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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 15:24 Uhr

Treffen der „Freischütz-Veteranen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rückblick auf 1951: Akteure und Gäste erinnern sich bei exklusivem Treffen an die erste Saison der Eutiner Festspiele

Geschrieben hat diese romantische Oper Carl Maria von Weber. Doch eigentlich gehört „Der Freischütz“ ihnen: Rund 30 Akteure und Gäste der Eutiner Premieren-Saison 1951 trafen sich gestern auf Einladung der Eutiner Festspiele zum Gedankenaustausch.

Sabine Kuhnert, Geschäftsführerin der Eutiner Festspiele, brauchte die „Freischütz-Veteranen“ nicht lange zu bitten, Erinnerungen „anno 1951“ mit den anderen zu teilen. Während heute eine Eintrittskarte bis zu 58 Euro kosten kann, bezahlten die Zuschauer vor 66 Jahren gerade einmal 20 Pfennig. Elgen Paustian bewies es mit einem Original-Programm von damals. Und das bestand vor 66 Jahren gerade einmal aus einer Seite – heute aus 96 Seiten.

Und wohnen die Sänger heute in Hotels und Pensionen, waren die Akteure 1951 in Privatquartieren untergebracht – so auch bei der Familie von Inge Müller. Die damals Zehnjährige berichtete, dass ihre Eltern 1951 das Schlafzimmer räumten, damit dort eine – heute leider namentlich nicht mehr bekannte – Sängerin übernachten konnte. „Die kriegte damals das beste Frühstück“, erinnerte sich Müller zurück. Dass das sie und ihre Schwestern ärgerte, bekam die Sängerin mit – und lud die Kinder zur Generalprobe ein. „Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Aufführung denke“, berichtete Müller den Anwesenden. Insbesondere die Wolfsschlucht im Stück „Der Freischütz“ habe ihr als Kind sehr viel Respekt eingeflößt. „Das war unheimlich.“

Jürgen Busse wiederum zückte ein altes Schulheft und las aus seinem Aufsatz „Gedänkfeier für Carl Maria von Weber“ vor. Das Resümee der Sonderaufführung für 1600 Eutiner Schüler im Juni 1951 fiel mehr als positiv aus: „War das schön! So habe ich mir eine Oper nicht vorgestellt“, zitierte Busse aus seinem Aufsatz. Dieser erhielt gestern viel Lob und Applaus von den Zuhörern. Anders als vor 66 Jahren, damals fand der Text nicht so viel Anklang. „Und was für eine Note haste gekriegt?“, fragte einer der Zuhörer. Busse blätterte nach. „Oh, eine 4 minus!“, sagte der Rentner zur Erheiterung der Anwesenden.

Jeder der von Kuhnert „51er“ getauften Teilnehmer der Nostalgie-Runde berichtete mit leuchtenden Augen von der damaligen ersten Spielzeit – sei es, dass die Mitschüler, die beim „Freischütz“ mitwirkten, mit ihrer Schminke in der Schule angaben, sei es, dass sogar Akteure auf der Bühne stürzten.

Neben alten Programmheften und Postkarten förderte das Treffen auch andere Schätze zutage: Elke Ockens’ Fotoalbum mit alten Autogrammkarten der Sänger zog bewundernde Blicke auf sich; Agnes Schulenburg zeigte Fotos von ihrem Vater Walter Duchow, der als Waldhornist als einer der ersten Musiker der Festspiele im noch bescheidenen Orchestergraben saß. „Die Proben gingen manchmal bis 3 Uhr nachts“, besann sich Schulenburg in die frühen 50er Jahre zurück.

Angelika Ockens erinnerte an den ersten Kartenverkauf, den ihre Schwiegermutter Irmgard organisierte – „zunächst beim Möbelhaus Knoop, später bei Bielefeld in der Peterstraße, bevor dann 1963 ein eigenes Kartenhäuschen aufgestellt wurde.

Sabine Kuhnert ermöglichte den Gästen auch einen Blick hinter die Kulissen. Beim Gang zur Bühne musste sich aber nicht nur die Kulisse einen Vergleich zur ersten „Freischütz“-Aufführung gefallen lassen. „Nicht mal grünen Rasen auf der Bühne“, murmelte eine ältere Dame mit Rollator enttäuscht vor sich hin, als sie zusammen mit den anderen zum Zuschauerbereich ging. Doch dort lauschten alle muksmäuschenstill den Proben für „ihre“ Oper. Und auch hier kamen Erinnerungen hoch: „Als Agathe ihre Arie sang, kam damals der Mond zum Vorschein“, erinnerte sich Elgen Paustian und zeigte auf die entsprechende Stelle am Himmel.

Die „51er“ sehen sich übrigens bald wieder: Sabine Kuhnert lud die „Freischütz“-Veteranen zum Festakt in der St.-Michaelis-Kirche vor der Premiere am 24. Juni ein.

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erstellt am 09.Jun.2016 | 16:37 Uhr

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