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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 13:53 Uhr

Schmerzensgeld nach Taxi-Fahrt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Egon G.* (65) bessert seine Rente mit Taxifahren auf. So auch, als er von einem Einkaufscenter gerufen wurde, um Waltraud N.* (77) samt Taschen nach Hause zu fahren. Doch am Ende der Fahrt musste die rüstige Dame ins Krankenhaus – und Egon G. sich dafür gestern vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten. Die Versionen von Fahrer und Fahrgast decken sich bis zum Zeitpunkt des Ausstiegs vorm Haus von Waltraud N. in Timmendorfer Strand.

Egon G. sagt, er habe vergessen, den Hebel des Automatikgetriebes auf die Parkstellung zu schieben, der Wagen habe sich daher, als er selbst aussteigen wollte, um das Gepäck herauszuholen, um 20 Zentimeter nach vorne bewegt. „Ich habe dann aber sofort die Bremse getreten. Sie stand zu dem Zeitpunkt schon draußen, setzte sich dann plötzlich und als ich um das Auto herumging, lag sie am Boden“, so der 65-Jährige. Ihre Version klingt anders: „Ich war gerade dabei auszusteigen, da bekam ich plötzlich einen heftigen Schubs und lag auf dem Boden neben dem Wagen.“ Ihr Fuß und ihr Rücken hätten geschmerzt. Der Taxifahrer habe erst ihr Gepäck zur Tür gebracht, ihr aufgeholfen, sich entschuldigt und sie sei langsam in ihre Wohnung gegangen, während Egon G. losfuhr. Im Gespräch mit einer Nachbarin wurde ihr offenbar die Dimension bewusst: „Als ich ihr sagte, was mir alles weh tut, sagte sie wir rufen die Polizei und den Krankenwagen“, berichtet Waltraud N. Im Krankenhaus stellen Ärzte eine „subakute Fraktur“ im Lendenwirbelbereich fest. Sie blieb eine Woche in der Klinik, bekam eine Bandage. Der Verteidiger von Egon G. sagte, im Arztbericht stehe, dass N. „altersbedingte Verschleißerscheinungen“ gehabt habe, die Rückenschmerzen demnach nicht allein auf den Sturz zurückzuführen seien.

Die Verhandlung endete mit einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Schmerzensgeldzahlung von 300 Euro an die Geschädigte. „Damit erhalten Sie keine Punkte in Flensburg und gelten als nicht vorbestraft“, erklärte Richter Otto Witt dem taxifahrenden Rentner. Die Seniorin zeigte sich zufrieden.


* Namen geändert

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von
erstellt am 08.Nov.2016 | 00:19 Uhr

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