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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 01:20 Uhr

„Urgestein“ Horst Krause wird 90

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Karriere des Stabsfeldwebels a.D. ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Die Rettberg-Kaserne war zweimal sein Dienstort

Er ist ein sprichwörtliches Urgestein. Horst Krause ist die einzige noch lebende Person, die schon als Soldat der Wehrmacht und später als Spieß des Panzeraufklärungsbataillons in der Rettberg-Kaserne gedient hat. Das älteste Mitglied der Kameradschaft des Aufklärungsbataillons 6 feiert heute in bemerkenswert rüstiger Verfassung seinen 90. Geburtstag.

Für Horst Krause, 1926 im schlesischen Lauban geboren, stand schon als Kind fest, dass er Soldat werden sollte. Als 14-jähriger wurde seine Bewerbung als „Unteroffiziersvorschüler“ der Wehrmacht angenommen. Seine auf drei Jahre ausgelegt Ausbildung als Jungschütze begann aber 1000 Kilometer entfernt im niederbayrischen Deggendorf, wo er am 20. April 1941 durch das Tor der Riga-Kaserne schritt.

Im Zug seiner Ausbildung kam er 1944 für sechs Monate zur Unteroffiziersschule Eutin. Im August 1944 begann für Horst Krause wie den gesamten Unteroffizierslehrgang – 660 junge Männer – der Krieg.

Sie marschierten durch Eutin zum Bahnhof, das Musikkorps spielte „Muss i denn zum Städtele hinaus?“ Mit einem Lazarettzug fuhren die Unteroffziersanwärter Richtung Osten. Krause erzählt: „Wir wussten nicht, wohin es ging.“

Krause kam in russische Kriegsgefangenschaft. Erst nach fünf Jahren wurde er entlassen und fand Mitglieder seiner Familie, die in Niedersachsen „gestrandet“ waren. Sein neues Leben begann mit verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als Honorar-Polizist bei den englischen Besatzungskräften und im Erzbergbau. Als 1956 die Bundeswehr gegründet wurde, bewarb er sich für die Laufbahn des Berufssoldaten. Als Stabsunteroffizier begann sein Dienst beim Panzeraufklärungsbataillon 3 in Lingen an der Ems, 1961 gehörte er zu den Soldaten des Panzeraufklärungsbataillons 6, die mit ihrem Kommandeur, Major Werner Hermann, von Boostedt nach Eutin verlegten. Bis zu seiner Pensionierung 1980 blieb die Rettberg-Kaserne der Dienstort des verheirateten Vaters von zwei Kindern. Er war Kompaniefeldwebel der 1. Kompanie, der 11. Ausbildungskompanie und des Heimatschutzkommandos 13, bevor er am 31. März 1980 in den Ruhestand versetzt wurde.

Angehörigen der Generation, die mit einigem Abstand zum Zweiten Weltkrieg geboren wurden, können sich vermutlich kaum vorstellen, warum ein Jugendlicher während eines Krieges freiwillig Soldat wurde – und warum er gut zehn Jahre nach Kriegsende wieder die Uniform anzog?

Beides hat Krause vor vier Jahren in einem Interview des Magazins „Der Aufklärer“ beantwortet. Zu seiner Bewerbung bei der Wehrmacht sagte er: „Zur damaligen Zeit war der Soldat der erste Mann im Staate. Wir Jungs hatten das immer vor Augen.“ Selbst als sich eine Niederlage angedeutet habe, seien die jungen Leute unbeirrt geblieben: „Wir waren so erzogen, dass wir uns gar nicht mit dem Gedanken getragen haben, aufzuhören. Außerdem haben wir so gut keine Hintergründe erfahren, was sich an den Fronten abspielte. Wir wussten absolut nichts, es wurde alles zensiert. Und als Stalingrad fiel, kam das als heroische Leistung bei uns an.“

Wie schlimm Krieg wirklich ist, sei ihm im Kampfeinsatz 1944 bewusst geworden. „Uns beherrschte der Gedanke, dass wir den Bolschewismus nicht nach Westeuropa lassen wollten. Dass der Nationalsozialismus nicht besser war, haben wir erst später erkannt. Wir haben an die gute Sache geglaubt. Und so sind wir verheizt und verraten worden.“

Und wieso wurde er trotzdem 1956 wieder Soldat? „Wir waren junge, begeisterte Männer im Krieg und definitiv keine Nationalsozialisten in Uniform. Wir wurden von einer persönlichen Ideologie getragen, nicht von den damaligen Inhalten der Nazis. Und daher war das Soldatentum im eigentlichen Sinne auch nach dem Krieg für mich Ehre und Auszeichnung zugleich.“

Nach Eintritt in den Ruhestand 1980 blieb Horst Krause für den Bund der ehemaligen Unteroffiziersvorschüler
als Vorstandsmitglied, Geschäftsstellenleiter und stellvertretender Bundesvorsitzender tätig. Außerdem ist der Stabsfeldwebel a.D. bis heute aktives Mitglied der Kameradschaft des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“.

Viele Wegbegleiter und seine Familie werden ihm heute zum 90. Geburtstag gratulieren. Seine Frau, seine beiden Kinder und drei Enkelkinder bilden den engen Familienkreis.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 12:35 Uhr

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