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Ostholsteiner Anzeiger

30. August 2014 | 16:10 Uhr

Korruptionsverdacht : Vorsicht beim Trinkgeld für Müllmänner

vom

Kompromisslose Regelung: Müllmänner dürfen zum Fest nur kleine Beträge annehmen. Die Städte wollen einen Korruptionsverdacht ausschließen.

Kiel/Hamburg | Egal ob die Sonne vom Himmel brennt oder hoher Schnee liegt: Die guten Geister der Stadtreinigung und der Müllabfuhr, die Brief-, Paket- und Zeitungsboten lassen sich davon kaum beeindrucken und erfüllen ihren Auftrag unbeirrt. Es war immer gute Tradition, ihnen dafür an Weihnachten zu danken. Mal lag auf der Mülltonne ein Pfund Kaffee, mal wurde dem Straßenkehrer ein "Briefumschlag" zugesteckt, mal dem Postboten eine Packung Pralinen. Doch was meist als freundliche Geste gemeint war, ist in Verruf geraten. Aus Angst vor Korruptionsvorwürfen haben die Städte nun strenge Regeln aufgestellt.
Die Landeshauptstadt Kiel etwa regelt per Dienstanweisung die Annahme von Belohnungen und Geschenken: Bedienstete des Abfallwirtschaftsbetriebes dürfen grundsätzlich keine Geschenke, Belohnungen, Bargeld oder geldwerte Vorteile im Zusammenhang mit ihrem Amt oder ihrer dienstlichen Tätigkeit annehmen. Lediglich zum Jahreswechsel gibt es eine Ausnahme: Bargeld bis zu fünf Euro oder Sachgeschenke bis zu einem Wert von zehn Euro sind erlaubt. "Fünf Euro, mehr nicht" lautet auch die Devise bei der Abfallwirtschaft Schleswig-Flensburg GmbH (ASF). "Damit wollen wir der Bestechung vorbeugen und verhindern, dass die Geschenkeflut ausartet", erklärt Geschäftsführer Aksel Busse. Fünf Euro - immerhin!

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Mitarbeiter "nicht in Verlegenheit bringen"

Die Kollegen in Hamburg müssen Zuwendungen von Kunden und Lieferanten auch in der Vorweihnachtszeit ablehnen. "Ein freundliches Dankeschön und ein paar lobende Worte sind als Ansporn und Aufmunterung stets ausreichend und immer willkommen", meint Geschäftsführer Rüdiger Siechau und bittet alle Bürger, seine Mitarbeiter "nicht in Verlegenheit zu bringen". Dahinter steckt die Sorge, dass es Geschenke nicht nur aus Dankbarkeit gibt, sondern der eine oder andere Bürger hofft, dass der Müllmann im Januar auch die Kartons mitnimmt, die nicht mehr in die Tonne passen. Daher die kompromisslose Regelung. Korruption sei kein Kavaliersdelikt, wurde den Müllmännern eingetrichtert. Vielmehr verursache sie jährlich enorme volkswirtschaftliche Schäden, verdränge seriösen Wettbewerb und vernichte Arbeitsplätze. Deshalb ist Bestechung strafbar.
Angesichts der Restriktionen bei der Müllabfuhr können die 2700 Zusteller der Deutschen Post in Schleswig-Holstein noch zufrieden sein. Ein generelles Geldgeschenke-Verbot gibt es nicht. "Geldgeschenke bis 25 Euro sind noch vollkommen in Ordnung", meint Post-Sprecher Martin Grundler. "Weil es als Dankeschön für diesen Knochenjob verdient ist - gerade im Winter, wenn es mit dem Fahrrad durch Eis und Schnee geht." Darüber liegende Beträge müssen einem Vorgesetzten gemeldet werden.
Dem Zeitungszusteller etwas in die Hand zu drücken, ist etwas anderes, weil dieser kein Amtsträger ist. Hier kann der Schenker nicht wegen Vorteilsgewährung belangt werden. Die spielte in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff ein Rolle. Er musste sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er Geschenke angenommen habe, für die jeder Müllmann entlassen worden wäre.

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von Margret Kiosz
erstellt am 24.Dez.2012 | 11:49 Uhr

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01. | U. KRUEGER | 23.12.2012 | 20:26 Uhr
Wann ist Geben seeliger als Nehmen und wann ist es Bestechung und der Nehmer ein Schnorrer?

Wenn man etwas gibt, erwartet man etwas dafür (wir sind doch keine Heiligen). Diese Erwartung kann jedoch völlig immateriell sein und sich nicht auf Gegenleistungen des Beschenkten beziehen. Wenn man z.B. weder dem Müllmann noch dem Zeitungsausträger oder dem Postboten Weihnachtsgeschenke macht, sondern den Gesamtbetrag einer karitativen Organisation spendet, erwartet man sicher keine konkreten Gegenleistungen aus irgendwelchen Problemgebieten in der dritten Welt. Die Belohnung besteht in dem angenehmen Gefühl, etwas Gutes und Soziales getan zu haben. Und so kann man sich natürlich auch zu Weihnachten damit belohnen, dem Müllman, Postboten oder Zeitungsausträger etwas Gutes zu tun, denn das macht ja auch dem Schenkenden Freude. Diese Art von ’Geschäft’ hat, obwohl Geld im Spiel ist, nichts verwerfliches an sich. In direktem Kontakt zu Menschen funktioniert das übrigens auch ohne Geld. ’Bitte’ und ’Danke’ sagen, jemandem eine Tür aufhalten, unbedrängt ausparken lassen, usw. usw.. Geld ist doch nur Mittel zum Zweck, um sich wohlzufühlen. Manche Leute würden sich sicher wundern, wieviel Wohlfühlen man ohne Geld erreichen kann (geben aber große Summen für Dinge aus, die sie nicht wirklich glücklich machen).

Wenn ich allerdings mit meiner Gabe eine konkrete Absicht, eine Erwartung auf Gegenleistung, die von dem Beschenken zu erbringen ist verbinde, dann ist das ein Geschäftsvorgang und bekommt, wenn nicht offen als solcher deklariert, sehr schnell ein ’Gschmäckle’. Kleine und große Politiker weisen meist jegliche Vermutung, daß Geschenke, Einladungen und sonstige Vorteile irgend etwas mit Erwartungen des Schenkenden zu tun haben, weit von sich und auch die Gerichte sehen wenig Grund für detaillierte Betrachtungen ’weil nicht von einer Verurteilung auszugehen ist’. Daß System kann und will also solche Machenschaften ’glattbügeln’ und unter den Teppich kehren. Ob die so Beschenkten tatsächlich glauben, daß sie so nette Menschen sind, die so einen guten Job gemacht haben, daß Vertreter persönlicher Interessen, Firmen & Lobbyisten ihnen unbedingt eine Aufmerksamkeit zukommen lassen müssen? Vielleicht gehört ja die Kombination solcher ’eigenartiger’ Charaktereigenschaften in manchen Bereichen zum Geschäft, nur sollte man da nicht zuerst bei den Müllmännern suchen.

02. | Norbert Karl | 23.12.2012 | 12:40 Uhr
Herr MICHAEL MÜLLER 22.12.2012 16:13

Seit wann benuzen Sie ähnliche Worte von Joschka Fischer, die der gegen den damaligen Vizepräsidenten des Bundestages Stücklen Anfang der 80er erhoben hatte?
Hier im Kommentar:"Der Herr Geschäftsführer, mit Verlaub, Sie sind ein A....loch!!"
Das gibt mir sehr zu denken ;o))
Vielleicht liest Herr Müller dies ja, obwohl ich auf seiner "ignorelist" stehe.

03. | Heidmann karl | 23.12.2012 | 10:33 Uhr
Vorteilsnahme?

In den Pflegeheimen ist es laut Gesetz vorgeschrieben,daß alle Geldgeschenke,die die Angehörigen der Bewhner für das Pflegepersonal abgeben,bei der Heimleitung ab-
gegeben werden müssen.Dann wurd großspurig erzählt,was das Haus dann in diesem Jahr für das Geld anschaffen will,bevor es dann im Dickicht der Verwaltungen versickert.
Mich wundert nur immer wieder,daß die ,aus eigener Erfahrung,schlechtesten Pflegeheime immer die besten Noten durch den MDK bekommen.
Ein Schelm,der böses dabei denkt.

04. | Der Seher im Sturm | 23.12.2012 | 09:54 Uhr
Warum?

Ich bin in diesem Jahr auch immer zur Arbeit gefahren, habe meinen Job getan. Ich habe kein Trinkgeld bekommen. Werden Müllmänner, Postboten, etc. nicht monatlich für ihre Arbeit bezahlt? Ich Zahle Müllgebühren dafür, dass auch im Winter entsorgt wird. Briefporto, damit bei Schnee zugestellt wird........

05. | Der Seher im Sturm | 23.12.2012 | 09:54 Uhr
Warum?

Ich bin in diesem Jahr auch immer zur Arbeit gefahren, habe meinen Job getan. Ich habe kein Trinkgeld bekommen. Werden Müllmänner, Postboten, etc. nicht monatlich für ihre Arbeit bezahlt? Ich Zahle Müllgebühren dafür, dass auch im Winter entsorgt wird. Briefporto, damit bei Schnee zugestellt wird........

06. | Hans Stein | 23.12.2012 | 09:41 Uhr
Anfang und Ende

Wo fängt es an und wo hört es auf? Bei kleinen Werbegeschenken, die ja auch so ein Gefühl von "ich bin dem Geber in der Schuld" hinterlässt und somit durchaus zu Gegenleistungen - und sei es auch nur Wohlwollen - führen kann?

Zumindest gibt es nach oben hin keine Grenzen: Im Bestechungsskandal bei Siemens, dem größten Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte, ging es um rund 1,3 Milliarden Euro.

07. | Gerhard Stahl | 23.12.2012 | 09:00 Uhr
Die Ermittlungen laufen ...............

Zunächst wurde in einem Ort, den Sie alle hier kennen, dem örtlichen, privaten Entsorger das Geschäfts-Leben durch den zuständigen Kreis - Abfallbehörde - so schwer gemachtg, daß er den Betriebsteil einstellte. Nun fährt der Unternehmer wieder. Der Abfall kommt in einen Container,dann zum Kreis. Dort soll, so sagt die Gerüchteküche, mal gewogen werden mal eben nicht. Und ein Mal im jahr treffen sich nun der Inhaber der privaten Firma und der Chef der Abfallabteilung des Kreises.
Dabei geht dann ein "Briefumschlag" an den Kreis-Mitarbeiter.........................
Verschiedene Verfahren gegen den betreffenden Kreis sind eingestellt worden.
weil keine einzige Behörde "was finden konnte". Bei Privaten rückte dagegen gleich die Polizei mit Beschlagnahmebeschlüßen der StA bzw. des Amts- / Landgericht an.
Warten wir es ab,wir werden sehen, was wegen der Umschläge noch ans
Licht kommt. Und da sind mehr als ein fünf-euro-Schein drin.Wetten.

08. | Herr R aus T | 22.12.2012 | 21:52 Uhr
Herr Rüdiger Siechau ...........

in Ihrer Position solch eine Aussage? mann" solte nicht im Glashaus sitzen und mit Steinen schmeissen. Oder gehen Sie mit einem Geschäftmann bei MC D....d oder B....r K..g essen?

09. | Norbert Karl | 22.12.2012 | 21:04 Uhr
Was ist Korruption?

........ um einen materiellen oder immateriellen Vorteil zu erlangen, auf den kein rechtlich begründeter Anspruch besteht!
Derr Einzige, der das hier zugibt, ist Herr Dean! So wird ein Sack auch mal so mitgenommen, den er sonst hätte kaufen müssen. (oder eine Banderole für die Mülltonne)
Dadurch entgeht der Entsorgungsfirma die Gebühr.
Alle anderen Schreiber geben den Müllleuten nur eiin (Geld-)Geschenk ohne irgendwelche Hintergedanken..... ;o))
Ausnahmen bestätigen die Regel !

10. | Michael Müller | 22.12.2012 | 16:13 Uhr
Der Herr Geschäftsführer, mit Verlaub, Sie sind ein A....loch!!

"Ein freundliches Dankeschön und ein paar lobende Worte sind als Ansporn und Aufmunterung stets ausreichend und immer willkommen" gibt der "Herr Geschäftsführer" Rüdiger Siechau von sich....in meinen Augen die aseligste Aussage die ich in 2012 hier beim SHZ gelesen habe!!!..
Im Gegensatz dazu der wohl beste Kommentar des Jahres aus 2012 beim SHZ, geschrieben von U.Krueger, 22.12.2012 um 15.42 Uhr...

Eine Sternstunde der Kommentarfunktion!!

11. | U. KRUEGER | 22.12.2012 | 15:42 Uhr
Endlich sind die Schuldigen ausgemacht.....

Da die Müllmänner über die Aufsichtsratsposten bei der HSH Nordbank entscheiden, Baugebiete und Windeignungsflächen ausweisen, öffentliche Aufträge vergeben, Sondernutzungen öffentlicher Einrichtungen ermöglichen, umfangeiche Kontakte zur Wirtschaft pflegen, oft zu Geschäftsessen eingeladen werden ist es natürlich ganz klar, wer im Lande an der wachsenden Korruption Schuld ist - es sind die Müllmänner (und ähnliche Berufsgruppen)!
Diese besetzen dann natürlich auch nach ihrer aktiven Zeit im öffentlichen Dienst regelmäßig gut dotierte Schlüsselpositionen in der Wirtschaft, bekommen Beraterverträge, Windparkbeteiligungen, Firmenfahrzeuge oder Bauleistungen zu Sonderkonditionen und/oder werden - sollte 'mal ein Müllmann völlig inkompetent sein - auf irgendwelche lukrativen, aber völlig sinnlosen, Druckposten in irgendwelche Verbände abgeschoben.

Endlich kennen wir die Wahrheit! Es ist nicht die Nähe der 'politischen Entscheider' -von der kommunalen bis zur Landesebene - zu vielerlei Lobbygruppen, welche die Korruption im Land fördert - es sind die 5 Euro, Weihnachtsgebäck, Kugelschreiber, Kalender, oder sonstigen kleinen Gaben, für real arbeitenden Menschen, die das Land von einer Demokratie zur Lobbykratur verändert haben.



12. | S. Calzone | 22.12.2012 | 15:24 Uhr
Briefzusteller

In der Weihnachtszeit hängen manchmal Umschläge an den Briefkästen, auf denen "Für den Postboten" steht. Stellt sich die Frage, für welchen Postboten die sind, denn es gibt auch andere Zustelldienste wie z.B. Nordbrief. Und die bringen auch Post, sind also auch Postboten.

13. | Jimi Dean | 22.12.2012 | 15:13 Uhr
Noch mehr Müll...

Menschenskinders, wat dat? Ich spende mein Geld eh lieber an Peter Hartz oder mein lieben Wulff, da ist das Geld wesentlich besser aufgehoben. Doch nicht dem kleinen Angestellten, könnte ja was mit Korruption zu tun haben. Geht`s noch? Wann stehen wir endlich auf und zeigen Mal, wer hier das Volk ist? Ich lad meinen Müllmann nach der Arbeit auf `n Bier ein, und bin somit sicher, dass auch in Zukunft der Sack neben der Tonne mitgenommen wird. Deutschland, Du wirst immer hässlicher, mir wird ganz übel... Und trotzdem: Frohe Weihnachten der Arbeiterklasse!

14. | Gaby Kochan | 22.12.2012 | 14:15 Uhr
So ein Müll

Dann eben anders :-). Meine drei Kinder und ich haben dem Müllentsorger heute jeweils 5 Euro in die Hand gedrückt :-)... so bekam er dann die 20, die ich ihm jedes Jahr auf einmal gegeben hatte. Frohe Weihnachten.

15. | Norbert Nielsen | 22.12.2012 | 12:02 Uhr
Geschenke

Was soll der einfache Arbeiter auch mit den Geschenken ??? Eine Millionenüberweisung an die Bosse langt doch

16. | Heinz Dethlefsen | 22.12.2012 | 11:56 Uhr
Trinkgld für Müllmänner

Jetzt wolen die uns auch noch vorschreiben wieviel wir geben dürfen,unsere Politiker nehmen doch alles mit was Sie kriegen können,da wäre der Müllmann schön blöd wenn er irgend emanden erzählen würde wieviel er bekommt.
Also jeder soll soviel geben wie er möchte!!!

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