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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 02:05 Uhr

Vorsicht: Wild und rutschig

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die dunkle Jahreszeit lockt nicht nur brunftige Hirsche auf die Straßen des Kreisgebiets, auch der eine oder andere Blitzer kann am Straßenrand lauern

Vier Mal täglich krachte es im vergangenen Jahr im Kreis Plön zwischen Autos und Wildtieren. Mit 1550 durch die Polizei registrierten Wildunfällen sei die Tendenz im Jahr 2015 im Kreisgebiet steigend, sagte Polizeibeamter Michael Martins gestern auf der Kreisstraße zwischen Grebin und Lebrade. Denn hier hatten der Plöner Revierleiter und seine Kollegen gestern Mittag die „Radarfalle“ positioniert. Aktuell führen die Beamten
aus Plön mit der Unterstützung der Kieler Kollegen verstärkt Geschwindigkeitsmessungen im Kreis durch, denn: „Die dunkle Jahreszeit hat begonnen“, so Martins. „Die Autofahrer sind durch Laub und Regen sichtbehindert und es ist zusätzlich die Zeit der Damwildbrunft.“

Nachdem die Geschwindigkeitskontrollen der Kieler Polizei ein halbes Jahr lang eingestellt worden waren, um die Personalkraft auf die Flüchtlingspolitik zu konzentrieren, haben die Beamten die Radarfallen nun pünktlich zur Wildwechsel-Saison reaktiviert. Polizeioberkommissar Cord Wachholz des Polizeibezirksreviers Kiel erklärte: „Von Dezember 2015 bis August 2016 haben wir gar nicht gemessen. Bei den ersten Messungen danach waren teilweise über 50 Prozent der Fahrzeuge zu schnell.“

Verkehrsteilnehmer unterschätzen die Gefahr durch Wildwechsel häufig, weiß auch Förster Hermann Ehlert: „Im Oktober zur Damwildbrunft ist das Wild viel in Bewegung, es zieht vom Wald ins Feld. Und so ein Wildunfall ist nicht ohne“, warnte der Forstmann im Ruhestand. Die Gefahr einer Kollision mit einem Waldbewohner sei mit dem Ende der Brunftzeit im Oktober nicht gebannt: „Nach der Brunft zieht das Wild in die alten Einstände zurück“, sagte Ehlert. Und einem Tier auf der Straße folgten oftmals weitere Artgenossen, denn: „Die Frischlinge beispielsweise sind immer noch bei der Bache.“ Und auch Rapsfelder stellten eine neue Gefahr dar, erklärte Ehlert. So sei die Pflanze wegen ihres bitteren Geschmacks bisher für Wild unattraktiv gewesen, „durch neue Züchtungen ist der Raps jetzt aber süßer, vor allem im Winter“, sagte Ehlert. „Und jetzt frisst ihn das Wild sehr gern.“ Im Kreis Plön kommt besonders Rehwild in großer Zahl vor: Von 3678 erlegten Tieren gingen im vergangenen Jahr allein 16 Prozent des Rehwilds (588 Tiere) auf das Konto von Verkehrsunfällen. Bei einem Wildunfall – mahnt Revierleiter Martins – ist zu beachten: „Vorsicht beim Verlassen des Autos, Warnblinker anstellen, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen, dann die Polizei oder den Jagdpächter anrufen. Und Vorsicht: um verletzte Tiere besser einen Bogen machen, die sind nicht ungefährlich.“ Wildunfälle sind aber nicht immer die Folge überhöhter Geschwindigkeiten, weiß Michael Martins aus eigener Erfahrung: „Vor zwei Wochen ist mir ein Wildschwein ins Auto gelaufen. Und ich bin 80 in einer 80er Zone gefahren.“

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erstellt am 28.Okt.2016 | 11:30 Uhr

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