zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 14:48 Uhr

„Projekte nicht auf lange Bank schieben“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mit Anmeldung: Behnk ruft nach 100 Tagen im Amt erste Bürgersprechstunde ins Leben / Stadtsanierung soll gut vermarktet werden

„Im Rathaus bin ich gut angekommen“, sagte Bürgermeister Carsten Behnk (49) gestern zu seinen ersten 100 Tagen im Amt. „Das“, so schiebt er nach, „ist zumindest mein Eindruck“. Sein Start am 1. August sei turbulent gewesen: Nicht nur, weil er als Aufsichtsratsvorsitzender der damals noch laufenden Landesgartenschau immer daran interessiert war, aktuelle Zahlen und Fakten genannt zu bekommen, sondern auch, weil eine seiner ersten Aufgaben darin bestand, neue Marketingstrategien mitzubestimmen, um das Minus an Besucherzahlen zu verringern. Schnell äußerte er öffentlich, dass die prognostizierte Zahl von 600  000 Besuchen zum Luftschloss mutierte.

Sein persönliches Highlight in der „Probezeit“? „Der letzte Tag der Landesgartenschau. Da habe ich die positive Stimmung der Menschen gemerkt und die Aufbruchstimmung müssen wir einfach beibehalten“, sagte Behnk. Aber wie gelingt das? „Wir dürfen die Projekte jetzt nicht auf die lange Bank schieben.“ Klar haben die Mitarbeiter der Verwaltung kurzzeitig durchatmen müssen nach dem 159-Tage-Marathon, aber es gehe jetzt „Schlag auf Schlag“ weiter mit dem Wettbewerb zur Entwicklung der historischen Reithalle und den vielen anderen großen Unternehmungen wie der Sporthalle am alten Güterbahnhof und der Stadtsanierung. „Das lässt alles nicht auf sich warten.“ Zur Kritik seitens der Wirtschaftsvereinigung, Stadtsanierung könne auch ein Jahr pausieren, um die Besucher nicht noch ein weiteres Jahr aus Eutins Innenstadt zu vergraulen, machte Behnk deutlich: „Es laufen Fristen und wir dürfen mit der Projektabfolge nun nicht ins Hintertreffen geraten. Wenn wir jetzt eine Pause machen, geht die Diskussion sowieso weiter. Unzulänglichkeiten gibt es immer. Aber die Barrierearmut, die wir erreichen wollen, wird mit dem Warten auch nicht besser.“ Außerdem werde die Sanierung ohnehin mit notwendigen Pflichtaufgaben wie baufälligen Versorgungsleitungen verknüpft – die Peterstraße öffnen müsse man in jedem Fall.

„Das ist alles auch eine Frage der Vermarktung und mit Baustellen haben wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht“, ergänzte Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt, die neben einem Baustellenmaskottchen, ein Baustellenfest sowie eine Kinderbaustelle als geplante Attraktion andeutete. Die Gespräche bezüglich des Baustellenmanagements und der geplanten Stadtsanierung zwischen Händlern der Innenstadt – neben der Wirtschaftsvereinigung auch die Geschäftsleute von „Händler mit Herz“ und aus der Straße Am Rosengarten – sind für heute geplant. Behnk: „Mir ist wichtig, dass die Innenstadt nicht zum Erliegen kommt, das müssen wir intelligent aufziehen mit erträglichen Beeinträchtigungen.“ Er zeigte sich zuversichtlich, das dies gelingt: „Berlin ist jahrzehntelang eine Baustelle und Magnet für Touristen. Es geht beides zusammen. Wir müssen zeigen, dass es jetzt nicht nur dreckig und laut wird, sondern später hübsch und schön.“ Es sei alles eine Frage der Kommunikation.

Diese habe er auch im Rathaus innerhalb der Verwaltung geändert, denn schon während der Wahl sprach Behnk von einer dringend notwendigen Verbesserung: „Mir ging es darum, feste Formate zu etablieren. Der Informationsfluss muss schnell nach unten funktionieren aber auch anders herum. So gebe es jetzt wöchentliche Fachbereichsleiter- und Fachdienstleitertreffen, einmal pro Monat eine zusätzliche „große Runde“ mit allen Beteiligten. „Der Blick über den Tellerrand ist mir da wichtig, damit die einzelnen Bereiche wissen, was insgesamt in der Stadt gerade anliegt“, so Behnk. Positive Erfahrungen habe er bisher auch in regelmäßigen Treffen mit Fraktionsvorsitzenden gemacht, die beibehalten werden sollen. Und neu für den Bürger: Wer zur monatlichen Bürgersprechstunde (jeder zweiter Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr) zum Bürgermeister will, kann sich unter Tel. 04521/ 793-102 anmelden. Die erste Sprechstunde ist morgen.

Die ersten Stolpersteine gab es auch während seiner ersten 100 Tage schon – Stichwort zweites Bürgerbegehren und Diskussion um den Standort der Dreifeld-Halle. „Ich hätte mir gewünscht, das Thema ,Haus des Gastes‘ im Dialog zu lösen. Die Fläche an der Stadtbucht ist für uns eine 1a-Lage, um dort gemeinsam was zu entwickeln. Aber die Gemengelage ist jetzt verschieden – die Bürgerinitiative will den Erhalt und die Sanierung für eine ganzjährige barrierefreie Nutzung. Die Bürgerinitiative ist stark entschlossen, den Bürgerentscheid durchzukriegen.“ Behnk habe viele Gespräche mit den BI-Verantwortlichen dazu geführt. „Ich hoffe immer noch, dass der Entscheid am Tag der Landtagswahl stattfindet, das wäre auch wichtig für die Legitimation. Allein wegen der Vorgeschichte wird da kein Bagger anrollen“, entgegnete Behnk den Ängsten der BI.

Thema Sporthalle: „Wir haben eine Beschlusslage“ und „es wird zeitnah nochmal Gespräche zwischen Verwaltung und Schulleitung geben, um auf einem Wissensstand zu sein“. Den aktuellen Sachstand in puncto Feuerwehrgerätehaus stellte Stein-Schmidt für den Ausschuss am 16. November in Aussicht. Derzeit laufen Ausschreibungen und Angebote werden eingeholt, hieß es.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Nov.2016 | 13:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen