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Ostholsteiner Anzeiger

16. September 2014 | 17:27 Uhr

Korruptionsverdacht : Vorsicht beim Trinkgeld für Müllmänner

vom

Kompromisslose Regelung: Müllmänner dürfen zum Fest nur kleine Beträge annehmen. Die Städte wollen einen Korruptionsverdacht ausschließen.

Kiel/Hamburg | Egal ob die Sonne vom Himmel brennt oder hoher Schnee liegt: Die guten Geister der Stadtreinigung und der Müllabfuhr, die Brief-, Paket- und Zeitungsboten lassen sich davon kaum beeindrucken und erfüllen ihren Auftrag unbeirrt. Es war immer gute Tradition, ihnen dafür an Weihnachten zu danken. Mal lag auf der Mülltonne ein Pfund Kaffee, mal wurde dem Straßenkehrer ein "Briefumschlag" zugesteckt, mal dem Postboten eine Packung Pralinen. Doch was meist als freundliche Geste gemeint war, ist in Verruf geraten. Aus Angst vor Korruptionsvorwürfen haben die Städte nun strenge Regeln aufgestellt.
Die Landeshauptstadt Kiel etwa regelt per Dienstanweisung die Annahme von Belohnungen und Geschenken: Bedienstete des Abfallwirtschaftsbetriebes dürfen grundsätzlich keine Geschenke, Belohnungen, Bargeld oder geldwerte Vorteile im Zusammenhang mit ihrem Amt oder ihrer dienstlichen Tätigkeit annehmen. Lediglich zum Jahreswechsel gibt es eine Ausnahme: Bargeld bis zu fünf Euro oder Sachgeschenke bis zu einem Wert von zehn Euro sind erlaubt. "Fünf Euro, mehr nicht" lautet auch die Devise bei der Abfallwirtschaft Schleswig-Flensburg GmbH (ASF). "Damit wollen wir der Bestechung vorbeugen und verhindern, dass die Geschenkeflut ausartet", erklärt Geschäftsführer Aksel Busse. Fünf Euro - immerhin!

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Mitarbeiter "nicht in Verlegenheit bringen"

Die Kollegen in Hamburg müssen Zuwendungen von Kunden und Lieferanten auch in der Vorweihnachtszeit ablehnen. "Ein freundliches Dankeschön und ein paar lobende Worte sind als Ansporn und Aufmunterung stets ausreichend und immer willkommen", meint Geschäftsführer Rüdiger Siechau und bittet alle Bürger, seine Mitarbeiter "nicht in Verlegenheit zu bringen". Dahinter steckt die Sorge, dass es Geschenke nicht nur aus Dankbarkeit gibt, sondern der eine oder andere Bürger hofft, dass der Müllmann im Januar auch die Kartons mitnimmt, die nicht mehr in die Tonne passen. Daher die kompromisslose Regelung. Korruption sei kein Kavaliersdelikt, wurde den Müllmännern eingetrichtert. Vielmehr verursache sie jährlich enorme volkswirtschaftliche Schäden, verdränge seriösen Wettbewerb und vernichte Arbeitsplätze. Deshalb ist Bestechung strafbar.
Angesichts der Restriktionen bei der Müllabfuhr können die 2700 Zusteller der Deutschen Post in Schleswig-Holstein noch zufrieden sein. Ein generelles Geldgeschenke-Verbot gibt es nicht. "Geldgeschenke bis 25 Euro sind noch vollkommen in Ordnung", meint Post-Sprecher Martin Grundler. "Weil es als Dankeschön für diesen Knochenjob verdient ist - gerade im Winter, wenn es mit dem Fahrrad durch Eis und Schnee geht." Darüber liegende Beträge müssen einem Vorgesetzten gemeldet werden.
Dem Zeitungszusteller etwas in die Hand zu drücken, ist etwas anderes, weil dieser kein Amtsträger ist. Hier kann der Schenker nicht wegen Vorteilsgewährung belangt werden. Die spielte in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff ein Rolle. Er musste sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er Geschenke angenommen habe, für die jeder Müllmann entlassen worden wäre.

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von
erstellt am 24.Dez.2012 | 11:49 Uhr

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