen absurfen. Man kann das Gefühl von Freiheit auch hier sehr schön erleben.“

Gemeinsam mit Noelani, Bruder Maui und Vater Frithjof besteht die Sach-Familie aus insgesamt drei Wettkampfpaddlern. Zwar versorgen Sportmarken Noelani bereits mit Zubehör wie Neoprenanzügen oder Sonnenbrillen, ihre Förderer sind aber nach wie vor ihre Eltern. „Sie sind meine Sponsoren und ich bin ihnen dafür sehr dankbar.“ Wie es für Noelani nach dem Abitur weitergeht, weiß sie noch nicht genau. Ihr eigentlicher Traumberuf hat allerdings mit Neoprenanzügen und Wellenreiten wenig zu tun. Denn seit ihrem achten Lebensjahr träumt Noelani Sach davon, Opernsängerin zu werden: „Ich habe bei den Eutiner Festspielen mitgemacht und nehme Gesangsunterricht seit ich zwölf Jahre alt bin.“ Die Eutinerin hat bereits einige Opernsänger kennengelernt und wisse um die Aspekte des Berufs. Darum steht Noelanis Wunsch fest: Ein Studium des Operngesangs. Doch bis dahin hat die Abiturientin noch etwas Zeit: „Als Sopran muss sich die Stimme noch weiter entwickeln. Frauen haben ihren Stimmbruch viel später als Männer.“ Bis dahin sind die Tage der Schülerin ausgefüllt mit der Schule, mehrstündigen Trainingseinheiten, Gesangsunterricht und der Vorbereitung auf den Autoführerschein. Noch denkt die Deutsche Meisterin im Stand-Up-Paddling nicht an eine Profi-Karriere: „Nur ganz wenige Stand-Up-Paddler können von dem Sport leben“, erklärt sie, „aber man muss sehen, wie sich die Sportart weiterentwickelt.“ Schlecht stehen ihre Chancen sicher nicht: Am vergangenen Wochenende verteidigte Noelani Sach bei der German SUP Challenge 2016 auf Fehmarn erneut ihren Meistertitel.

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 26.Jul.2016 | 04:00 Uhr

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