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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 03:36 Uhr

Scharfer Schuss an der Ostseeküste

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bundeswehr testet auf dem Truppenübungsplatz Putlos das neue Flugabwehrsystem Mantis / „Wir sind bereit für den Einsatz“

Rund zehn Sekunden bleiben, um zu reagieren. In dieser Zeitspanne müssen die Soldaten im Gefechtsstand entscheiden, ob Mantis feuern soll oder nicht.

Ob Raketen-Angriff oder Beschuss durch Mörser-Granaten: Die Bundeswehr übt zurzeit auf dem Truppenübungsplatz Putlos den Umgang mit dem neuen Flugabwehrsystem. Und das unter realitätsnahen Bedingungen. Das heißt: Es wird scharf geschossen.

„Sicherheit steht an erster Stelle“, sagt Leutnant Nico Henning (kl. Foto). Der Feuerleit- und Projektoffizier für das Schießen hatte mit einem Team sechs Monate lang die Übung vorbereitet. Jeder Handgriff an den vier 35-Millimeter-Geschützen wird vom Sicherheitspersonal aufmerksam beäugt – insbesondere das Aufmunitionieren. Ebenso wird penibel kontrolliert, wer sich im Schießgebiet befindet – und dass alle vor Beginn der Übung diesen Bereich verlassen und sich zum etwa zwei Kilometer entfernten Gefechtsstand zurückgezogen haben. In einem bestimmten Zeitfenster erfolgt „feindlicher Beschuss“. Den übernehmen Gebirgsjäger mit ihren Granatwerfern von einer Hubinsel in der Ostsee aus. Von hier aus starten heute auch Raketen. Dazu wird die künstliche Insel bis auf 13 Kilometer Entfernung von der Küste geschleppt.

Zwei Radarstationen überwachen das Gebiet und liefern ihre Daten an die Bedien- und Feuerleitzentrale, deren Computer blitzschnell die Flugbahn anfliegender Geschosse berechnet und die 35-Millimeter-Revolverkanonen entsprechend steuert, erklärt Henning. Gibt der Leitstand das Okay zur Abwehr, schießen die ausgewählten Kanonen die Geschosse knapp vor das Zielobjekt. Dort explodieren die Projektile und bringen das feindliche Objekt zum Absturz oder zerstören es im besten Fall.

„Der Faktor Mensch spielt in dem System eine wichtige Rolle“, sagt Henning. Im Leitstand entscheiden Soldaten, ob Mantis feuert. Oder ob es dafür zu gefährlich sein könnte. Denn der größte Teil des explodierten Geschosses prasselt zu Boden und kann gegebenenfalls Personen am Boden gefährden.

Dies erfordert Risikoabwägungen und unter Umständen die Sperrung einzelner Winkelbereiche für das Abwehrfeuer.

40 Mann gehören zur 1. Staffel der Flugabwehrraketengruppe 61 aus Todendorf. Es ist der einzige Verband der Bundeswehr mit Mantis. „Wir sind bereit und einsatzwillig“, sagt Henning mit Hinblick auf einen Einsatz zum Schutz beispielsweise des Bundeswehrfeldlagers in Mali, wo zurzeit auch Soldaten des Eutiner Aufklärungsbataillons 6 im Einsatz sind. Doch für eine Verwendung von Mantis fehlt der politische Auftrag. Und anscheinend die Bedrohung durch Mörser und Granaten vor Ort. Deshalb bleibt den Soldaten zwei Mal im Jahr ein Übungsschießen und Trockenübungen an Simulatoren. Ob im Training oder Einsatz: „Die mentale Verantwortung für das Bedienpersonal ist groß. Es gibt keinen zweiten Versuch für die Abwehr von feindlichen Flugkörpern“, sagt Henning. Kein Wunder: Fliegen diese doch mit bis zu 600 Metern pro Sekunde an.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 14:59 Uhr

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