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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 15:11 Uhr

Vor 75 Jahren starb Jakob Alberts

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der „Halligmaler“, der in Berlin und Hamburg zur Avantgarde zählte, verbrachte seinen Lebensabend in Malente-Gremsmühlen

Jakob Alberts ist als Zeichner, Graphiker sowie Maler überliefert, der eigentlich von Eiderstedt stammte, in Berlin sowie Hamburg zu den avantgardistischen Künstlern gehörte und sich im Alter nach Malente-Gremsmühlen zwischen Eutin und Plön zurückzog. Die Palette seiner Schöpfungen reicht von Interieurs über Genre-Szenen und Porträts bis zu überaus reizvollen Küstenlandschaften, die seine Nachwirkung über seinen Tod vor 75 Jahren hinaus bis in die Gegenwart begründeten.

Wegen seiner besonderen Vorliebe für die nordwest- deutschen Halligen genießt er bis heute den Ruf eines bedeutenden „Halligmalers“. Seine Bilder befinden sich hauptsächlich in Privatbesitz. Sie können aber auch
in einigen norddeutschen Kunstsammlungen bewundert werden. Das entsprechende Ausstellungsangebot reicht vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum in Schleswig über die Kunsthalle Kiel und das Altonaer Museum in Hamburg bis zum Nordfriesischen Museum in Husum, wo Bilder wie „Kaffeegesellschaft“, „Diele von Waterneverstorf“, „Blühende Hallig“ und „Beichte in der Halligkirche“ zum Bestand gehören. Wann immer Kunstwissenschaftler oder Medien die Maler aus Schleswig-Holstein reflektieren, ist der Halligmaler dabei bis hin zum Schleswig-Holsteinischen Heimatkalender.

Jakob Alberts wurde am 30. Juni 1860 in Westerhever auf Eiderstedt geboren. Er absol- vierte die Domschule in Schleswig und sollte auf Wunsch seiner strenggläubigen Eltern ungeachtet der offenkundigen künstlerischen Begabung gegen seinen Willen die theologische Laufbahn einschlagen. Doch der Junge sah seine Zukunft nicht als Pastor. Alberts wollte Künstler werden. Da gab es einige Auseinandersetzungen im Elternhaus. Schließlich gaben die Eltern nach. Alberts durfte nach dem heimischen Schulabschluss 1880 an die Kunstakademie in Düsseldorf wechseln. Er kam zunächst in die Obhut von Peter Janssen und vervollkommnete sich später an der Akademie in München unter Wilhelm von Diez. Das waren zwei berühmte Lehrer, die ihn maßgeblich prägten.

Es folgten ausgiebige Studienreisen nach Ungarn, England und Italien, ehe er sich zwischen 1886 und 1889 den letzten Schliff in Paris holte. Alberts studierte an der bekannten Akademie Julian, hatte auch dort wieder berühmte Lehrer wie Jules Lefebre sowie Benjamin Constant und kam in Kontakt zu Pierre Auguste Renoir, Edouard Manet, Camille Pissarro sowie Claude Monet. In deren Nähe machte er die Bekanntschaft mit den malerischen Feinheiten der französischen Moderne. Mit Folgen. Vom Porträt und den heimatlichen Interieurs des Frühwerkes gelangte er per Annäherung an den Impressionismus schrittweise zur Landschaft mit einer modernen Auffassung. 1890 ließ sich der aufstrebende Maler zunächst in Berlin nieder. Doch die Sommerhalbjahre verbrachte Alberts regelmäßig auf der heimischen Halbinsel oder auf den vorgelagerten Nordseeinseln wie Sylt und Föhr. Hier fand er seine Wunschmotive. Die entsprechenden Bilder wie „Beichte auf der Hallig Oland“ von 1891 sowie „Schmied Broders“ von 1891, die heute zum Bestand des Nordsee-Museums in Husum gehören, und „Königspesel auf Hallig Hooge“ von 1892, das im Landesmuseum auf Schloss Gottorf zu bewundern ist, begründeten seinen Ruf als „Maler der Halligen“.

In Berlin gehörte er zu jenem Künstlern, die die noch vorherrschende Stilrichtung des Historismus überwinden wollten. Alberts gehörte zu den Avantgardisten, lehrte an der Kunstschule des Künstlerinnen-Vereins und bekam sogar den Professorentitel verliehen. Dazu gesellten sich wachsende Verkaufserfolge. 1914 übersiedelte der erfolgreiche Aufsteiger nach Hamburg. Hier war er seiner Heimat näher. In der Weimarer Republik wurde ihm der Trubel in der Großstadt allerdings zu viel. Alberts ließ sich nun dauerhaft in Malente-Gremsmühlen zwischen Eutin und Plön nieder, wo er bei weiteren Sommeraufenthalten an der Nordseeküste sein Alterswerk schuf. Er lebte zuletzt zurückgezogen und starb am 7. November 1941 in seinem Refugium zwischen Kellersee und Dieksee. Die letzte Ruhe allerdings fand er wunschgemäß auf dem Friedhof im Geburtsort Westerhever bei Garding an der Südseite der Kirche St. Stephanus, für die er das Gemälde „Die Heilige Familie“ des flämischen Malers Anthonis van Dyck kopiert hatte. Dieses Bild zählt heute neben dem ältesten Taufstein auf Eiderstedt, der originellen Tafel der Prediger und dem Alberts-Grab zu den besonderen Anziehungspunkten der Kirche.











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erstellt am 11.Okt.2016 | 13:31 Uhr

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