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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 18:49 Uhr

Sagau : Wehrübung mit „Opfern“ und TV-Team

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Dramaturg“ Rolf Nötzold hatte eine umfangreiche Übung mit einem realistische Szenario in einer „brennenden“ Reetdachkate am Ochsenhals ausgearbeitet

Die Übung der Kasseedorfer Feuerwehren am Freitagabend war auch für Gemeindewehrführer Martin Stahl eine Überraschung. Zwar wussten alle von einer Übung, aber Organisator Rolf Nötzold hatte niemanden in das Szenario eingeweiht.

Als die 22 Einsatzkräfte am leer stehenden Reetdachhaus im Wald am Ochsenhals eintrafen, wurden sie bereits von den drei aufgeregten Jugendlichen erwartet, die wild und durcheinander auf den Gemeindewehrführer einredeten. Aus dem verqualmten Haus mussten vor den Löscharbeiten noch Menschen gerettet werden.

Bei einer ersten Erkundung des Geländes fand Stahl auch gleich die erste Gefahrenquelle und verschloss den Tankdeckel eines parkenden Autos. Weiter wurden vier Jugendliche vom völlig verqualmten Dachboden gerettet. „Opfer“ Daniel Klauke forderte die sechs Atemschutzträger ordentlich. Sie mussten 130 Kilogramm Körpergewicht mit einem Feuerwehrschlauch gesichert durch die enge Lucke bugsieren. Stahl dazu später: „Wenn das ein Ernstfall gewesen wäre, hätten wir nicht lange gefackelt und ihn fallen lassen. Hauptsache lebend geborgen. Ein Beinbruch wäre da zu verkraften.“

Schauspielerisches Talent bewiesen auch die übrigen Opfer, die sich nur unter lauten Schreien wie „Meine Freundin ist da noch drin!“ vom brennenden Haus fernhalten ließen. Dann trat auch noch ein Fernsehteam auf die Bildfläche, das sich nicht des Platzes verwiesen lies und ständig Einsatzleitung und übrige Einsatzkräfte durch Interviewwünsche von der Arbeit abhielt. Auch der später eintreffende „Hausbesitzer“, der sein Auto als Behinderung direkt vorm Haus auf der Straße abstellte, war ein Schauspieler. Insgesamt 12 Darsteller des statt-Theaters aus Neumünster waren nach Sagau gekommen, um das Übungsszenario mit „echtem Leben“ zu füllen.

Bereits am Nachmittag hatte „Dramaturg“ Rolf Nötzold, der früher selbst zur Theatergruppe gehörte, mit Helfern im Haus eine Licht- und Soundanlage installiert. Mit Rauchschwaden, rot flackerndem Licht und dem Geräusch lodernder Flammen entstand eine annährend realistische Stimmung. Weniger realistisch war jedoch der Aufbau der Wasserversorgung. Der von Nötzold geplante Zugriff auf die Zisterne des Schießsportzentrums scheiterte zunächst am verschlossenen Tor. Also wurden über 900 Meter Schläuche verlegt und das Wasser aus der Schwentine gefördert.

Alle Kameraden äußerten sich positiv zur Ausgestaltung der Übung und auch die Schauspieler haben neue Eindrücke gewonnen. Ihr Urteil: „Es ist erstaunlich was an Mensch und Gerät zur Menschenrettung aufgefahren wird und wie professionell vorgegangen wurde.“ Für die Aktiven zeigte sich einmal mehr, wie dünn die Personaldecke für den Ernstfall ist. Nur sechs Atemschutzträger würden nicht ausreichen, um Menschen zu suchen und zu retten. Daher hoffen alle drei Ortswehren auf weitere personelle Unterstützung durch dringend erforderliche Neueintritte.

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erstellt am 09.Okt.2016 | 20:00 Uhr

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