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Ostholsteiner Anzeiger

30. Mai 2016 | 04:59 Uhr

Posse : Streit um Marmeladen-Verkauf

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vorgaben des Kreises verleiden Gisela Teuchert-Benker eine Spendenaktion, bei der in acht Jahren rund 19.000 Euro zusammenkamen

„Es hat eine Zeit gedauert, bis ich die Einnahmen des letzten Jahres aus dem Verkauf meiner selbstgekochten Marmeladen gezählt habe“, sagt Gisela Teuchert-Benker. Auch 2013 verkaufte die Neustädterin wieder zahlreiche Gläser für den guten Zweck. Dabei kam die stolze Summe von immerhin 2.851,56 Euro zusammen. Einen Teil davon will Teuchert-Benker an den Neustädter Verein für therapeutisches Reiten und Schwimmen sowie an die Aktion Deutschland hilft spenden. „Das übrige Geld werde ich auch diesmal wieder ohne Abzüge in die Jugendarbeit von Neustädter Vereinen geben.“

Es dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass diese Vereine vom Marmeladen-Verkauf für den guten Zweck profitieren. Denn Teuchert-Benker hat den Kochlöffel an den Nagel gehängt. Nicht ganz freiwillig, wie sie betont. „Für 17 Aktionstage sollte ich ein Lebensmittel-Unternehmen anmelden, weil es sich laut der Mitarbeiter des Kreises um eine regelmäßige Verkaufstätigkeit handelt. Das hat der Kreis zwar abgestritten, das Formular für die Anmeldung liegt mir jedoch vor. Dazu hatte ich in meinem Alter wirklich keine Lust“, ärgert sie sich. Da es sich bei ihrer Küche rein rechtlich um eine „Produktionsstätte“ handelt, habe die Verwaltung außerdem einen Umbau nach den Vorschriften des Lebensmittelrechtes gefordert – etwa Kacheln bis an die Decke.

„Dem Kreis habe ich außerdem auf persönliche Anforderung einige Gläser Marmeladen ausgeliefert, die in einem Labor untersucht werden sollten. Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt mir leider immer noch nicht vor, obwohl ich dieses mit dem Mitarbeiter der Kreisverwaltung besprochen hatte“, ärgerte sich Teuchert-Benker. Den behördlichen Papierkram will sich die Hobbyköchin ersparen und hat daher die Konsequenzen gezogen. „Für mich würde mit der geforderten Kommerzialisierung der Sinn meiner privaten Spendenaktion verloren gehen. Das habe ich nach langem Überlegen und mit zwei weinenden Augen hinnehmen müssen“, sagt sie. Dennoch sei sie stolz auf ihre immerhin achtjährige Spendenaktion, bei der rund 19.000 Euro für den guten Zweck zusammen kamen.

Bei der Kreisverwaltung kam man den Unmut von Teuchert-Benker indes nicht verstehen. „Gemäß den Bestimmungen ist jeder Lebensmittel-Unternehmer verpflichtet, sich bei den Lebensmittel-Überwachungsbehörden registrieren zu lassen. Frau Teuchert-Benker muss hierfür jedoch kein Unternehmen gründen. Sie muss ihre zumindest im letzten Jahr noch bestehende Tätigkeit lediglich in schriftlicher Form anmelden“, erklärt Pressesprecherin Anja Sierks-Pfaff. Dieser Sachverhalt sei der Hobbyköchin auch bereits zwei Mal bei Kontrollen mitgeteilt worden. Art und Umfang der lebensmittelrechtlichen Kontrollen würden sich an der Art und dem Umfang der abgegebenen Lebensmittel orientieren. „Es ist durchaus zu unterscheiden, ob eine Privatperson einmalig oder allenfalls gelegentlich einen Kuchen für einen Schulbasar spendet. Oder alljährlich mehrere hundert Gläser Marmelade produziert und verkauft, oder aber als gewerblicher Großunternehmer tätig ist.“ Teuchert-Benker könnte ihre ehrenamtliche Tätigkeit jederzeit wieder aufnehmen, wenn „sie bereit wäre, ihre Tätigkeit beim Fachdienst Lebensmittelsicherheit anzumelden und einen Zugang zu ihrem Produktionsraum zu gewähren“.

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erstellt am 04.Apr.2014 | 18:52 Uhr

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