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Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Schwentine in Eutin : Sohlgleite „sieht einfach dufte aus“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Umweltminister Robert Habeck zeigt sich begeistert von neuem Bauwerk an der Eutiner Neumühle. Fische haben freie Bahn von Kiel bis Eutin.

Das letzte Hindernis für Fische und Amphibien auf der 62 Kilometer langen Schwentine zwischen Kasseedorf und Kieler Förde ist beseitigt. Mit 1,5 Millionen Euro aus Brüssel ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie mit dem Bau der Sohlgleite in Neumühle für die Schwentine umgesetzt worden. Durch sie sollen die Fließgewässer in einen ökologischen Zustand versetzt werden.

Henning Südel, Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Schwentine, dankte vor allem Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, der das Projekt Sohlgleite mit Hilfe der Landesgartenschau nach oben gebracht habe. Leider, so Südel weiter, sei kein Durchgang für Boote geschaffen worden. Bürgervorsteher Dieter Holst freute sich, dass die Sohlgleite auf städtischem Boden zu einem Aushängeschild werde: „Es ist hier einfach himmlisch.“

Minister Habeck wunderte sich über die kurze Bauzeit der Sohlgleite und sagte süffisant: „Es gibt politische Projekte im Land, die deutlich länger dauern.“ Er lobte die Sohlgleite als „tolles Gemeinschaftswerk“ und dankte dem Wasser- und Bodenverband Schwentine als Träger und Partner für die gute Arbeit. Schließlich sei die Schwentine eines der schönsten Gewässer im Land und es sei gut, dass der Fluss jetzt wieder durchgängig für Fische passierbar sei. Es sei ein großer Fortschritt, wenn so Lebensräume für die Natur geschaffen werden: „Es sieht hier einfach dufte aus und es ist super gemacht“, so Minister Habeck.

Bei dem Projekt gehe es auch um die Qualität des Wassers. Habeck: „Es ist allerdings schwieriger geworden, denn die intensive Landwirtschaft hat Einfluss auf die Qualität des Wassers.“ So seien die Fortschritte nur mühsamer zu erreichen.

Diese Aussage rief Gerd Schumacher vom Hof Radlandsichten auf den Plan. Er hielt Habeck in einer kurzen Ansprache Zeitungsausschnitte über die Wasserqualität im Land und eine Aufstellung aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume unter die Politiker-Nase. Danach liege die Belastung der Schwentine unter der EU-Norm. Landwirt Schumacher, auch stellvertretender Vorsitzender im Wasser- und Bodenverband, gilt übrigens als Vorreiter für saubere Gewässer.

„Die Landwirte haben mehr gemacht, als die Scheiße ihrer Tiere einfach auf die Äcker zu bringen“, sagte der für seine deutlichen Worte bekannte Schumacher. Die Schwentine, die Schmarkau aber auch die Malenter Au seien durch ihr Zutun in einem guten Zustand. Schumacher: „Wir müssen auch irgendwann mal zufrieden sein und nicht immer die Landwirte verantwortlich machen.“

Robert Habeck machte mit Blick auf den Geestrücken im Westen des Landes und die dortigen Biogasanlagen deutlich, dass Ostholstein nicht zu den Problembereichen im Land gehört. Er forderte die Aufstellung einer Nährstoffbilanz, weil eine Million Tonnen Gülle zu viel im Land produziert würden: „Und die müssen ja irgendwo bleiben.“

Für die Landwirtschaft in Schleswig-Flensburg oder Nordfriesland gebe es eigentlich keine Wachstumsperspektive. Doch das Wachstum der Landwirtschaft zu begrenzen funktioniere nicht. Das Einkommen der Landwirte hänge eben von der Menge der Produktion ab: „Kein Landwirt bekommt Geld dafür, dass er weniger produziert.“ So entstehe mehr Druck auf die Umwelt.

„Die Wahrheit liegt dazwischen“, erkennt Habeck die Arbeit der Landwirte an. Es müssten ökologische Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Mit dem Bau der Sohlgleite werde ein gesellschaftlicher Prozess angestoßen, der zeige, dass es Möglichkeiten zur Lösung gebe und sich die Gesellschaft auf dem Weg dahin weiter entwickele.

Die Sohlgleite überwindet auf 200 Meter eine Höhendifferenz von 2,5 Meter. Bei Niedrigwasser werden 80 Liter Wasser pro Sekunde durch die Sohlgleite abgeführt, bei Hochwasser rund 4500 Liter pro Sekunde. Rund 600 so genannte Störsteine sorgen für Verwirbelungen. 1500 Tonnen Geröll wurden eingebracht und 6500 Kubikmeter Boden bewegt. Drei Ruhebecken sorgen dafür, dass Fische beim Aufstieg pausieren können.

 

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erstellt am 27.Mai.2016 | 11:30 Uhr

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