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Ostholsteiner Anzeiger

08. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Polizeischule: Leiter „aus Fürsorge versetzt“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Innenminister Studt (SPD) spricht von gravierenden Fehlern bei Polizeianwärterauswahl

Es war doch kein gewöhnlicher Postenwechsel: Innenminister Stefan Studt (SPD) hat sich gestern erstmals zur Versetzung des Leiters der Eutiner Polizeischule geäußert – und erklärt, er habe Jürgen Funk aus Gründen der Fürsorge abgelöst. Neben der verunglückten Aufarbeitung der Affäre um sexistische und rassistische Äußerungen gehe es im Kern um Verfahrensfehler bei der Einstellung des neuen Anwärter-Jahrgangs 2016. „Beide Ereignisse sind in besonderem Maße geeignet, das Vertrauen in die Landespolizei zu beeinträchtigen“, sagte Studt. Und da zu erwarten gewesen sei, dass die Öffentlichkeit sich bei der Frage nach der personellen Verantwortung schnell auf den Leiter der Polizeischule konzentrieren werde, habe er die Konsequenzen gezogen. „Aus Fürsorgegesichtspunkten“, wie Studt betonte.

Der Leiter der Polizeischule musste dieses Jahr 400 Stellen besetzen, so viele wie nie zuvor. Dabei hat er offenbar im Alleingang gravierende Fehler gemacht. „Bei der Auswahl der Bewerber ist gegen das gesetzliche Gebot der Bestenauslese verstoßen worden“, erklärte Studt.

Da es zunächst nur relativ wenige Bewerber gegeben hatte, machte die Eutiner Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PD  AFB) bereits im Oktober, lange vor Ablauf der Bewerbungsfrist am 31. Dezember, leistungsschwachen Kandidaten eine Zusage – wohl aus Sorge, die Einstellungszahlen anders nicht erreichen zu können.

Zwischen Weihnachten und Neujahr trudelte dann jedoch noch einmal ein vierstellige Zahl von Bewerbungen ein, darunter viele leistungsstarke Personen. Etliche erreichten in den Tests mehr Punkte als Bewerber, die bereits ihre Zusage in der Tasche hatten. „Erst im Juli 2016 ist die Polizeiabteilung im Ministerium über dieses Problem informiert worden“, sagte Studt.

Die Zusagen zurückziehen wollte man nicht, um den jungen Menschen nicht die berufliche Perspektive zu nehmen. Deshalb seien jetzt zusätzlich 53 leistungsschwächere Kandidaten eingestellt. Dafür sollen im nächsten Jahr entsprechend weniger Anwärter aufgenommen werden, nämlich nur 347.

„Über diese Probleme hätte Studt das Parlament bereits im Juli informieren müssen“, kritisierte Ekkehard Klug (FDP). „Und seine Berufung auf die Fürsorge verstehe ich als Fingerzeig auf den vermeintlich Schuldigen. Die Glaubwürdigkeit des Innenministers sinkt damit auf den absoluten Nullpunkt.“

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erstellt am 02.Aug.2016 | 16:44 Uhr

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