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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Sechs Monate Bewährung für Porno-Bilder

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vorbestrafter Volljurist streitet pädophile Neigung ab

Wolfgang K.* (64) brauchte gestern vor dem Amtsgericht keinen Verteidiger. Als Volljurist wusste er, was Richter Otto Witt und die Staatsanwaltschaft von ihm als Angeklagten erwarten. Vorgeworfen wurden ihm unter anderem Verbreitung und Besitz von kinderpornografischen Schriften sowie versuchte Erpressung.

Im Detail: Wolfgang K. hatte sich über eine Tauschbörse Bildmaterial besorgt, das Kinder beim Geschlechtsverkehr mit Erwachsenen zeigt – „aber zu einer Zeit, als die Tauschbörsen noch legal zugänglich waren“, sagte der Angeklagte. Als er gemerkt habe, was er sich da eigentlich heruntergeladen hatte, habe er es sofort gelöscht. Dass die Dateien bei der Sicherstellung immer noch rekonstruiert werden konnten, könne er sich auch nicht erklären.

Außerdem hatte Wolfgang K. von einer Prostituierten (26) aus Hamburg Bilder gemacht, die sie mit ihren abgebundenen, blutigen Brüsten zeigen. Gut ein dreiviertel Jahr später habe er auf einer Internetplattform einen wahren „Shitstorm“ der Angehörigen erlebt, die nicht wahrhaben wollten, dass die die junge Frau als Prostituierte arbeitet. Daraufhin habe er zwei Bilder der Serie an die jüngere Schwester der 26-Jährigen geschickt. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte er damit aber den „höchst persönlichen Lebensbereich der Frau verletzt“ und unbeteiligte Zeugen mit hinein gezogen. Dieser Vorwurf wurde ihm auch im Fall der versuchten Erpressung gemacht.

Eigentlich hatte sich Wolfgang K. mit Thomas T.* (33) überworfen – oder besser gesagt: gelinkt gefühlt. „Aus Rache“, wie er selbst sagt, habe er ihm dann verbal im Chat gedroht – auch dass er eine CD mit Bildern seiner teils unbekleideten Schwester in den Briefkasten der Eltern stecken wolle – was er später auch tat. Dem vorausgegangen war eine Art Geschäftsbeziehung zwischen Thomas T. und ihm. Der 33-Jährige habe ihm beim Umzug geholfen und er wollte ihn sich „warm halten“ für Gärtnerarbeiten und ähnliches. Doch nachdem er ihm Geld geliehen hatte im voraus, die Arbeiten von T. aber nicht erfüllt worden waren, „fühlte ich mich gelinkt und veralbert“, so Wolfgang K..

Der Zeuge Thomas T. überraschte unterdes mit seiner Begründung, weshalb er nichts mehr für ihn gemacht habe: „Uns war schon vor dem Umzug das Gerücht bekannt, dass er pädophile Neigungen haben soll und beim Umzug entdeckten wir in Kartons Bilder von Eutiner Mädchen mit deren Namen drauf, die das bestätigten.“ Er habe ein schlechtes Bauchgefühl gehabt, wollte aber weitermachen, um beweiskräftiges Material zu sammeln und das der Kripo übergeben. Richter Otto Witt stutzte: „Sie lassen sich Darlehen von einem Mann geben, bei dem sie Beweise sammeln wollen, um diese der Kripo zu übergeben? Wie passt das zusammen?“ Thomas T. versucht zu erklären: „Ich war in Geldnot und er bot mir an, meinen Betrieb finanziell mit einer Spende zu unterstützen.“ Doch von einer Spende wollte der Angeklagte nichts wissen, auch war die Summe des Darlehens und der Vorschüsse für noch nicht geleistete Arbeiten strittig und schwankte zwischen 5000 und 7500 Euro.

Doch wie kam Wolfgang K. an die Bilder der Schwester? Der Angeklagte selbst sagt, er habe die CD geschenkt bekommen. Thomas T. sagte, dass sich der Angeklagte seinen Laptop unter falschem Vorwand geliehen und die Back-up-Dateien seiner Schwester gespeichert habe. Besonders schwer wiege der Fall für seine Schwester, so Thomas T., es sei nicht das erste Mal, dass sie mit dem Angeklagten Kontakt gehabt habe.

Den Vorwurf pädophiler Neigungen verneinte K. auf Nachfrage, die „Oben-ohne-Bilder mit den Mädchen sind alle einvernehmlich entstanden“. 2004 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern verurteilt. Gestern folgte Richter Otto Witt dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte Wolfgang K. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten, drei Jahre auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft gab ihm eine positive Prognose, „wenn auch nicht ganz ohne Bedenken“. Der 64-Jährige akzeptierte das Urteil.



*Namen geändert


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erstellt am 11.Okt.2016 | 00:28 Uhr

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