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Ostholsteiner Anzeiger

02. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Schluss-Stein der Flurbereinigung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Bauern gestalten ihre Umwelt“ – dieses Motto ziert einen Gedenkstein, der bei einer Feierstunde zum Verfahrensabschluss enthüllt wurde

Rudolf Meisterjahn sprach von einer „Manöverpanne“. Eigentlich hatte man im damaligen Landesamt für ländliche Räume in Lübeck kurz nach der Wiedervereinigung ganz andere Sorgen. Doch dann nervten dort ein paar hartnäckige Landwirte, vertreten von Gerd Schumacher aus Radlandsichten, erinnerte sich Meisterjahn, der das Amt damals leitete. Sie wollten unbedingt ein Flurbereinigungsverfahren. „Das ist ja schrecklich, dass wir jetzt auch noch in Malente tätig werden sollen“, sei die Reaktion im Amt gewesen.

Im heutigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) ist der Schrecken längst vergessen und die Flurbereinigung „Malenter Au“, die von 1993 bis 2010 umgesetzt und in diesem Jahr mit der „Schlussfeststellung“ endgültig zu den Akten gelegt wurde, gilt als Vorzeigeprojekt, das landesweit Schule gemacht hat. „Es ist die Basis für die Verfahren, die wir heute initiieren“, erklärte Thorsten Elscher, Abteilungsleiter für den ländlichen Raum im Landwirtschaftsministerium gestern anlässlich einer Feierstunde. Die Bürgerbeteiligung bei den vielen, nötigen Flächentauschen habe Schule gemacht. Durch freiwillige Bereitstellung von Flächen habe die Tallandschaft Malenter Au einen Teil ihres ursprüngliches Charakters zurückerhalten.

Zu der Feierstunde begrüßte der Sieversdorfer Landwirt Frank Osterkamp als Vorstandsvorsitzender der Teilnehmergemeinschaft des Flurbereinigungsverfahrens gestern etwa 40 Gäste, darunter Landeigentümer, Dorfschaftsvorsitzende, Behörden- und Verbandsvertreter. Höhepunkt war die Enthüllung eines Gedenksteins – quasi als Schluss-Stein der Flurbereinigung – hinter der Lagerhalle der Firma Klemz am 2003 angelegten Naturlehrpfad. Das Motto der Flurbereinigung ziert den Sieben-Tonnen-Findling: „Bauern gestalten ihre Umwelt.“

Frank Osterkamp erinnerte an das erste Flurbereinigungsverahren von 1953 bis 1956. Damals sei es lediglich darum gegangen, durch Flächentausch und Entwässerung eine effektive Landwirtschaft zu ermöglichen. „Dieses Mal ging es um Naturschutz, aber nicht zum Nachteil der landwirtschaftlichen Betriebe“, sagte Osterkamp. Sein Fazit: „Es gibt durchaus Landwirte, die den Zeitgeist verstehen.“ Unter den rund 50 Grundstückseigentümern der Teilnehmergemeinschaft waren etwa ein Dutzend Landwirte aus der Gemeinde. Es ging um eine Fläche von 840 Hektar, Projekte gab es in Bad Malente-Gremsmühlen, Sieversdorf, Söhren, Nüchel, Malkwitz, Kreuzfeld, Timmdorf und Neukirchen, aber auch im Kreis Plön.

Über 50 Einzelprojekte seien in 17 Jahren verwirklicht worden, erklärte Elscher. Neben der Natur und den Landwirten profitierten auch die Dörfer und der Tourismus. Insgesamt seien 2,1 Millionen Euro in die Projekte geflossen, berichtete Jürgen Wolff, Dezernatsleiter im LLUR, was Gerd Schumacher mit einem gewohnt launigen Zwischenruf „Das ist weniger als ein Panzer“ kommentierte. 874  000 Euro flossen laut Elscher in den Naturschutz, 471  000 Euro in den Wegebau und 747  000 Euro in die Dorfentwicklung. Es seien drei Kilometer Wege ausgebaut, 127 Hektar Flächen getauscht und 4,5 Kilometer Wege befestigt worden.

Einige Beispiele: Verwandlung einer Wiese in den See „Teichwiese“ zwischen Sieversdorf und Neversfelde, Anlage neuer Knicks, Bau eines Radwegs von Malente nach Timmdorf, Ausbau der Dorfstraße und des Dorfplatzes in Söhren, Bau eines Multifunktionswegs zwischen Neukirchen und Sieversdorf oder Pflasterung des Sieversdorfer Ortskerns. Neben dem Engagement der handelnden Akteure habe auch die Vielseitigkeit der umgesetzten Maßnahmen zum Erfolg geführt, sagte Elscher.

Als „Motor des Verfahrens“ bezeichnete Osterkamp Gerd Schumacher. Der lobte – ausnahmsweise, wie er betonte – Politik und Behörden: Mit der Unterstützung aus Kiel sei es gelungen, eine Struktur zu schaffen, mit der man lange leben könne.

Malentes Alt-Bürgermeister Michael Koch begleitete die Flurbereinigung 20 Jahre. „Sie können stolz auf das Erreichte sein“, sagte er. Das Verfahren sei beispielhaft dafür, wie in einem Planverfahren ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Aspekte gleichwertig nebeneinander bestehen könnten.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 12:27 Uhr

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