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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 08:51 Uhr

Seniorenanlage als Familienprojekt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Aus dem ehemaligen Mutter-Kind-Kurheim wird der Wohnpark Grebin: Bis im September die ersten Mieter kommen, ist noch einiges zu tun

Von der wechselhaften Geschichte ihres neuen Arbeitsplatzes hat Renate Jark durchaus schon gehört. „An einen Fluch auf dieser Anlage haben wir trotzdem nie geglaubt“, sagt die studierte Psychologin und Fachwirtin für Gebäudewirtschaft und lacht. Seit knapp anderthalb Jahren ist Familie Jark nun Eigentümer des Grundstücks am Behler Weg nahe des Schluensees, und in dieser Zeit wurde das zuvor zwölf Jahre leerstehende ehemalige Mutter-Kind-Kurheim von Grund auf saniert und zum Wohnpark Grebin umgebaut.

Schon seit über zwanzig Jahren ist Renate Jark in leitender Funktion in verschiedenen Pflegeheimen und therapeutischen Wohneinrichtungen tätig. „Doch eigentlich wollte ich jetzt nicht unbedingt noch mal mit etwas Neuem anfangen, gibt sie unumwunden zu. Es sei vor allem Sohn Stefan und Schwiegertochter Cindy Jark, beide ebenfalls mit langjähriger Erfahrung in der Pflege, zu verdanken, dass man nun hier stehe. „Sie haben die Anzeige für das Gebäude entdeckt und waren sofort begeistert“, erinnert sich Renate Jark. Und als ihr Sohn dann gefragt habe, ob man daraus nicht gemeinsam etwas machen wolle, war schnell klar: Aus Grebins Sorgenkind wird ein Familienprojekt.

„Ein Glücksfall für den gesamten Ort“, sagte Bürgermeister Jochen Usinger bei der Eröffnung vor wenigen Tagen. Seit der Insolvenz des Mutter-Kind-Kurheims im Jahr 2002 hatten sich die Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des mehr als 42  000 Quadratmeter großen Areals immer wieder zerschlagen. Mal ging der potenzielle Investor schon vorher pleite, mal verspekulierten sich Anleger mit falschen Geschäftsideen. Immerhin: Einen Teil des Gebäudekomplexes nutzten seit 2010 Soldaten der Marineunteroffizierschule in Plön als Ausweichquartier, während ihre Kaserne modernisiert wurde. Den übrigen Raum holte sich allmählich die Natur zurück. „Auf den Terrassen war das Unkraut schon meterhoch gewachsen“, erinnert sich Renate Jark. Doch in mühevoller Kleinarbeit richtete die Familie das Grundstück wieder her.

Das Konzept der neuen Hausherren sieht eine Dreiteilung vor: in einen Wohnbereich, einen Tagespflegebereich und einen ambulanten Bereich. Während die beiden letzteren schon fertig sind, gleicht der Wohnbereich vielfach noch einer Baustelle. 40 Wohnungen mit einer Fläche zwischen 40 und 90 Quadratmetern sollen es einmal werden, acht davon sind bezugsfertig. Spätestens ab Ende 2017 könnten dann bis zu 60 Senioren im Wohnpark residieren. „Jeder, der sich bei uns einmietet, soll seinen persönlichen Rückzugsraum bekommen“, betont Renate Jark. Und doch dürfe gerade auch der soziale Aspekt nicht zu kurz kommen, verwirklicht etwa in Gemeinschaftsräumen mit Kücheneinrichtung und Flachbildfernseher.

Noch besteht das Team aus den vier Familienmitgliedern und drei weiteren Betreuern. Doch in den nächsten zwei bis drei Jahren sollen im Wohnpark bis zu 25 neue Arbeitsplätze entstehen. Den Ort hat Renate Jark mittlerweile lieb gewonnen. Doch: „Wohnen bleiben wir erstmal in Bad Oldesloe, das Pendeln macht mir und meinem Mann nicht aus.“ Kurze Pause, dann fügt die neue Parkleiterin schmunzelnd an: „Und wenn ich irgendwann doch hierher ziehe, dann direkt in eine Wohnung auf der Anlage.“

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erstellt am 06.Aug.2016 | 00:10 Uhr

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