zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 19:12 Uhr

Sana soll sich zur Geburtshilfe erklären

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hauptausschussvorsitzender Timo Gaarz: Einschränkungen „völlig inakzeptabel“

Die Entscheidung der Sana-Kliniken Ostholstein, die Versorgung von Schwangeren in Eutin einzuschränken, gerät für das Unternehmen zu einem regelrechten Kommunikationsdesaster – unabhängig von den Gründen für den Schritt. Die SPD-Kreistagsfraktion hatte bereits mit Entsetzen und Empörung auf die Ankündigung reagiert. Nun zitiert der Vorsitzende des Hauptausschusses, Timo Gaarz, die beiden Klinikgeschäftsführer vor den Hauptausschuss des Kreistages, der am Dienstag, 1. November, tagt. Dort sollen André Stoschus und Klaus Abel die aktuelle Entwicklung in der Geburtshilfe im Kreis Ostholstein erläutern. „Die Mitglieder des Hauptausschusses erwarten kurzfristig umfassende Aufklärung“, betonte Gaarz.

Inhaltlich schlägt CDU-Fraktionschef Gaarz in dieselbe Kerbe wie zuvor sein Amtskollege von der SPD, Burkhard Klinke. Gaarz erklärte „sein tiefes Befremden darüber, dass Verwaltung und Selbstverwaltung aus der Presse erfahren mussten, dass am Standort Eutin künftig nur noch Schwangere ab der 32. Schwangerschaftswoche oder mit einem zu erwartenden Geburtsgewicht von über 1500 Gramm versorgt werden können und somit der Status als Perinatalzentrum Level II aufgeben“ werde. Diese Entscheidung der Geschäftsführung wie auch die Art und Weise der Information und Kommunikation im Vorfeld seien aus seiner Sicht völlig inakzeptabel. Dies gelte um so mehr, als die Geschäftsführung der Sana-Kliniken Ostholstein erst am 22. Oktober ihren turnusmäßigen Bericht zur Geschäftsentwicklung in dem für Beteiligungen zuständigen Hauptausschuss erstattet habe. Dabei habe es nicht den geringsten Hinweis auf die unmittelbar bevorstehende Verschlechterung der geburtshilflichen Versorgung in Ostholstein gegeben.

Als „besonders befremdlich“ bezeichnete es FDP-Fraktionschef Manfred Breiter, dass die Geschäftsleitung das Thema vor wenigen Wochen im Hauptausschuss mit keinem Wort erwähnt habe. So verliere man Vertrauen. Daher sei es nur konsequent, die Sana-Geschäftsführer in den Hauptausschuss einzuladen. Breiter sieht die Entscheidung der Klinik weder durch eine nicht auskömmliche Vergütung für die Geburtshilfe noch den Hinweis auf die durch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe formulierten Mindestanforderungen an geburtshilfliche Abteilungen gerechtfertigt.

Unterdessen sieht der Kreistagsabgeordnete Martin Kienitz (Ufoh) die Herabstufung der Geburtenstation Eutin als weiteres Paradebeispiel dafür, wie dilettantisch die Privatisierung der Ostholstein-Kliniken verlaufen sei: „Es folgt das übliche Procedere: Gewinne privatisieren, Lasten sozialisieren.“ Kienitz sieht Landrat Reinhard Sager in der Mitverantwortung. Er vertrete als sogenanntes geborenes Mitglied im Aufsichtsrat der Sana-Kliniken den Kreis als Minderheitsgesellschafter. „Wo war sein Aufschrei, als Oldenburg dicht gemacht wurde? Wo ist sein Aufschrei bei der Herabstufung von Eutin?“, fragt Kienitz. Er verweist auf die Verträge, die im Zusammenhang mit der Privatisierung der damaligen Ostholstein-Kliniken geschlossen worden seien. Demnach seien dem Unternehmen Leistungseinschränkungen verboten.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Okt.2016 | 11:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen