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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 08:51 Uhr

Streit um Haschisch als Auslöser: Angeklagter soll Hilfe bekommen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mehrere junge Erwachsene, zu viel Alkohol, ein Streit um Haschisch, der eskalierte. Das sind nur einige Stichworte zu einer Verhandlung von Richter Otto Witt gestern am Eutiner Amtsgericht.

Michael Z.* (25) schämte sich sichtlich, als die Anklage vorgelesen wurde: Anfang September soll er mit anderen Mitzwanzigern getrunken und gefeiert haben, bis er schließlich im Streit um sein Haschisch auf einen losging, ihn versuchte zu schlagen, der sich aber so heftig wehrte, dass Michael Z. selbst plötzlich mit ausgekugelter Schulter am Boden lag. Der 25-Jährige griff daraufhin wutentbrannt zu einer Glasflasche und soll sie laut Anklage mit voller Wucht gegen Kopf und Hand eines anderen geschlagen haben, so dass diese zersplitterte. „Ja, ich habe den Streit angefangen und bin auf ihn losgegangen. Es tut mir auch wirklich leid, es war eine Mistaktion“, sagte Z. Vor Gericht erklärte er seine ADHS-Erkrankung, unter der er vielfach zu leiden habe: „Zwischenmenschliche Beziehungen sind sehr schwer für mich und bei Alkohol habe ich meine Emotionen und Wutausbrüche nicht mehr unter Kontrolle“, schilderte der 25-Jährige. Er sei wegen dieser Erkrankung und seiner Depressionen auch schon in ambulanter und stationärer Behandlung gewesen, „aber leider hält das nicht so lange“.

Er war den Tränen nahe, als Witt ihm erklärte, dass er durchaus Verständnis für seine Situation habe, dies aber die Gefährlichkeit seiner Tat nicht mindert: „Das Mindeststrafmaß bei gefährlicher Körperverletzung beginnt bei sechs Monaten Freiheitsstrafe.“ Kurze Pause. „Aber ich denke, die wichtigere Frage für Sie ist die einer gesetzlichen Betreuung. Ein Betreuer unterstützt sie beim Erreichen Ihrer Ziele. Die Entscheidungen treffen letztlich Sie, aber mit einem Betreuer haben Sie Hilfe an Ihrer Seite.“ Michael Z. nickte dankend und willigte ein: „Das wäre wohl gut. Ich kann damit wirklich nicht gut umgehen.“ Er habe sich nach dem letzten Ausraster vorgenommen, nicht mehr bis zur Besinnungslosigkeit zu trinken, was er vorher oft getan habe, auch um mit seinem Leben besser klarzukommen.

Der Staatsanwalt beantragte, die Mindeststrafe in diesem Fall wegen verminderter Schuldfähigkeit auf drei Monate abzusenken. Mindeststrafen unter drei Monaten werden in Geldstrafen umgewandelt. Insgesamt muss Michael Z. 900 Euro zahlen. Seine letzten Worte ans Gericht waren: „Danke, dass Sie mir nochmal eine Chance geben.“

Bei den Zeugen, die in der Tatnacht zu den Opfern seines Ausrasters wurden, entschuldigte er sich im Saal. Seinen Arm kann er noch immer nicht richtig beugen und strecken, „das wird wohl bleiben“, sagte Z.


*Name geändert

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erstellt am 29.Nov.2016 | 00:42 Uhr

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