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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 20:50 Uhr

Vogelschutz beginnt bereits am Fenster

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Einfache Tricks helfen, damit die Tiere nicht mit den Glasscheiben kollidieren

Der Tod an Scheiben ist in der zivilisierten Welt eines der größten Vogelschutzprobleme überhaupt. Hunderttausende von Vögeln kommen allein in der relativ kleinen Schweiz jedes Jahr um, weil sie mit Glas kollidieren. Viele Gebäude könnten und sollten vogelfreundlicher gebaut und damit viele Fallen entschärft werden. Denn der Vogelschutz beginnt an den eigenen vier (Glas-)Wänden.

Normalerweise können Vögel Hindernisse in ihrem Lebensraum leicht umfliegen. Glasscheiben können sie als solche aber nicht erkennen und sind deshalb nicht darauf vorbereitet. Nach verschiedenen Untersuchungen ist pro Jahr und Gebäude mit einem Todesopfer zu rechnen, vermutlich aber mehr, da die Dunkelziffer sehr hoch ist. Auch wenn ein Vogel nach einem Aufprall unverletzt erscheint, so geht dennoch jeder zweite danach an inneren Verletzungen zugrunde.

Glas wirkt für Vögel als doppelte Gefahrenquelle: Es reflektiert die Umgebung; Bäume und Himmel spiegeln sich und täuschen dem fliegenden Vogel einen Lebensraum vor. Und Glas ist bekanntlich durchsichtig, so dass er den Busch hinter der Fensterscheibe sieht und dabei das Hindernis nicht wahrnimmt. Nur eine flächig wirkende, sich möglichst von der Umgebung abhebende Markierung, bringt den notwendigen Schutz.

Sehr wirkungsvoll sind senkrechte, zwei Zentimeter breite Klebestreifen, die man im Abstand von höchstens zehn Zentimeter zueinander auf der Glasaußenseite anbringt. Der weiteren Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wie das Foto mit den Kiefernzapfen zeigt, was nach dem Aufhängen bewirkte, dass kein Vogel mehr die Scheibe übersah.

Und aus der praktischen Beratungsarbeit des Vogelschutzvereins Eutin-Bad Malente ist zu berichten, dass auch Jalousien, Rollos, helle Gardinen, Kordelbänder, farbige Dekorationen, Gitter oder Mückenschutznetze gute Dienste tun.

Futterstellen, Tränken und Nistkästen sollte man möglichst nicht in Fensternähe anbringen. Wenn dies aber nicht zu umgehen ist, sollte eine Distanz von einem Meter zur Scheibe nicht unterschritten werden, damit der Vogel bei einem plötzlichen Start gegen die Scheibe noch keine hohe Geschwindigkeit erreicht hat.

Je attraktiver ein Ort für Vögel ist, desto höher ist das Kollisionsrisiko. So wurde ermittelt, dass an transparenten Lärmschutzwänden mit Begrünung eine viermal höhere Kollisionsrate als an gehölzfreien besteht. Auch ein üppiger Pflanzenwuchs im Wintergarten erhöht das Risiko. Riesenposter, sogenannte Blow-ups, bilden an großflächigen Firmenglasfassaden einen guten und werbewirksamen Schutz.

Ungeeignet, einen Scheibentod der Vögel zu verhindern, sind nach Erfahrung der Vogelschutzgruppe Eutin-Bad Malente schwarze oder farbige, aufklebbare Greifvogelsilhouetten, die vom Vogel offenbar kaum zu erkennen sind und daher keinen ausreichenden Wirkungsgrad besitzen. Seit wenigen Jahren gibt es einen „birdsticker“ sowie einen für das menschliche Auge unsichtbaren „birdpen“, die nach probeweisem Versuch vielversprechende Ergebnisse zeigten. Die Wirkungsweise beruht darauf, dass Menschen und Vögel ein unterschiedliches Sehverhalten im UV-Bereich besitzen.

Was tun, wenn ein Vogel vor einer Glasscheibe am Boden liegt und nicht flüchtet? Das Tier sollte dann in eine Kartonschachtel mit Luftzutritt ins Dunkle gestellt werden. Nach zwei Stunden Ruhe geht man damit wieder ins Freie und lässt den wieder Genesenden fliegen; man sollte dabei keine Experimente in geschlossenen Räumen veranstalten. Im negativen Fall übergibt man das Tier einer Kleintierpraxis
oder einer bekannte Pflegestation.

Weitere Infos unter www.vogel schutzeutin-badmalente.de.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 13:02 Uhr

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