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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 11:09 Uhr

Abschiedskonzert in Eutin : West behielt die Fäden in der Hand

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

200 Sänger und Instrumentalisten wirkten Sonntagabend am Verdi-Requiem mit, das letzte große Konzert Martin Wests als Kantor.

Minutenlange Stille nach dem Verklingen des letzten Tones des Verdi-Requiems am Sonntag in der Michaeliskirche. Die Spannung, die das gesamte Konzert über bestanden hatte, blieb. Dann aber brach sich ein Beifallssturm Bahn, der nicht aufhören wollte und schließlich in stehenden Applaus aller Zuhörer in der vollbesetzten Kirche mündete.

Kirchenmusikdirektor Martin West gab nach 33-jähriger Tätigkeit sein letztes großes Konzert mit seiner Eutiner Kantorei, dem Orchester der Eutiner Kantorei und zusätzlich mit dem Vokalkreis Plön, dem Lübecker Kammerchor und dem Kammerchor Cantico Hamburg. Gewaltig und dramatisch, beinahe bedrohlich füllt diese Musik den Kirchenraum. Man kann den Tag der „letzten Abrechnung“ förmlich hören: Das ist die Dramatik des Opernkomponisten Verdi.

Dennoch finden die Solisten, Julia Borchert (Sopran), Nadine Weissmann (Mezzosopran), Gergely Németi (Tenor) und Ralf Lukas (Bass), allesamt hochkarätige Sänger aus dem Opernfach, im Lauf des Requiems mehr und mehr von der Oper zur Messe, vom Weltlichen zum Geistlichen, denn eine Messe ist es schließlich doch.
Julia Borchert singt dabei weich, hell, strahlend, leicht und klar in der Höhe und wunderbar im Zusammenklang mit Gergely Németi und Nadine Weissmann, die in den etwas tieferen Lagen golden und warm klingt. Die Solopartien sind beileibe nicht einfach, aber das hindert keinen der vier, besonders in den Soloquartetten, ihre Partien scheinbar mühelos zu meistern.

Die vier Chöre und das Orchester sind jeder für sich und im Zusammenspiel brillant, die Einsätze sauber und punktgenau. Weich im Piano, was bei der Zahl der Sänger nicht leicht ist, und stark beim Fortissimo. Umso mehr beeindruckt, dass ein großer Teil der Musiker sehr jung
ist.

Mit ruhiger Konzentration leitet Martin West die rund 200 Musiker, präzise, klar und ohne überflüssige Gesten. Und man hat den Eindruck, dass er direkten Kontakt auch zu dem hintersten der Choristen hat, ohne dass ihm ein Musiker ganz vorn im Orchester entginge. Nur manchmal gibt es Momente, in denen seine aufrechte Haltung beinahe beschwingt einer weicheren Melodieführung nachgibt. Die Fäden behält er dabei in der Hand.

Ein Requiem, eine Messe zur ewigen Ruhe, als letzte Aufführung – sozusagen als Ausblick auf den „ewigen Ruhestand“? Das ist hoffentlich so nicht zu verstehen, sondern wünschenswert wäre es, wenn Martin West neue musikalische Aufgaben anginge, die er dem Eutiner Publikum schenken würde.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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