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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Eutin : „Umbau wäre zu riskant und teuer“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bürgerinitiative stellt günstigere Lösung für Sanierung des Haus des Gastes vor. Die Frist des ersten Begehrens läuft am 15. Februar ab.

Sie wirken verärgert und doch amüsiert, die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI), die sich zum zweiten Mal mittels Bürgerbegehren für den Erhalt und die Sanierung des Haus des Gastes einsetzen. Zwar ärgern sie sich über die lange Wartezeit auf das Gutachten, das dann aus ihrer Sicht auch noch falsch ist, weil sie nie von einer Modernisierung, sondern nur von „einer Instandsetzung und Sanierung“ in ihrem Antrag gesprochen haben. Andererseits hoffen sie, dass die Stadt sich mit dem seit Montag bekannten Gutachten, das 2,84 Millionen für die Modernisierung kalkuliert, „einen Bärendienst“ erwiesen hat und dies Bürger skeptisch macht.

„Wir wissen nicht genau, wie der Auftrag lautete, aber es erweckt den Eindruck, als ob es abschrecken sollte“, sagte Sigrid Jürß. Sie ist eine der drei Vertretungsberechtigten der rund 40-köpfigen BI. „Es hat einen Beigeschmack: Das Gutachten wurde noch zu Zeiten von Bürgermeister Schulz in Auftrag gegeben und dieser hat sich klar für ein Hotel an dem Standort ausgesprochen“, so Jürß. Überhaupt sei der größte Feind des Haus des Gastes der Wunsch der Stadtvertreter, an der Stelle ein Hotel bauen zu wollen. „Vielleicht sind viele Stadtvertreter auf der Schiene einfach so fest gefahren, dass sie keine Alternative mehr denken können“, vermutet Jürß. Doch ein Vier-Sterne-Hotel rentiere sich nicht, Eutin sei keine Tagungsstadt, so Gerd Heiligenstühler (BI). Stattdessen brauche es eine Möglichkeit für Touristen, einen Kaffee am Wasser zu trinken, das gebe es rund um den See nicht.

Aus Sicht der BI betragen die Kosten für Instandsetzung und Sanierung 504  000 Euro (so wie die Stadt es 2013 es selbst einmal geschätzt hatte) – darin enthalten seien unter anderem Baumaßnahmen zur Barrierefreiheit, neue Fenster und Dämmung. „Wir können uns die Kostenexplosion aus dem Gutachten nicht erklären, da sind Posten aufgelistet, die die Summe in die Höhe treiben“, sagte Malte Tech (BI) und nennt zwei Beispiele: So wollen die Gutachter die Hausmeisterwohnung nach unten auf Niveau des Eingangs am See legen, um einen barrierefreien Eingang zu haben und Lagerräume für Cafeteria und Personal. Tech: „Das ganze Gebäude ist auf Pfählen gegründet, alle Wände müssten unterfangen, das Grundwasser gesenkt werden. Das geht so nicht ohne Setzschäden am restlichen Gebäude.“ Dies allein mache mindestens eine Million Euro aus. Die BI plant den barrierefreien Eingang über den fast ebenerdigen Eingang im Anbau, in den nach ihrer Vision die Gastronomie soll. Zweitens: Der geplante zwei Meter tiefe Schacht für den hydraulischen Lift. Auch da störe das Grundwasser. Ihr Vorschlag: ein Spindelaufzug wie in der Bücherei.

Bis Dienstag fordert die BI eine Kostenaufstellung der Stadt, mit der sie auf Unterschriftensammlung gehen kann (1312 sind für Begehren, 2624 für einen Entscheid nötig), denn ihnen laufe die Zeit davon. Sie wollen nicht erst im Mai mit der Landtagswahl abstimmen lassen, zu groß ist ihre Angst, das vorher Tatsachen geschaffen werden. emd

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erstellt am 24.Sep.2016 | 00:29 Uhr

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