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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 21:21 Uhr

H5N8 : Verdacht auf Vogelgrippe in Plön – Tote Enten auch in Polen gefunden

vom

Über 150 tote Vögel wurden in den vergangenen Tagen gefunden. Wahrscheinlich hatten sie die Vogelgrippe.

Kiel/Plön | Die Vogelgrippe hat höchstwahrscheinlich das mysteriöse Vogelsterben an mehreren Seen bei Plön mit mehr als 100 verendeten Tieren ausgelöst. Das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) habe in der Nacht zu Dienstag Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen, teilte das schleswig-holsteinische Umweltministerium am Dienstag in Kiel mit.

Allerdings seien die Untersuchungen des FLI noch nicht abgeschlossen. „Es wird derzeit noch analysiert, ob es sich bei dem Virus um den hoch- oder niedrigpathogenen Typ handelt (stark oder gering krankmachend)“, teilte das Ministerium mit. Erst, wenn diese Untersuchungsergebnisse vorlägen, lasse sich sagen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Zuvor hatte der Sender NDR 1 Welle Nord berichtet, H5N8 sei in toten Vögeln nachgewiesen worden.

Die Ergebnisse des FLI sollen am Nachmittag vorliegen. Die Ergebnisse wird Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in einem Pressegespräch (16 Uhr) im Ministerium in Kiel mitteilen.

Seit dem Wochenende wurden mehr als 150 tote Wasservögel - vor allem Reiherenten - am Großen Plöner See sowie an umliegenden kleineren Seen gefunden worden. Laut Umweltministerium handelt es sich überwiegend um gut genährte Reiherenten. Allerdings sind auch andere Arten wie Blässhuhn, Schwan, Gans und Möwe betroffen.

Hintergrund: Geflügelpest und Vogelgrippe

Auch Vögel können an Grippeviren erkranken. Verläuft die Vogelgrippe besonders schwer, sprechen Experten auch von Geflügelpest. Bei der Vogelgrippe (Aviäre Influenza) unterscheiden die Fachleute schwach-, mittel- und hochpathogene (krank machende) Erreger. Die Viren enthalten auf ihrer Oberfläche Eiweiße, die mit der Abkürzung H (Hämagglutinin) und N (Neuraminidase) bezeichnet werden. Je nach der Kombination dieser Stoffe in der Hülle des Virus entstehen Namen wie H5N8. Einzelne Vogelgrippe-Viren sind nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit bei sehr intensivem Kontakt auch für Menschen gefährlich.

Auch an der deutsch-polnischen Grenze in der Nähe von Stettin (Szczecin) ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Bei fünf Enten und einer Möwe sei der Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen worden, teilte das Veterinär-Inspektorat in Polen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach waren vergangene Woche in der Ortschaft Lubczyna am Dammscher See (Jezioro Dabie) etwa 70 tote Wildvögel aufgefunden worden. Das Virus ist vor allem für Wasservögel gefährlich, wie es hieß. Das polnische Veterinäramt schloss einen Zusammenhang zu den jüngst entdeckten Vogelgrippe-Fällen in Deutschland nicht aus. Die Ausbreitung des Virus sei durch die Wanderung der Zugvögel nicht zu kontrollieren.

„Wem tote Wasservögel auffallen, sollte sich an das zuständige Ordnungsamt wenden“, riet das Ministerium bereits am Montag. Die Tiere sollten nicht angefasst werden. Nach Angaben von NDR 1 Welle Nord suchen zurzeit Mitarbeiter der Stadt Plön in Schutzanzügen die Seen bei Plön nach toten Vögeln ab.

Zuletzt gab es vor ziemlich genau zwei Jahren mehrere Fälle von Vogelgrippe. Im November 2014 tauchte der Erreger H5N8 in Mecklenburg-Vorpommern auf. In Schleswig-Holstein wurden damals strenge Sicherheitsvorkehrungen ergriffen. Um eine Einschleppung des Virus in die Bestände zu verhindern, wurde der Zutritt zu Ställen streng geregelt, es gab Auflagen für die Reinigung und Desinfektion.

<p>Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Mastputenbetrieb in Heinrichswalde in Mecklenburg-Vorpommern 2014 desinfiziert ein Mann einen LKW auf dem Gelände.</p>

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Mastputenbetrieb in Heinrichswalde in Mecklenburg-Vorpommern 2014 desinfiziert ein Mann einen LKW auf dem Gelände.

Foto: dpa

Bislang ist nach Angaben des FLI auf der Ostsee-Insel Riems kein Fall bekannt, bei dem H5N8 auf den Menschen übertragen wurde. Dennoch könne eine Empfänglichkeit des Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 14:12 Uhr

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