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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 13:19 Uhr

Eutin : Wartelisten beim Frauennotruf

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Insgesamt 8000 Euro hat die Bürger-Stiftung Ostholstein mittlerweile an den Verein Frauenberatung und Notruf Ostholstein gespendet.

„Seit 2013 waren es jedes Jahr 2000 Euro und das werden wir wohl auch so in den kommenden Jahren beibehalten“, erklärte Stiftungsvorsitzender Jens Teichert. Diplom-Psychologin Carla Schneider bedankte sich im Namen des Frauennotruf-Teams bei Jens Teichert und Wiebke Schiebold von der Bürger-Stiftung Ostholstein. Schneider: „Das ist eine große Unterstützung für unsere Arbeit.“

Mit 924 Beratungen im Jahr 2013, 922 Beratungen im Folge- und 923 Beratungen im vergangenen Jahr sei der Bedarf von häuslicher Gewalt betroffener Frauen und Mädchen unverändert hoch, bestätigte Carla Schneider. Auch die Zahl der Frauen mit Migrationshintergrund wachse stetig, erklärte die Notruf-Mitarbeiterin. „Wir hatten diese Frauen schon immer in der Beratung, jetzt haben wir aber festgestellt, dass die Kurve nach oben geht“, sagte Carla Schneider. „Und wir rechnen damit, dass es mehr wird, sobald die Frauen mehr in unseren System angekommen sind.“ Schwierig sei in solchen Fällen, ergänzte Schatzmeisterin Christina Zander, die Sprachbarriere zwischen Hilfesuchenden und Helfern. „Wir brauchen in vielen Fällen einen Dolmetscher“, so Zander. Allerdings fuße die Arbeit des Notrufs vor allem auf den Helfern und Multiplikatoren des Vereins Frauenberatung und Notruf Ostholstein: „Unser Weg ist weniger der direkte als der über die Multiplikatoren“, sagte Carla Schneider. „Darum liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit darin, dass sie immer gut informiert sind, denn sie sind am nächsten dran an den Frauen.“

Vor allem die Mitarbeiter der Schwangerenkonfliktberatung in Neustadt, ergänzte Christina Zander, bemerkten einen verstärkten Zulauf von Frauen mit Migrationshintergrund. Häufig stehe dabei die Frage eines Schwangerschaftsabbruchs im Vordergrund. „Insgesamt haben wir in diesem Jahr in Eutin und Neustadt zusammen 23 Frauen mit Migrationshintergrund beraten“, fasste Zander zusammen.

Frauennotruf-Beraterin Julia Dabelstein fügte hinzu, dass vielen Betroffenen ihre problematische Lage zunächst nicht bewusst sei: „Was ordnet man als häusliche Gewalt ein? Das Bewusstsein dafür kommt bei einigen Betroffenen erst später mit der Zeit, wenn sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt und eine Idee davon entwickelt haben.“ Erst dann bekämen die Frauen und Mädchen nach und nach das Gefühl, dass sie sich zur Wehr setzen müssten, sagte die Notruf-Mitarbeiterin.

Das Beratungsspektrum umfasst Gewalt in der Familie, sexuelle Gewalt und Stalking. Der Verein Frauenberatung und Notruf Ostholstein ist vor allem im ambulanten Bereich der Anti-Gewalt-Beratung für Frauen und Mädchen tätig und arbeitet eng mit der Schwangerschaftsberatungsstelle in Neustadt zusammen.

In diesem Jahr ist der Beratungsbedarf so hoch, dass der Frauennotruf schon eine Warteliste führen muss. „Wir gucken, wie akut die Fälle sind. Wenn wir wissen, dass die Frau im Frauenhaus in Sicherheit ist, kann das auch mal eine Woche warten“, beschrieb Carla Schneider. Um auch Frauen mit Einschränkungen zu erreichen, arbeiten die Mitarbeiter des Vereins nun verstärkt daran, die Homepage des Notruf Ostholstein in leichte Sprache zu übersetzen.

In der Beratungsstelle in Neustadt arbeiten aktuell zwei Teilzeitkräfte, ebenso viele wie am Standort Eutin. In diesem Jahr erhöhte das Land Schleswig-Holstein die Zuschüsse von bisher 69  000 Euro auf 71  150 Euro. Der Haushalt des Vereins umfasst 190  000 Euro in diesem Jahr, davon sind 162  000 Euro Personalkosten. Spenden nimmt der Verein gerne entgegen.

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erstellt am 19.Okt.2016 | 04:30 Uhr

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