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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 08:51 Uhr

Umstrittenes Votum für Kiesabbau

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Malente: Ausschussentscheidung zugunsten des Kies- und Schotterwerks Kreuzfeld stößt bei Anliegern auf erbitterten Widerstand

Am Ende waren alle, teils emotional vorgetragenen, Einwände und Proteste wirkungslos: Mit knapper Mehrheit hat der Malenter Planungsausschuss am Mittwochabend die Pläne für eine Ausweitung des Kiesabbaus in Kreuzfeld gebilligt und damit die Abbaugegner gegen sich aufgebracht. Der Ausschuss empfahl der Gemeindevertretung, die 11. Änderung des Flächennutzungsplans zu beschließen und damit die planungsrechtliche Grundlage für die Pläne des Kies- und Schotterwerks Kreuzfeld zu schaffen. Gut zwei Dutzend Besucher waren zur Sitzung erschienen, davon die meisten aus Kreuzfeld.

Über 40 Bürger und der Verein „Gegen den Naturabbau“ hatten in dem Verfahren ihre Bedenken und Einwendungen gegen die Abbaupläne auf einer elf Hektar großen Waldfläche westlich des Holmer Wegs schriftlich eingereicht und in der Sitzung bekräftigt. Doch die Eingaben konnten das Vorhaben so wenig stoppen wie die von Landes- und Kreisbehörden, der Gemeinde Bösdorf und dem Naturschutzbund vorgebrachten Anregungen und Stellungnahmen.

Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein erläuterte den von ihm formulierten Abwägungsvorschlag, in dem die meisten Stellungnahmen der Kiesabbau-Gegner unberücksichtigt blieben. Weder die Landesplanung noch die Gemeinde Bösdorf hätten grundsätzliche Einwände gegen die Pläne, erklärte Nagel, um anschließend Punkt für Punkt die Einwände von Bürgern zu entkräften.

Der Waldabbau werde durch Ersatzaufforstungen ausgeglichen, Verstöße gegen den Artenschutz seien nicht zu erwarten und auch zusätzlicher Verkehr werde nicht direkt durch die zusätzliche Abbaufläche, sondern durch die Entwicklung der Nachfrage nach Kies verursacht. Zwar laufe der Kiesabbau grundsätzlich dem Tourismus entgegen, räumte Nagel ein, die nun betroffene Fläche lasse sich jedoch mit dem Tourismus in Einklang bringen. Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel seien nicht Gegenstand des Flächennutzungsplans, erklärte Nagel. Dieses Thema sei erst Gegenstand nachfolgender Anträge. Auch einen grundsätzlichen Widerspruch zum Naturpark Holsteinische Schweiz vermochte Nagel nicht zu erkennen.

Bei den Abbaugegnern rief Nagel energischen Widerspruch hervor. „Es kann nicht angehen, dass die Forderungen der Anlieger in keiner Weise berücksichtigt werden“, erboste sich Rolf Röhling, der unmittelbar an der Kiesgrube wohnt und Vorsitzender der Bürgerinitiative ist. Er monierte, dass Nagel vom Kiesunternehmen beauftragt sei und damit auch in dessen Sinne abgewogen habe. Mit deftigen Worten wetterte Röhling gegen Vorhabenträger und Abbau-Befürworter: „Wir fühlen uns von der Firma Wandhoff und den Politikern vollkommen verarscht.“ Das Unternehmen habe sich wiederholte Gesetzesverstöße geleistet und Ausgleichsflächen könne es nicht vorweisen.

Sachlicher im Ton, inhaltlich jedoch genauso hart argumentierte der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative, Rüdiger Mahnicke. Die Vorlage der Verwaltung basiere auf einer vollkommen falschen Annahme, rügte er. „Dieses Gebiet ist nicht für den Kiesabbau vorgesehen.“ Es handele sich vielmehr um ein Vorbehaltgebiet, in dem Kies abgebaut werden könne. Dafür verlange die Kieler Staatskanzlei jedoch eine Interessensabwägung, die überhaupt nicht vorgenommen worden sei. „Es geht nur darum: Ein Kiesunternehmer braucht mehr Platz“, kritisierte Mahnicke.

Thomas Paprotta (Bürgerinnen für Malente) rügte das Fehlen eines Auskiesungskonzepts. Sein Vorschlag, den Beschluss zu verschieben und die Kontroverse an einem Runden Tisch zu klären, lief jedoch ins Leere. „Familie Wandhoff hat das abgelehnt“, wusste Röhling. Er kritisierte, dass mit dem neuen Abbaugebiet ein touristisch bedeutsamer Rundweg zerstört werde.

Von Röhling dazu aufgefordert, erneuerte Dorfvorsteher Wilfred Knop, zugleich FDP-Fraktionschef, den Einwand des Dorfvorstands, eine Ausweisung der neuen Abbaufläche sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig. In die gleiche Kerbe schlug Bürgerinitiativen-Mitglied Günther Kruse vom Hebeukenberghof in Oberkleveez. „Es ist nicht klar, wo der Bedarf für den Kiesabbau ist“, kritisierte er. Denn bereits genehmigte Flächen könnten bis 2027 abgebaut werden. Auch Jan Krützfeldt (FWM) verstand die Eile nicht: „Bis 2028 ist genug Zeit zu überlegen, ob wir dort weiteren Kies abbauen wollen.“

Eine Antwort auf diese Frage blieben die Abbaubefürworter schuldig. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen mit Naturschutzbelangen argumentiert. Der Umweg vom aktuellen Kiesabbau über das nun zur Rede stehende Gebiet auf bereits genehmigte künftige Abbauflächen ermögliche es, eine Allee alter Eichen zu schützen. Der damalige Kreisbaudirektor Bernd Straßburger hatte allerdings bei einer Einwohnerversammlung dagegengehalten, dass es lediglich um zwei oder drei Bäume gehe.

Gelächter erntete Gemeindevertreterin Gudrun Förster (CDU), als sie versuchte, die Betroffenen zu beruhigen. Diese bräuchten keine Sorge haben, dass morgen der Kiesabbau beginne. „Die Aufstellung eines Bebauungsplans wird noch ein paar Jahre dauern.“ Dem widersprach Knop. Ein öffentliches B-Plan-Verfahren werde es nicht geben. Er mahnte: „In der heutigen Zeit muss der Kiesabbau so erfolgen, dass man die Bevölkerung mitnimmt.“ Die nach der Änderung des Flächennutzungsplans folgenden Genehmigungsverfahren liefen jedoch ohne Bürgerbeteiligung.

Weder Gegner noch Befürworter im Ausschuss änderten letztlich ihre Positionen. Mit fünf zu vier Stimmen fiel die Abstimmung genauso aus wie der Grundsatzbeschluss im Februar 2014, das Planungsverfahren in Gang zu setzen. SPD und CDU überstimmten die Vertreter von FWM, Grünen, FDP und den Bürgerinnen für Malente. Schon bevor diese Entscheidung fiel, drohte Rolf Röhling: „Das geht nicht los. Ansonsten werden wir die Bahnhofstraße noch belagern.“

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erstellt am 03.Nov.2016 | 15:02 Uhr

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