zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

Anzeige gegen Patrick Breyer : Polizeischule Eutin: Waren die Sexismus-Vorwürfe konstruiert?

vom

Gegen Anwärter wurden Disziplinarverfahren wegen sexueller Belästigung eingeleitet. Bei einer Anwärterin und ihrem Vater klingt die Geschichte anders. Der Vater zeigt den Piraten Breyer an - der nimmt jetzt Stellung

Eutin/Kiel | Sexismus und Fremdenfeindlichkeit in der Polizeischule Eutin: Wegen dieses schwerwiegenden Verdachts hat das Land Anfang des Monats Disziplinarverfahren gegen zwei Polizeianwärter eingeleitet und ihre Ernennung zu Beamten gestoppt. In den Wochen zuvor hatte die Fraktion der Piraten entsprechende Vorwürfe öffentlich gemacht. Ihr Vorsitzender Patrick Breyer steht in der Kritik.

Der Grund: Es gibt den Verdacht, dass ein Teil dieser Vorwürfe nur konstruiert ist. Das zumindest sagen eine der betroffenen Polizeianwärterinnen und ihr Vater.

Der Vater der Polizistin, ein Kommunalpolitiker aus Schleswig-Holstein, hat bei der Staatsanwaltschaft Kiel Strafantrag wegen falscher Verdächtigungen und Vortäuschens einer Straftat gestellt. Der Strafantrag richtet sich gegen die drei Anwärterinnen, deren Aussagen Grundlage für das Disziplinarverfahren sind, und gegen den Piraten-Abgeordneten Patrick Breyer.

Der nimmt Montagmittag in einer Presseerklärung Stellung zu den Anschuldigungen. „Ganz offensichtlich kann es ein sozialdemokratischer Kommunalpolitiker angesichts des beginnenden Sommerlochs nicht erwarten, gegen die Piraten in den Wahlkampf zu ziehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Staatsanwaltschaft aufgrund dieser absurden Vorwürfe überhaupt ein Ermittlungsverfahren einleitet.“

Er sehe dem Ergebnis der Prüfung gelassen entgegen. „Die Vorwürfe habe nicht ich erhoben, sondern drei ehemalige Polizeianwärterinnen. Ich weiß nicht, ob die Vorwürfe der ehemaligen Anwärterinnen zutreffen, aber ich fordere, dass sie aufgeklärt werden.“ Aus seiner Sicht sei die Anzeige der durchschaubare Versuch, die eigentlichen politischen Fragen, die sich in dem Fall stellen, aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu ziehen.

Zuvor hatte der Vater der Anwärterin gesagt: „Meine Tochter ist instrumentalisiert worden.“ So hätten die drei Beschwerdeführerinnen in ihrem Schreiben an den Leiter der Polizeischule bezeugt, dass die Tochter den Schlag aufs Gesäß als sexuelle Belästigung empfunden habe. „Das stimmt aber nicht“, betont er. Dem Abgeordneten Breyer wirft er vor, zu behaupten, mehrere Polizeianwärterinnen seien sexuell belästigt worden. „Auch das ist nicht richtig." Seine Tochter sagt: „Zwei der Beschwerdeführerinnen distanzieren sich mittlerweile von den erhobenen Vorwürfen.“

Der jungen Frau (22) war beim Schwimmunterricht von einem Kollegen auf den Po geschlagen worden. „Ich fühlte mich nicht sexuell belästigt, weil der Schlag gar keine sexuelle Intention hatte“, erklärt die Beamtin im Gespräch mit shz.de. „Auch die Darstellung weiterer Vorfälle ist stark aus dem Zusammenhang gerissen, weshalb ein irreführender Eindruck entsteht.“

Bis zum 1. August müssen die beiden beschuldigten Anwärter die Zweifel an ihrer charakterlichen Eignung für den Polizeiberuf ausräumen. „Das Verfahren läuft noch“, sagt Hendrik Peters, Sprecher im Innenministerium.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Jul.2016 | 13:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen