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Ostholsteiner Anzeiger

27. April 2017 | 18:57 Uhr

Trauermarsch für eine gefällte Weide

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bürgermeister Jochen Usinger gab Fällung am Schluensee in Auftrag / Untere Naturschutzbehörde hat Ermittlungen aufgenommen

Wirbel um eine alte Weide an der Badestelle am Schluensee in Görnitz in der Gemeinde Grebin: Bürgermeister Jochen Usinger hat den Baum fällen lassen, weil er als Sprungturm benutzt worden sei. Das bringt Bürger auf den Plan. Sie haben für kommenden Sonntag eine Demonstration organisiert.

Was war geschehen? Über die Jahre hatten Jugendliche den Baum, der direkt am Ufer stand, offenbar als Klettergerüst für sich entdeckt, dort einige Seile gespannt und Bretter befestigt. „Der Baum war immer mehr als Sprungturm mit ,Brett‘ in den See missbraucht worden. Der Bereich ist eine öffentliche Badestelle, und ich bin als Bürgermeister verkehrssicherungspflichtig und möchte das Risiko von Gefahr für Leib und Leben kleinhalten“, erklärte Usinger dem OHA. Seiner Erfahrung nach bringe das Aufstellen von Schildern gar nichts: „Die werden ignoriert.“

Doch: Weil der Bereich Naturschutzgebiet sei, befasse sich jetzt der Kreis Plön mit der Angelegenheit. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, mochte sich Usinger nicht weiter dazu äußern.

„Meine Mutter kommt aus Grebin, der Baum hat uns 50 Jahre begleitet, unsere ganze Familie ist emotional sehr betroffen“, sagte Maren Degner dem OHA. Die Grebinerin hat Flugblätter verteilt und ruft für Sonntag zur Demo auf. „Die Badestelle und der Baum waren fürs ganze Dorf einen Wohlfühlort, der die Lebensqualität ausmacht.“ Was die 30-Jährige, die als parteilose Vertreterin in der Grebiner Gemeindevertretung sitzt, besonders entsetzt: „Das war nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) abgesprochen, und die Gemeindevertretung wusste von nichts“, ist sich Degner sicher, dass der Baum allein durch seine Größe per Gesetz geschützt gewesen sei.

Er war nach ihren Worten Teil eines Uferbiotops, habe mindestens einen Stammumfang von 80 Zentimeter gehabt und sei definitiv nicht krank gewesen. Ihr Vater Jochen Degner, von Beruf Polizeibeamter, habe sich über die Gesetzeslage informiert. „Die Gemeinde hätte sich durch ein Schild oder eine Absperrung aus der Verantwortung nehmen können“, ist sich Maren Degner sicher. Aus ihrer Sicht war die Fällaktion eine willkürliche Entscheidung, die man nicht unwidersprochen lassen könne. „Wenn man eine solche Entscheidung trifft, muss man sich Gedanken über Konsequenzen gemacht haben. Das ganze Dorf ist tief betroffen.“

„Die Baumfällaktion dieser Weide war genehmigungsbedürftig, da sie sich zum einen im Landschaftsschutzgebiet befand und zum anderen einen Stammumfang von mehr als zwei Metern, gemessen auf einem Meter Höhe, hatte“, bestätigte dem OHA der Sprecher des Kreises, René Marquardt. Die Untere Naturschutzbehörde gehe dem Fall nach. Mit dem Grebiner Bürgermeister, der das Fällen der Weide nach eigenen Angaben aus Gründen der Verkehrssicherung angeordnet hatte, stehe man zwecks Klärung des Sachverhalts in Kontakt. Eine denkbare Ausgleichsmaßnahme wäre eine Ersatzpflanzung.

Für die Demo am Sonntag wollen die Organisatoren versuchen, ob sie Plöns Altbürgermeister und ehemaligen Grebiner Jens Paustian vor Ort für eine Abschiedsrede gewinnen können. „Er war auch immer gern am Schluensee.“ Treffpunkt ist am Sonntag, 12. März, um
10 Uhr vor dem „Grebiner Krug“. Von dort setzen sich die Teilnehmer Richtung Badestelle in Bewegung. Die Demo haben sie unter das Motto gestellt: „Trauermarsch für die Weide am Schluensee gegen Willkür und Unverhältnismäßigkeit zum alten Standort der prächtigen, Schatten gebenden, bei Jung und Alt beliebten Weide“.

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erstellt am 10.Mär.2017 | 04:00 Uhr

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