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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 03:08 Uhr

Spardiktate erschütterten Konzertreihe nie

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

45 Jahre und 300 Plöner Schlosskonzerte / Freud und Leid einer musikalischen Institution / Ob es ein weiteres Jubiläum geben wird, weiß bislang noch niemand

Schlösser und Musik standen stets in enger Beziehung. Fürsten hielten sich zur Zerstreuung und Prachtentfaltung Hofkapellen, die sich mit dem Tod des Schlossherrs oft auflösten. So in Plön geschehen, als die Musikanten nach Kopenhagen abgewandert sind, manche wurden pensioniert oder in die hiesige Stadtmusik integriert.

Nach dem Tod Fürst Friedrich Carls lag die Musikkultur seit 1761 für geraume Zeit brach. Erst im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts musizierten nachweislich Sänger, Instrumentalisten sowie verschiedene Gastensembles im Plöner Rittersaal. Bald entstand auch der Name „Schloßkonzert“, der sich im Laufe der Zeit verselbständigte. Einige Vorläufer dieser Konzerte lassen sich im damaligen journalistischen Schrifttum ausmachen. So schrieb ein anonymer „Gesangsfreund“ im Plöner Donnerstags-Blatt: „Plön, den 25. Februar 1840. Gestern Abend gab der hier abgekommene Sänger, Herr Julius Egersdorff, sein erstes Concert im Saale der Frau Gräfin v. Moltke auf dem Schlosse.“

Auch im Schlossgarten wurde eifrig musiziert, gerade bei bürgerlichen Veranstaltungen. Dafür waren vor allem lautstarke und die Musik weittragende Blasinstrumente geeignet. Im Frühjahr 1841 wartete der örtliche „Stadtmusicus“ Heinrich Daniel Erdmann mit „Harmoniemusik“ im Schlossgarten auf.

Das Schloss selbst blieb Anziehungspunkt musikalischer Veranstaltungen und zahlreicher Künstler. Sogar noch während des Zweiten Weltkrieges fanden Konzerte im Rittersaal des Schlosses statt, zuletzt am 17. März 1944 mit dem „Hanke-Quartett“. Es dauerte bis zum 18. November 1963, als das nächste „Schloßkonzert“ im Rittersaal stattfand. Der Leiter des Internatsgymnasiums, Oberstudiendirektor Dr. Erwin Schmidt, wollte im Bewusstsein der Wiederaufnahme einer Tradition „mit monatlichen Konzerten [...] einen kulturellen Mittelpunkt schaffen und den Schülern eine Begegnung mit dem musikalischen Kunstwerk ermöglichen.“ Also nur gut fünf Jahre dauerte diese Reihe, die unspektakulär vor der Pensionierung Dr. Schmidts am 24. Januar 1969 mit einem Liederabend endete – die „Anzahl hatte damals bereits 25 Veranstaltungen überschritten“.


Die heutigen Schlosskonzerte


Die Idee, „das kulturelle Leben in Plön erneut mit Leben zu erfüllen“, wurde am 3. November 1970 im Lehrerzimmer der Realschule erstmals ernsthaft erörtert. In einer Ausschusssitzung für Schul-, Kultur- und Bildungswesen unter dem Vorsitz von Reinhold Wien im Beisein unter anderem des damaligen Bürgermeisters Erich Knepper und Stadtvertreter Roland Reche „fand eine lange, sehr lebhafte Diskussion“ statt, wie dies zu bewerkstelligen sei. Reinhold Wien wurde schließlich beauftragt, sich mit Schmidt-Nachfolger, Oberstudiendirektor Jakob Schäfer, der im April 1970 sein Amt übernommen hatte, in Verbindung zu setzen, der sich bei dem Gespräch „sehr aufgeschlossen zeigte“ und bereit war, den Rittersaal im damaligen Internat zur Verfügung zu stellen. Für das erste Konzert am 5. Mai 1971 war das Kreiskammerorchester Ost-Holstein eingeladen und in der Sitzung am 25. März erhielt das Kind auch seinen Namen: „Das Konzert soll unter der Firmierung ‚Plöner Schloßkonzerte‘ durchgeführt werden.“

Die Hauptarbeit leistete in der ersten Phase Reinhold Wien, der eine große Anzahl von Bürgern und Institutionen mit damals noch mit Schreibmaschine und zahlreichen, auf Durchschlagpapieren verfassten Einladungsschreiben auf dieses kulturelle Ereignis hinwies. Und so kündigte das Ostholsteinische Tageblatt vom 5. Mai 1971 stolz das „1. Plöner Schloßkonzert“ an und würdigte den „glanzvollen Auftakt zu einer geplanten kulturellen Veranstaltungsreihe“ am 7. Mai mit einer ausführlichen Rezension. Ebenso zeigte sich der Ausschuss „sehr zufrieden über den zahlreichen Besuch sowie auch über das künstlerische Niveau des Konzertes.“ 1971 fanden bereits vier Schlosskonzerte statt. Die Anfangseuphorie hielt jedoch nicht lange an. Bereits im Juni 1972 machte Wien den Vorschlag, es „jährlich bei nur zwei bis drei Konzerten zu belassen“. Der Ausschuss war geteilter Meinung und es erschien verfrüht, darüber zu entscheiden, „da leider noch ein zu geringes Publikumsinteresse für derartige Konzerte in Plön besteht.“

Roland Reche schlug vergeblich die Bildung eines Kulturrings vor, woran sich auch die Stadt beteiligen sollte, um die Konzerte auf eine solide Grundlage zu stellen. Die Anzahl der Schlosskonzerte stieg in den nächsten Jahren trotz allem auf bis zu sieben Veranstaltungen, die Promenadenkonzerte nicht mitgezählt. Noch in den 70er Jahren war von Stadtheide bis zum Schloss ein Zubringerdienst eingerichtet worden. Der Taxi-
Bus fuhr damals 15 Minuten nach Konzertende wieder zurück.

1981 wurde die Konzertreihe erstmals als Abonnement ausgeschrieben und es buchten auf Anhieb 104 Abonnenten, die damit zur tragenden Säule wurden. 1983 lagerte man die Schlosskonzerte wegen dringender Renovierungsarbeiten im Schloss für einige Zeit aus, bevor am 9. März 1984 dort die Reihe fortgesetzt wurde.

Eine kleine Zäsur bedeutete das 100. Schlosskonzert am 23. Mai 1986 – ein denkwürdiger Duo-Abend, zu dem der Geiger Josef Suk und Josef Hala am Klavier eingeladen wurden. Die Presse schrieb am 15. Mai enthusiastisch: das „100. PlönerSchloßkonzert bringt Weltklasse in den Rittersaal“. Inzwischen war man sich einig, dass sich die Reihe zu einem nicht wegzudenkenden Kulturereignis zwischen Kiel und Lübeck entwickelt hätte.

Wer jedoch glaubte, nach dem 100. Konzert ginge es munter ohne Schwierigkeiten weiter, sah sich getäuscht. Bald gerieten die Schlosskonzerte in den Würgegriff städtischer Sparmaßnahmen. Bereits am 8. Februar 1977 meldete das Ostholsteinische Tageblatt, dass es in diesem Jahr nur fünf Schlosskonzerte gebe. Auch 1989 hing der Haushaltssegen schief: die Anzahl wurde zwar nicht wie 1977 heruntergefahren, die sieben Konzerte beließ man, doch die finanziellen Möglichkeiten waren arg begrenzt. Nachfragen beim Kreis schlugen ebenso fehl wie Versuche eine Landeszuwendung zu erhalten, zumal Plön sich damals im Zonenrandgebiet befand.

Allen Sparmaßnahmen und Geldnöten zum Trotz wagte niemand, die Schlosskonzerte zu kippen. Die finanzielle Krise wurde überwunden: am 24. März 1994 wurde das 150. Schlosskonzert würdig gefeiert.

Doch gleich erschienen erneut dunkle Wolken am Horizont, die die Schlosskonzerte in anderer Hinsicht in Frage stellten. Die Erzieher des Internatsgymnasiums meldeten sich klagend zu Wort, die wegen der außerordentlichen Nutzung des Rittersaales ihre pädagogische Arbeit eingeschränkt sahen. Doch Oberstudiendirektor Schäfer rief im Bewusstsein seiner Verantwortung gegenüber der Stadt seine Lehrerschaft zur Besonnenheit und Kompromissbereitschaft auf. Der Stadtrat und Bürgermeister Uwe Jes Hansen reagierten richtig und setzten sich vehement für den Erhalt weiterer Konzerte ein: „Ich habe deutlich und mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass die Stadt Plön an der Nutzung des Rittersaales weiterhin nicht nur interessiert, sondern geradezu darauf angewiesen ist. Es würde in der Öffentlichkeit mit Sicherheit auch einen ,Sturm der Entrüstung’ geben, wenn der Rittersaal nicht mehr zur Verfügung stehen sollte.“

In den 90er Jahren oblag die Organisation wieder dem Schul- und Kulturamt. Im Milleniumsjahr entschied sich die Stadt, künftig mit der in Hamburg ansässigen Künstleragentur Sudbrack zusammen zu arbeiten. Rolf Sudbrack, dessen Moderation sehr beliebt war, trat aus Altersgründen am Ende der Saison 2002/03 zurück.

Für 2001 war das nächste große Jubiläumskonzert geplant. Am 8. Mai sollte mit einem Klavierabend mit Thomas Duis das 200. Schlosskonzert im Rittersaal veranstaltet werden, doch es wurde das nunmehr letzte Konzert im Schloss. In der Pressemitteilung vom 24. August 2001 hieß es bedauernd: „Das für den Montag, 24. September 2001, um 19.30 Uhr vorgesehene Schlosskonzert [...] wird nicht mehr im Rittersaal des Schlosses stattfinden können. Aufgrund des anstehenden Verkaufs des Schlosses an die Fielmann AG wird das Schloss für Veranstaltungen ab September 2001 bis voraussichtlich zum III. Quartal des Jahres 2003 nicht mehr zur Verfügung stehen, da in dieser Zeit umfangreiche Bauarbeiten vorgenommen werden. Das Konzert am 24. September 2001 wird im Kulturforum Schwimmhalle Schloss Plön stattfinden. [...].“

Der „Sturm der Entrüstung“, von dem Bürgermeister Hansen 1994 noch sprach und ihn damals drohend ankündigte, blieb aber aus. Zumal Bürgervorsteher Manfred Eggers 2001 vertrauensvoll noch die große Hoffnung aussprach, „dass die Räumlichkeiten des Rittersaales auch weiterhin genutzt werden könnten.“ Nach der Bauphase hoffe man weiter, „mit dem neuen Eigentümer eine Vereinbarung zu erzielen, dass die Konzerte auch auf lange Sicht im Schloss verbleiben können.“ Auch die Kieler Nachrichten vom 14. September 2001 berichteten noch zuversichtlich: „Mit exakt 200 Veranstaltungen in einer ununterbrochenen Folge seit gut 30 Jahren sind die städtischen Plöner Schlosskonzerte weithin ein Vorbild an Kontinuität und gleichbleibend hohem künstlerischen Standard geworden – doch mit dem 201. beginnt ein ,Intermezzo‘ von voraussichtlich zwei Jahren. [...]“ „Die Konzertreihe ,schwimmt’ also quasi ein Haus weiter, denn das seit zwei Jahren endgültig trocken gelegte Schwimmbad hat seine Eignung als Konzertstätte längst bewiesen. [...] Voraussichtlich ab Herbst 2003 steht der Rittersaal, dann in der ,Fielmann-Bildungsakademie Schloss Plön‘ wieder für Konzerte zur Verfügung.“

Dem Ausschuss für Kultur blieb nichts mehr anderes übrig, als in einer Sitzung im Nachhinein zu beschließen, „die kommenden Schlosskonzerte aufgrund des ausstehenden Verkaufes des Plöner Schlosses zunächst im Kulturforum stattfinden zu lassen.“ Ab 2003 übernahm die „Tourist-Info“, wie die Kurverwaltung inzwischen hieß, Organisation und Planung der Schlosskonzerte. Im August 2003 wurde in einem Brief an Fielmann um Mitteilung gebeten, „ob das Schloss für diese Kulturveranstaltungen wieder zur Verfügung stehen wird und wenn ja, wann das erste Konzert stattfinden könnte“, worauf allerdings keinerlei Reaktion kam.

Und noch 2006 hofften alle Beteiligten und Verantwortlichen nach „mündlichem Interesse“ der Fielmann Akademie, „nach der Eröffnung im Frühjahr die Konzerte wieder im Rittersaal erklingen zu lassen. Es liegen der Stadt Plön allerdings noch keine verbindlichen Aussagen über künftige Kosten und einen Zeitplan vor.“

Es werden wohl auch in Zukunft die Jubiläumskonzerte sein – wie das 200. und das 250. – die im Rittersaal stattfinden dürfen. Auch nach dem 250. Schlosskonzert im September 2008 ging es zunächst munter weiter. Doch aufgrund der erheblich niedrigeren Einwohnerzahl verschmälerte sich der finanzielle Spielraum für die Schlosskonzerte, insbesondere für das Jahr 2015. Die Reihe schien, wie zuvor bereits die Kammermusiktage, auf trockenem Boden zu verdorren. Erst 2016 kamen die Schlosskonzerte wieder in Schwung. Fielmann lud sogar die Konzerte in die neu renovierte Kapelle des Schlosses. Und so feiert die Stadt Plön
am 14. November das 300. Schlosskonzert – ob es indes ein weiteres Jubiläum geben wird, weiß bislang noch niemand.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 00:32 Uhr

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