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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 19:26 Uhr

Eutin : Vor 20 Jahren holte Klees Gold

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der damals 28-jährige Eutiner gewann enorme Popularität – aber richtig Geld verdient hat er mit seinen sportlichen Erfolgen nicht

Es gilt auch bei Sportlern, die viel Geld bekommen, als das größte Ziel: Eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen. Ein Eutiner hat dieses Ziel erreicht, und das auf den Tag genau vor 20 Jahren: Der Sportschütze Christian Klees gewann am 25. Juli 1996 in Atlanta (USA) den Wettbewerb das Kleinkaliber-Liegendschießen.

Der damals 28-Jährige erfuhr aus mehreren Gründen besondere Aufmerksamkeit: Er beendete das Warten einer ganzen Nation auf die erste Goldmedaille bei diesen Spielen. Und Klees’ Treffsicherheit setzte Maßstäbe: Er schoss einen Weltrekord mit 600 möglichen Ringen, denen er noch zehn weitere Mitteltreffer in die Zehn mit dem elektronischen Resultat von 104,8 hinzufügte. Beides war olympische Bestleistung und Weltrekord.

Über Wochen hinweg genoss Christian Klees große Aufmerksamkeit, ungezählte Berichte in Zeitungen, in Radio- und Fernsehsendern truge dazu bei. In seiner Heimatstadt wurde ihm ein großer Empfang bereitet, zu dem Tausende von Menschen auf den Markt kamen.

Seine Heimatstadt verlieh ihm den Ehrenring. Der Kreis Ostholstein gab der Sporthalle seiner Jugendfreizeit- und Bildungsstätte in Scharbeutz (heute Jugendherberge) den Namen des Olympioniken.

Klees’ Vater war Oberschießwart bei den Eutiner Sportschützen, mit elf Jahren begann er in der Anlage auf dem Vogelberg das Training. Sein erster Erfolg: 1980 mit zwölf der Sieg beim Ferienpass-Schießen. Mit 16 wurde er in den Landeskader des Norddeutschen Schützenbundes berufen, mit 20 schaffte er 1988 mit der Mannschaft den dritten Platz bei der Junioren-Europameisterschaft in Finnland. Eine lange Liste deutscher Meistertitel im Kleinkaliberschießen sowie Top-Platzierungen bei Weltcups, Europa- und Weltmeisterschaften folgten.

Christian Klees hatte eine Verwaltungslehre und einigen Dienstjahre in der Gemeindeverwaltung Süsel absolviert, bevor er zum Kreisgesundheitsamt wechselte. Mit der Qualifizierung für die Olympischen Spiele 1996 gab er 20 Monate vorher seinen sicheren Job auf und intensivierte das Training.

Der langjährige Vorsitzende der Sportschützen, Wilhelm Boller, erzählt: „Die Eutiner Sportschützen erinnern sich noch, wie Christian bis zu seinem Abschlusstraining auf dem Vogelberg vor dem Abflug nach Atlanta mit Handschuhen, Mütze, Heizlüfter und Wolldecke seine nicht enden wollenden Trainingseinheiten bei sommerlicher Hitze absolvierte. Auf die Frage ,Was soll das denn?‘ antwortete er: ,Ich will mich auf die hohen Temperaturen in den USA vorbereiten. Je schwerer ich es jetzt habe, umso leichter ist es vielleicht im Wettkampf.‘“

Er sollte recht behalten: Am 25. Juli 1996 bejubelte die mitgereist Familie in Atlanta den Sieg, den in Deutschland ein Millionen-Publikum am Fernsehen verfolgte. Im Vereinsheim der Eutiner Schützen wurde ebenfalls gejubelt. Klees’ Privattrainer Christian Schenk, der inzwischen gestorben ist, war dabei und der damalige Eutiner Bürgermeister Gernot Grimm, der spontan verkündete: „Ich ordne sofort eine Beflaggung bis zur Rückkehr an!“

Das Resultat in Atlanta war nicht der einzige Beleg für die hohe Treffsicherheit des Schützen: Sein Deutscher Rekord im KK-Dreistellungskampf mit 1184 Ringen (nur zwei Zähler unter dem Weltrekord) gilt unverändert.

Gerne wäre Christian Klees bei den Olympischen Spielen im australischen Sydney im Jahr 2000 angetreten, doch allen Erfolgen zum Trotz – darunter Welt-Cup-Punkte in Buenos Aires – lief es bei einer harten nationalen Ausscheidung gegen den Norddeutschen, der 1996 und 1997 zum Sportler des Jahres in Schleswig-Holstein gewählt worden war. Beim Weltcup-Finale im August 2001 in München erklärte Christian Klees das Ende seiner internationalen Karriere.

Goldmedaillen-Gewinner anderer Sportarten haben dann „ausgesorgt“. Christian Klees hatte – auch wenn ihn einige Sponsoren unterstützt haben – nie das große Geld verdient. Ihm ganz allein gehören zumindest einzigartige Erfahrungen: An die 15 Mal wurde er im Fernsehen und 30 Mal im Rundfunk interviewt, erinnerte er sich später, und er begegnete vielen berühmten Menschen: Michael Gorbatschow, Arnold Schwarzenegger, Thomas Gottschalk, Bundeskanzler Helmut Kohl. Bundespräsident Roman Herzog zeichnete ihn mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus.

Und heute: Christian Klees arbeitet wieder in der Verwaltung. Im Schießsport engagiert er sich als Trainer. Aktuell profitiert der SB Freiheit Osterrode von seiner Erfahrung, der in der Luftgewehr-Bundesliga just Vizemeister wurde.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 17:35 Uhr

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