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Ostholsteiner Anzeiger

07. Dezember 2016 | 09:48 Uhr

Symbolträchtig und anspruchsvoll

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eutins Kirchenmusikdirektor Martin West beendete mit seinem letzten Solokonzert an der Orgel die 29. Internationalen Orgelwochen

Nein, wehmütig sei er eigentlich nicht, sagte Martin West, bevor er das letzte Konzert der 29. Internationalen Orgelwochen begann. Denn er hat bis zum Eintritt in den Ruhestand zum Jahresende doch noch einiges zu bewältigen. Darunter ein Requiem von Giuseppe Verdi, das er am Volkstrauertag mit großer Besetzung aufführen wird, und die musikintensive Weihnachtszeit. Deshalb war nun das Abschlusskonzert der „Contra.Punkte“ am Mittwochabend in der gut besuchten Michaeliskirche fast Routine.

Trotzdem war dies sein letztes Solokonzert als Kantor. Er hatte sich deshalb ein symbolträchtiges und sehr anspruchsvolles Programm ausgesucht mit Werken von Johann Sebastian Bach, Josef Gabriel Rheinberger und Olivier Messiaen. Der erste Teil gehörte Bach und Messiaen. Da wechselten sich Stücke aus der sogenannten „Clavierübung Nr. III“ von 1739 mit zwei modernen Meditationen ab, die ziemlich genau 230 Jahre auseinander liegen und dennoch mit den gleichen Gedanken sehr inspiriert sind und dem Schöpfer huldigen.

Zum einen spielte West die beiden Choralvorspiele „Kyrie, Gott, Heiliger Geist“ und „Dies sind die heiligen zehn Gebote“, zum anderen die Meditationen Nr. 2 (Gott ist heilig) und Nr. 8 (Gott ist einfach und Die Drei sind eins) aus den „Méditations sur le Mystère de la Sainte Trinité“, die im Gegensatz zu den ruhigen und dur-moll-harmonischen Choralvorspielen etwas sperrig und zeitweise verstörend im Klang waren. Dennoch endeten letzte sphärisch und verhauchend in den obersten Registern. Wie für die III. Clavierübung üblich, klang auch der erste Teil mit der großen „Fuge Es-Dur BWV 552“ aus. Es ist eine sogenannte „Tripelfuge“, die also mit drei Themen arbeitet und überdies drei Vorzeichen hat. Die Drei steht besonders auch hier für die Trinität oder die Dreieinigkeit Gottes, das verbindende Element der beiden so unterschiedlichen Komponisten an dem Abend.

Im zweiten Teil erklang die umfangreiche „Fantasie-Sonate Nr. 17 H-Dur op. 181“ von Rheinberger, die er 1894 komponiert hatte. Beinahe ausufernd in den Formteilen versprach sie vollgriffige, orchestrale Fülle und eine romantische Farbigkeit, worin er über die drei Sätze hinweg verschiedene Themen und Motive auf originelle Weise miteinander verknüpfte: eine ganz andere Art, Gott und seine Schöpfung zu huldigen.








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erstellt am 22.Sep.2016 | 12:16 Uhr

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