zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

09. Dezember 2016 | 14:44 Uhr

Plötzlich fehlen in Malente Kita-Plätze

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Gemeinde muss fast eine Million Euro in die Hand nehmen, um dem Mangel abzuhelfen / Awo-Kinderhaus und „Pusteblume“ sollen erweitert werden

Eigentlich schien es, als habe die Gemeinde ihre Hausaufgaben gemacht. Mit einer Aufstockung des Nordflügels des Awo-Kinderhauses 2011 sowie einem 2012 eingeweihten Anbau im evangelischen Kindergarten „Pusteblume“ schaffte es Malente, den seit 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen. Doch das ist Vergangenheit.

Der Sozialausschuss soll morgen, 19. Juli, ab 17.30 Uhr im Haus des Kurgastes (Klönzimmer) über erhebliche Investitionen beraten, um dem aktuellen Mangel an Kita-Plätzen so schnell wie möglich abzuhelfen. Insgesamt geht es um bis zu 930  000 Euro. Diese müssten noch im Nachtragshaushalt bereitgestellt werden, über den die Gemeindevertretung voraussichtlich am 25. August beschließen soll. Ob ein Teil dieser Summe über Fördermittel wieder hereingeholt werden kann, ist offen.

Die fehlenden Kita-Plätze hätten sich erst zu Beginn des Jahres abgezeichnet, berichtet Bürgermeister Michael Koch. „Als ich die Zahlen nach meinem Urlaub im Frühjahr gesehen habe, war ich ziemlich perplex.“

Der Mangel geht nur zum Teil auf einen zusätzlichen Bedarf für Flüchtlingskinder zurück. Über die weiteren Gründe herrscht Rätselraten. Ob Baby-Boom, Zuzüge oder ein gestiegener Druck, Kinder in die Kita zu geben: „Wir wissen im Moment die Ursache nicht“, sagt Koch. Gemäß der Kita-Planung des Kreises habe Malente eigentlich gut vorgesorgt.

Derzeit fehlen in der Gemeinde insgesamt 27 Plätze, davon 16 im Krippenbereich (u3) und elf für Kinder über drei Jahren (ü3), wie aus einer Vorlage für den Sozialausschuss hervorgeht. Und das, obwohl die ü3-Gruppengrößen mit 22 Kindern in beiden Kitas schon voll ausgereizt sind. Auch die anderen Kitas in der Gemeinde haben keine Plätze mehr frei oder nur sehr eingeschränkte Betreuungszeiten. Aufgrund der aktuellen Warteliste fehlen eine Krippengruppe (10 Kinder) und zwei altersgemischte Gruppen (15 Kinder). Noch gar nicht berücksichtigt sind Anfragen von Eltern, die nach Malente ziehen wollen.

Die Verwaltung schlägt vor, zwei weitere Gruppen im Awo-Kinderhaus unterzubringen. Das Gebäude gehört der Gemeinde. Ein solches Vorhaben lässt sich jedoch nur mit einem zweistöckigen Anbau mit einer Grundfläche von rund 180 Quadratmetern realisieren. Der Anbau soll auf der Westseite des südlichen Gebäudeteils entstehen. Neben zwei Gruppenräumen sind auch jeweils ein Ruhe- und Garderobenraum sowie Kindertoiletten erforderlich, außerdem ein weiterer Personalraum und Personaltoiletten. Auch die Küche müsste vergrößert werden. Ermittelte Kosten: 790  000 Euro.

Eine Containerlösung wäre mit gut 620  000 Euro zwar günstiger, hätte aus Sicht der Verwaltung aber zu viele Nachteile, etwa fehlende Nachhaltigkeit und höhere Bewirtschaftungskosten. Außerdem müsste ein Brandschutzkonzept erstellt werden, das zusätzliche Kosten verursachen würde. „Wir werden nicht umhinkommen, in unsere eigene Immobilie zu investieren“, zeigt sich Koch überzeugt – auch wenn dies eine gewaltige Belastung für den Haushalt sei.

Geradezu zum Schnäppchenpreis ist im Vergleich eine weitere altersgemischte Gruppe in der „Pusteblume“ zu haben. Dort werden die Erweiterungskosten auf 140  000 Euro beziffert. Dafür soll eine an die Kita grenzende Kleinwohnung umgebaut werden, wofür die Kirchengemeinde bereits ihre Bereitschaft signalisiert hat. Voraussetzung: Die Kommune trägt sämtliche Investitionskosten.

Fraglich ist, ob die geplanten Erweiterungen ausreichen: Denn gemäß neuen Bevölkerungsprognosen der Landesregierung solle die Zahl der Kinder bis sechs Jahren bis 2030 noch zunehmen, heißt es in der Vorlage. Der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag gehe außerdem davon aus, dass noch mehr Kinderkrippen benötigt würden und auch der zeitliche Betreuungsumfang weiter steigen werde.

Immerhin: Die Gemeinde ist, wie berichtet, mit einem Investor im Gespräch, der sich vorstellen könnte, eine Art Betriebskindergarten mit großzügigen Öffnungszeiten zu bauen. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Malenter Arbeitgeber mitspielen.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Jul.2016 | 17:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen