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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 11:15 Uhr

Siedelweber – Meister des Nestbaus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein Vogel schafft kunstvolle Konstruktionen: Der Sperlingsvogel im südlichen Afrika lebt in Kolonien, die Jahrzehnte alt werden können

Siedelweber gehören in die vogelkundliche Systematik-Ordnung der Sperlingsvögel. Sie sind im südlichen Afrika, besonders in Botswana und Namibia, im Rückzugs- und heutigen Siedlungsgebiet des Volksstammes „San“ in der dortigen Dornstrauchsavanne Kalahari zu Hause. In Südafrika heißen sie „Familievoel“, was bereits eine verständliche Bezeichung auf Grund ihres Gemeinschaftsleben ist, und sie sind lebhafte und lautstarke Koloniebrüter.

Einzeln stehende Akazien oder Köcherbäume, die eine glatte Rinde besitzen (gegen Schlangen), bilden mit den nicht zu übersehenden Gemeinschaftsnestern des Siedelwebers ein typisches Landschaftselement in den Savannen und Halbwüsten des südwestlichen Afrikas. Diese kunstvollen Konstruktionen nehmen oft die gesamte Baumkrone ein und können ein Gewicht um einhundert Kilogramm erreichen. Sie sind die größten bekannten Nestbauwerke in der Gruppe der Singvögel.

Bei der Erbauung entsteht in Gemeinschaftsarbeit aller Koloniemitglieder ein kuppelförmiges Dach aus Dornenzweigen und Grashalmen. Im folgenden Bauabschnitt errichten die Vögel an der Unterseite nach und nach ihre Einzelnester, deren Innenraum aus einer flaschenförmigen Nistkammer mit nach unten gerichteter Einflugöffnung besteht.

Die einzelnen Nester liegen so dicht beieinander, dass diese schließlich zu einer geschlossenen Baueinheit mit dem geschilderten Dach verschmelzen. Der ungewöhnliche Aufwand im Nestbau liegt offenbar darin begründet, dass das Bauwerk den Vögeln einen vor Feinden sicheren Brut- und Schlafplatz bietet und zusätzlich vor ungünstiger Witterung schützt.

Durch die Isolierung bleibt die Innentemperatur trotz heißer Tage und kühler Nächte vergleichsweise konstant. Trotz der engen Gemeinschaft von bis zu mehreren Hundert Vögeln wird jede Nestkammer von einem einzelnen Brutpaar gebaut, bewohnt und gegenüber Artgenossen verteidigt. Übrigens: Männchen und Weibchen des Siedelwebers leben in einer monogamen Dauerehe.

Dieses Gemeinschaftsnest gilt als besondere Form einer Brutkolonie, wie sie bei Vögeln sonst kaum vorkommt. Sie schützt vor Feinden, wobei unbenutzte Nester in dieser Kolonie auch gerne von anderen Vogelarten wie Prachtfinken, Papageien oder Zwergfalken sowie von stechenden und damit Feinde abwehrenden Insekten genutzt werden. Der Siedelweber ist ein kleiner, fast unscheinbar graubraun gefärbter Singvogel mit einem kräftigen Körnerfresserschnabel, der in seinem Aussehen an einen Haussperling erinnert.

Ständig werden das Dach und die Einzelnester repariert und erweitert, so dass manche dieser Anlagen im Verlaufe der Zeit auf einen Durchmesser von fünf Metern wachsen. So eine Kolonie kann über Jahrzehnte fortbestehen und erlischt nicht selten erst dadurch, dass der tragende Ast unter dem erheblichen Gewicht bricht.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 19:04 Uhr

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