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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

„Teamplayer und Bürgermeister für alle“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Carsten Behnk will „ohne Scheuklappen und parteipolitische Bindungen“ agieren, offen für alle sein und projekt- und zielorientierte Entscheidungen treffen

Die erste Woche im Bürgermeisteramt hat Carsten Behnk (49) geschafft. Er hätte sich keine spannendere oder anstrengendere Zeit aussuchen können, denn die Zahl der Projekte, die in Eutin bewegt werden müssen, ist groß. Im Interview mit dem Ostholsteiner Anzeiger spricht Carsten Behnk von seinen ersten Erlebnissen im neuen Büro und den drängendsten Themen der Stadt.

Wie war Ihre erste Woche als Bürgermeister?

Intensiv, angestrengt aber auch erwartungsgemäß.

Erwartungsgemäß?

Ja, mich hat nichts überrascht. Ich wusste, es würde viele Gespräche geben, viele Ansprachen, viele Termine und dass es um das Kennenlernen von Mitarbeitern und Projekten geht. All das trat ein.

Woran merken Sie, dass Sie jetzt Bürgermeister sind? Oder anders: Was war die bisher größte Veränderung für Sie in der kurzen Zeit?

Mein Arbeitsweg hat sich minimal verändert, da ich jetzt ein anderes Büro aufsuche. Es ist wohl eines der schönsten in Eutin. (lacht)

Gab’s schon gute Ratschläge von Bürgern?

Das hält sich zum Glück in Grenzen. Das war aber auch schon vor dem ersten August so. Es fing an, seitdem bekannt ist, dass ich Bürgermeister werden möchte.

Gab’s schon Versuche von Fraktionen, den Bürgermeister für sich einzunehmen?

Nein. Da gibt es ein offenes Miteinander. Die wissen, was sie an mir haben und von mir kriegen können. Ich werde mich mit allen austauschen und bin offen. Ich möchte mit allen zusammenarbeiten und ein Bürgermeister für alle sein. Das unabhängige Arbeiten war die letzten 30 Jahre mein Erfolgsprojekt und das möchte ich auch so beibehalten. Als Bürgermeister hilft es, ohne Scheuklappen oder parteipolitische Bindungen an die Sachen heranzugehen. Ich war und bin parteilos.

In Ihrer ersten Rede bei der Ernennung sagten Sie in Richtung der Verwaltungsmitarbeiter: „Die Aufgaben kommen nicht nur auf mich zu, die kommen auch auf Sie zu.“ Gefühlt fehlte das Wort „gemeinsam“. Sind Sie eher Macher oder Kommandeur?

Vielleicht war das der Aufregung geschuldet, kein Hintergedanke. Ich bin ein Teamplayer. Ich gehe gern an die Spitze, sonst wäre ich hier auch nicht. Aber im Team entwickle ich gerne Ideen, die ich auch umsetze. Das erfordert, dass alle mitarbeiten und mitarbeiten können und dafür muss man Räume geben und Vertrauen – und zu beidem bin ich bereit.


Im Wahlkampf war Ihre Vision „Eutin 2030“ ein großes Thema. Was sind jetzt Ihre wichtigsten Handlungsfelder für den Anfang?
Die liegen auf dem Tisch: die Landesgartenschau – Wie geht es weiter, was können wir erwarten; die Stadtsanierung; der ZOB; der Verkehrsversuch. Alles Themen, die in die Zukunft strahlen, müssen jetzt jongliert werden und spielen alle unter der Überschrift 2030.

Heiß diskutiert wird der Verkehrsversuch in der Stadt. Wie ist Ihre Meinung dazu: Machen, schieben oder ganz abblasen?

Man muss Planern und Ideen Raum geben, gleichwohl bin ich ein Freund davon, dass man bei Konzepten die Schritte richtig aufeinander folgen lässt. Bis jetzt ist der Verkehrsversuch im Hauptweihnachtsgeschäft geplant und das ist schlecht. Für mich gehört im Vorfeld dazu, dass genügend Parkplätze vorhanden sein müssen, damit die dringend notwendigen Kunden der Innenstadt nicht vergrault werden. Und wir brauchen ein intelligentes Parkleitsystem, damit das Rumsuchen aufhört. Der Eutiner kennt seine Plätze und selbst der kreist. Wir können von überall schnell in die Stadt. Das müssen wir nach außen deutlich machen. Dann können wir einen Verkehrsversuch machen. Ich bin fürs verschieben.

Ein anderes Dauerthema ist das Haus des Gastes. Die Bürgerinitiative hat ein zweites Bürgerbegehren beantragt. Die Stadt muss nun die Kosten prüfen. Werden Sie versuchen einzulenken?

Ich finde es schade, dass es jetzt anläuft. Ich stand mit Eckhard Ahrens in engem Kontakt bis kurz vor seinem Tod. Er hat er mir versprochen, dass mein Amtsbeginn nicht überschattet sein soll von einem zweiten Bürgerentscheid, sondern das wir die Fläche gemeinsam entwickeln. Das habe ich so auch in meinem Wahlkampf herausgearbeitet. Die Fläche ist eine 1a-Fläche, die muss entwickelt werden mit breitem Konsens. So wie es jetzt ist, geht es nicht. Von den Machern des ersten Bürgerbegehrens wurde das zweite nun angeschoben. Das verstehe ich auch, weil sie befürchten, aufgrund des nicht eingetretenen Dialogs, dass ihnen die Zeit davon läuft. Gleichwohl hätte ich das gern ohne den Verwaltungsaufwand erledigt. Die Stadtverwaltung prüft jetzt, welche Kosten damit zusammenhängen. Es ist diesmal ein sehr viel komplizierterer Antrag als beim letzten Bürgerbegehren.

Wann wird es erste Ergebnisse geben?

Kann ich nicht einschätzen. Hängt vom Planer ab. Wir müssen unverzüglich handeln, ohne schuldhaftes Zögern. Aber es ist jetzt Urlaubszeit und wir suchen noch einen Planer.

Wie wären denn Ihre Visionen für die Fläche an der Stadtbucht?

Von dort ist der Blick auf die Stadt einfach traumhaft. Der Aufenthalt dort ist einfach schön. Die Szenerie Schloss und die neugestaltete Stadtbucht als moderner Kontrapunkt zur alten Stadt finde ich schön. Dort muss etwas entwickelt werden, wo sich die Menschen aufhalten können. Und ganz wichtig: Es darf keine exklusive Veranstaltung werden. Was auch immer da entsteht, darf nicht dazu führen, dass es dort keinen öffentlichen Zugang mehr gibt.

Was meinen Sie mit exklusiv?

Eigentumswohnungen. Das ist ja auch die große Angst bei allen, die Bedenken vor einem Hotelneubau haben. Dass ein Hotel nicht wirtschaftlich betrieben werden kann und es irgendwann zu der unsäglichen Fruchtfolge kommt, dass daraus Eigentumswohnungen entstehen und das ist etwas, was wir unbedingt verhindern müssen. Das würde ich da an der Stelle auch nicht schön finden.

Wie finden Sie die Pläne zum Seehotel?

Man muss schauen, welcher Gehalt dahinter steckt. Das sind schöne Draufsichten. Aber die Frage ist, welches Konzept steckt dahinter, auf welchen Räumen mit welchen Flächen. Ein Hotelbetrieb braucht immer auch Wegeflächen und Lagerräume und das ist alles sehr eng dort. Hinzu kommt die schwierige Parkplatzfrage sowie das Nachbargrundstück, was noch gar nicht zur Verfügung steht. Und es gibt berechtigte Nachbarschaftsinteressen auf der anderen Seite. Eine Detailplanung dazu ist bisher nicht da. Es ist EIN Nutzungskonzept für die Fläche. Wir sind hier erst am Anfang und ich hoffe, das wir noch andere Nutzungskonzepte auf den Tisch kriegen. Vielleicht gibt es auch andere Standorte, die sich für ein Hotel eignen würden.

Haben Sie welche im Auge?

Nein, es gab aber Untersuchungen der Stadt, in denen drei Grundstücke betrachtet wurden: an der Schwimmhalle, an der Stadtbucht und in der Reithalle/Schlossterrassen. Ich erinnere noch eine ältere Planung eines Hotel- und Golfplatzes Richtung Pulverbeck. Wir haben nicht nur die Fläche, worauf das Haus des Gastes steht. Wenn es eine Mehrheit dafür gibt, dann müssen wir auch darüber reden können. Aber es muss an der Stelle sehr sensibel gearbeitet werden.

Thema Schulzentrum am Kleinen See: Was halten Sie von der kürzlich diskutierten Idee, am jetzigen Standort der Grundschule und Gemeinschaftsschule ein richtiges Schulzentrum mit großer Sporthalle zu errichten und die bisherigen Pläne der Sporthalle am Alten Güterbahnhof gegebenenfalls zu Gunsten von Parkplätzen für die Innenstadt oder einer großen ZOB-Anlage ad acta zu legen?

Man muss vorsichtig sein, dass man nicht immer wieder mit neuen Ideen aufs Trapez kommt und schon gefasste Beschlüsse konterkariert.Das Zeitfenster für ein Schulkonzept war vor geraumer Zeit mal offen, als es um die Frage ging „Was machen wir mit der Wisser-Schule am Berg?“. Die Idee der Notwendigkeit einer neuen Sporthalle kam ja erst durch die Schule selbst, eine größere Halle haben zu wollen. Sonst hätte man längst eine andere Lösung gehabt. Jetzt alles wieder aufzumachen, ist schwierig. Das sind Riesenprojekte, ein Schulzentrum zu bauen. Da bewegen wir nicht nur ein paar Euros, das sind viele. Das muss ich mir angucken. Ich will das nicht verneinen. Wir müssen vom Grundsatz her die Schulen entwickeln, das ist keine Frage. Ein solches Konzept hätte es in der Vergangenheit schon geben müssen. Der Kleine See gehört uns, die Lage ist nicht schlecht. Aber das Gebäude ist lange nicht im Fokus gewesen. Das ist eines der sehr schwierigen Themen in Eutin.

Welche sind noch schwierig?

Die Dreifeld-Sporthalle, das Feuerwehrgerätehaus, der Bahnhof, die Folgenutzung der Landesgartenschau, die Realisierung der Jugendherberge...

Sie waren Donnerstagabend im Bauausschuss. Ist der geplante ZOB nicht zu groß für Eutin?

Zu groß würde ich gar nicht mal sagen. Die Busse haben wir ja, wir haben jetzt den ZOB zweigeteilt und die Wendesituation des Stadtverkehrs ist schon eine Herausforderung für Busfahrer und Fahrgäste, das habe ich selbst erlebt. Und das Getrennte zu vereinen an einer zentralen Stelle hat schon Charme. Vom städteplanerischen Grundsatz ist das schon gut. Acht Parkflächen für Busse ist für Eutin nicht zu viel. Wir haben großen Stadtverkehr und gehen ins Umland. Die Verbindungen zum Strand und nach Neustadt sind jetzt nicht ideal, aber das ist ja nicht in Stein gemeißelt und es kann sich was verändern. Die Planung räumt den Platz auf der anderen Seite für die Halle frei, die beschlossen ist – oder für was auch immer. Ich hoffe, dass uns die Straße am Bahnhof, die uns jetzt zu eng erscheint, dann auch die verkehrsberuhigende Wirkung hat, die uns versprochen wird. Und ich hoffe, dass der ZOB nicht noch eine Verteuerung erfährt durch die Nähe des Bahndamms, was Donnerstagabend angesprochen wurde.

Was wird mit Ihnen anders in Eutin? Jeder Mensch ist anders. Aber die Frage werden andere beurteilen müssen.












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erstellt am 06.Aug.2016 | 00:49 Uhr

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