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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 12:42 Uhr

Eutin : Viele Mängel an Unfallschwerpunkt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Eutiner Fahrradinitiative sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Kreuzung von Elisabethstraße und Hospitalstraße zu entschärfen.

Stückwerk, wohin man blickt: Wer die Kreuzung von Elisabethstraße und Hospitalstraße näher in Augenschein nimmt, bekommt das Gefühl, dass hier an jeder Ecke ein anderer Straßenbauer am Werk war und sich dabei allein nach seinen eigenen Maßstäben gerichtet hat. Die Verkehrsführung ist oft in sich widersprüchlich, Konflikte zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern werden eher ver- als entschärft.

Kein Wunder, dass es an der Kreuzung häufig kracht: 17 Unfälle in den ersten neun Monaten des Jahres weist eine Statistik auf, die Heiko Godow kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss präsentierte. Der CDU-Stadtvertreter und Ausschussvorsitzende betreibt in unmittelbarer Nachbarschaft einen Pflegedienst. Seine Mitarbeiter haben die Vorfälle dokumentiert. Godows Fazit: „Da muss etwas geschehen.“

Die Initiative „Fahrradfreundliches Eutin“ bemüht sich bereits seit längerem um eine Verbesserung. Immerhin: Nachdem im Juli 2015 ein Radfahrer von einem rechts in die Hospitalstraße abbiegenden Auto erfasst worden sei, sei dort im August 2015 eine sogenannte Radfurt – weiße Blockmarkierungen – samt Fahrrad-Piktogrammen aufgebracht worden, erklärt Dierk Dürbrook, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck. Aus polizeilicher Sicht mit Erfolg: „Seitdem hat es an der Kreuzung keinen Unfall mehr gegeben.“

Doch nach Meinung von Jens Rose-Zeuner, Mitglied der Fahrradfreunde, hat sich die Lage keineswegs verbessert: „Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen tatsächlichen und polizeibekannten Unfällen“, beklagt er. Das mache die Statistik von Heiko Godow überdeutlich. Dr. Gerdt Hübner, Leitender Arzt an der Sana-Klinik, hat einen schweren Rechtsabbiegeunfall selbst beobachtet. Die danach aufgebrachten Markierungen und Piktogramme reichten nicht aus: „Von Sicherheit kann mit diesen Maßnahmen keine Rede sein. Der Radweg ist immer noch nicht gut zu erkennen“, kritisiert er.

Noch immer haben die Fahrradfreunde zahlreiche Kritikpunkte:

> Beispiel Verkehrsführung für Radfahrer, die von der Plöner Straße kommen: Zunächst macht die Pflasterung des Radwegs einen eigenwilligen Knick nach rechts in Richtung Hospitalstraße. „Damit wird der Radverkehr optisch in den Verkehr hineingelenkt, der aus der Hospitalstraße kommt“, erklärt Rose-Zeuner. Auf der gegenüberliegenden Seite steuere der Radler dann geradewegs auf einen hohen Bordstein zu, da dieser nur teilweise versenkt sei.

> Beispiel Fahrradfurt: Diese entspreche nicht den Vorschriften, eine der Blocklinien sei zu dünn. Eine durchgängige rote Einfärbung, die den Fahrradüberweg für Autofahrer viel deutlicher mache, lehne die Polizeidirektion Lübeck an dieser Stelle leider ab, erklärt Rose-Zeuner.

> Beispiel Fahrbahnmarkierungen: Fußgängerfurten sowie Haltelinien in der Elisabethstraße seien kaum noch zu erkennen. Hier hätte die Stadt aus Sicht der Fahrradinitiative längst handeln müssen.

> Beispiel Einmündung vom Bahnhofsparkplatz auf die Elisabethstraße: Das Kopfsteinpflaster wirke wie eine Barriere für Fahrradfahrer, während Autofahrern fälschlich signalisiert werde, dass ihre Verkehrsfläche bis an die Elisabethstraße heranreiche. > Beispiel Haltelinie in der Hospitalstraße: Diese sei so weit hinten angebracht, dass Autofahrer die Kreuzung nicht einsehen könnten.

> Beispiel Fußgängerampel: Er beobachte regelmäßig, dass Autofahrer, die vom Bahnhof oder aus der Hospitalstraße in Richtung Plöner Straße abbögen, das Rotlicht missachteten, erklärte Rose-Zeuner. Die Ampel werde teilweise verdeckt, sei vor dem Abbiegen kaum zu erkennen.

Enttäuscht zeigt sich Tilo Hegenberg, Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Fahrradinitiative, von der Unfallkommission, die aus Mitgliedern des Kreises und der Polizei bestehe. Diese habe sich zwar in diesem Monat mit der Kreuzung befasst. Doch Maßnahmen seien nicht ergriffen worden. „Wir wollen, dass Landrat Reinhard Sager sich darum kümmern, dass die Unfallkommission endlich handelt“, sagt Hegenberg.

Gleiches gelte für die sogenannte Verkehrsschau mit Stadt, Kreis und Polizei. Dort, wo Unfälle passierten, müsse diese jährlich stattfinden. Die Kreuzung Elisabethstraße und Hospitalstraße sei aber bei den vergangenen Verkehrsschauen gar nicht berücksichtigt worden, kritisiert Hegenberg. Handeln müsse aber auch die Stadt. Die verblichenen Markierungen hätten bei den regelmäßigen Streckenkontrollen längst entdeckt und erneuert werden müssen.

„Wir sind geprächsbereit“, versichert Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt angesichts der Kritik. Sie verwies auf einen Termin der Fahrradinitiative am 1. Dezember im Eutiner Rathaus. Dann werde die Initiative Verbesserungsvorschläge übergeben, die dann sicherlich diskutiert würden.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 14:20 Uhr

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