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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 02:09 Uhr

Pansdorfer Kicker seit 1974

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Carsten Henck feiert am heutigen Freitag seinen 50. Geburtstag und erinnert sich an spannende Jahre mit dem TSV

Das größte Geheimnis ist in Pansdorf wohl sein Name. „Ich glaube, viele wissen gar nicht, dass ich auch einen bürgerlichen Vornamen habe“, sagt Carsten Henck, der in Fußballerkreisen nur als „Otto“ bekannt ist – und lacht dabei. Den Fußballer „Otto“ Henck kennt in Pansdorf jeder. Seit 1974 gehört er dem TSV an, durchlief die Jugend, Herren- und Altliga als Spieler wie auch als Trainer und ist heute noch Coach der vierten und der Alten Herren sowie Vorstandsmitglied und leitet den Förderverein. Wenn Carsten Henck am heutigen Freitag seinen 50. Geburtstag feiert, ist das ein Ereignis in Pansdorf.

„Da kommt leicht eine dreistellige Anzahl an Gästen zusammen“, sagt er und deutet mit dem Finger in Richtung des Waldrands hinter dem Sportplatz. „Meine Eltern haben da einen großen Hof. Da lässt sich so eine Feier auch in der Größe gut machen.“

Auf dem Sportplatz des TSV Pansdorf hat „Otto“ Henck fast alle sportlich großen Stunden des Vereins miterlebt und -geprägt. Die auswärtigen Stationen haben ihm wichtige Erfahrungen eingebracht. „Beim VfB Lübeck in der Jugend unter Horst Seidler, das war nicht meine Welt“, erinnert er sich an den ersten Ausflug zu Beginn der 1980er Jahre, der nur ein halbes Jahr dauerte. Am besten ist ihm der zweite Abstecher in Erinnerung. Aus der Verbandsliga, wo er in Pansdorf nach einem Jahr in der Kreisliga-Zweiten erste Herren-Erfahrungen sammelte, ging es eine Klasse tiefer. „Beim VfL Bad Schwartau bin ich schon mit 21 Jahren Kapitän gewesen“, blickt er zurück. „Die zwei Jahre haben mich als Fußballer enorm voran gebracht.“

Zurück in Pansdorf ist Henck reif für die Art Fußball, wie sie beim ostholsteinischen Dorfclub gepflegt wurde. „Wir waren eher Leichtathleten. Wir haben einen eher rustikalen Fußball gespielt“, sagt er. „Unser Trainer Torsten Landsberg hat damals im Wald eine 1000-Meter-Strecke abgesteckt, die später Mecki Brunner und ich als Trainer übernommen haben. Unsere Zeiten von damals toppt heute keiner“, sagt Henck, der im Mittelfeld zur Stammbesetzung gehörte. Die harte Arbeit zahlt sich aus. 1991 erreicht der TSV Pansdorf als Vizemeister die Aufstiegsrunde zur damals drittklassigen Oberliga Nord. Am Ende können sich die Ostholsteiner zwar nicht durchsetzen. „Wir haben zum Start mit 1:0 gegen den TuS Lingen gewonnen. Wie später noch ein paar Mal musste später angepfiffen werden, weil die Leute nicht reinkamen“, erinnert sich Henck. 1200 Zuschauer („Mehr passten nicht rein“) wurden von zwei Kassierern abgefertigt.

Zwei Jahre später wagt Henck den nächsten Schritt. „Ich hatte in Pansdorf schon zugesagt, als der TuS Hoisdorf anfragte.“ Das Angebot des Oberligisten war sportlich und finanziell reizvoll. Henck kam zusammen mit Leuten wie Nils Bahr, Andree Fincke oder Rachid Belarbi. Trainer ist Gerd-Volker Schock. „Der hat intern noch weniger geredet als öffentlich“, erinnert sich Henck. „Die Aufstellung an die Tafel. Zwei, drei Sätze – das war’s.“ Im zweiten Jahr hat sich Carsten Henck im Team etabliert – doch das bricht völlig auseinander. „Ein Waterloo. Wir waren selbst ernannter Aufstiegsfavorit und sind am Ende sang- und klanglos abgestiegen. Schock wurde schnell entlassen. Und in der Mannschaft hat es einfach nicht gestimmt.“

Der Weg zurück nach Pansdorf ist logisch. Dort hat „Mecki“ Brunner inzwischen als Trainer übernommen und den TSV in der neu gegründeten Oberliga Hamburg/ Schleswig-Holstein etabliert. Die größten Erfolge des Vereins fallen in diese Jahre. Ganz obenan steht für ihn der Landespokalsieg 1997: „Holstein Kiel spielte damals mit uns in einer Klasse, aber wir hatten das Glück, Heimrecht im Endspiel zu haben. Wir haben am Vatertag mit 4:2 nach Verlängerung gewonnen.“ Auf die große Feier folgt das Warten auf die DFB-Pokal-Auslosung und eher verhaltene Freude über das Los Energie Cottbus. Der TSV verliert 1:4. Als Henck 20 Minuten vor Schluss ausgewechselt wird, steht es aber vor 1200 Zuschauern nach einem Treffer von Danilo Blank 1:1 gegen den Pokalfinalisten der Vorsaison, der mit Trainer Eduard Geyer gerade erst in die 2. Bundesliga aufgestiegen war.

Die Pansdorfer verpassen mehrfach nur knapp den Sprung in die Regionalliga. 1996 setzt sich Göttingen 05 in zwei Aufstiegsspielen gegen den TSV durch. 1998 geht das „Endspiel“ in der Oberliga in Hoisdorf verloren. „Wir haben zur Pause mit 2:0 geführt und am Ende mit 3:4 verloren.“ So darf Hoisdorf um den Aufstieg spielen, wird aber vom BV Cloppenburg mit 6:0 heftig verdroschen.

Ein Jahr später ist Pansdorf dem Aufstieg vielleicht am nächsten. „Die Mannschaft war nach und nach verstärkt worden. Allerdings haben wir uns im Hinspiel in Bremerhaven angestellt wie eine Schülertruppe.“ Nach einem 0:0 zur Pause machen die Pansdorfer nach dem 0:2-Rückstand auf und werden ausgekontert. Das 0:4 ist auch mit dem 2:0-Heimsieg eine Woche später nicht mehr auszugleichen.

Es ist zudem das Ende der „Ära Mecki Brunner“. Für Henck bis heute ein Fehler der Führung, den beliebten und erfolgreichen Trainer zu entlassen. „Damals sind einige größenwahnsinnig geworden“, sagt er über die Trennung vom Erfolgscoach, der die Installation von Fußballlehrer Marc Fascher und die Verpflichtung einiger Halbprofis folgen. „Fascher war sicher kein schlechter Trainer. Aber er hat zu viel sofort anders machen wollen“, meint Henck rückblickend. Am Saisonende folgt der große Knall: Rückzug aus der Oberliga, Neuanfang in der Bezirksliga.

Neben Ronald Schneider bleibt nur Henck „seinem“ Verein treu und leitet eine weitere Ära ein, die er bis heute prägt. Auf dem Platz gelingen in seinen letzten zwei Jahren als Aktiver noch zwei Aufstiege, ehe er Trainer wird. „Eine logische Entwicklung“, sagt er. Bereits während seiner aktiven Karriere hat Henck seine B-Lizenz gemacht und als Jugendtrainer gearbeitet. Als erstes übernimmt er damals die D-Jugend von Thomas Nörenberg, dem heutigen DFB-Trainer. Mit dabei: Dennis Jaacks, der heutige Pansdorfer Coach. Henck selbst sucht ihn sich nach zehn Trainerjahren in der SH-Liga und Verbandsliga als Nachfolger aus. „Ich habe als Trainer ja nur das spielen lassen, was ich selbst auch erlebt habe“, sagt er mit Untertreibung. „3-5-2, eine einfache Struktur, mit der man auf vieles gut reagieren kann.“ Inzwischen will er selbst nicht mehr die Verantwortung tragen – spätestens nach einem Aushilfsspiel im Vorjahr, als es unter seiner Regie ein 2:6 bei Eichede II gibt und er mit seiner Ansprache kein Gehör mehr findet. „Die Generation ist eine andere“, erklärt er und lobt seinen Nachfolger Jaacks. „Er denkt sich immer wieder etwas Neues aus. Ich hoffe, dass er noch lange bei uns ist.“

Dafür kann Henck selbst mit sorgen. Inzwischen trägt der Angestellte der Stadt Bad Schwartau, der dort seit einigen Jahren im Jobcenter arbeitet, als Vorstandsmitglied selbst Verantwortung. „Bei uns gibt es kein Geld“, sagt er. „Aber mit dem Förderverein sorgen wir dafür, dass die Spieler bei uns sich als Leistungsfußballer wohl fühlen.“ Eine große Investition war der Kunstrasenplatz, an dem die heutige Spielergeneration fast mehr Freude hat als dem Projektinitiator Henck als Fußball-Traditionalist („Ein guter, etwas feuchter Rasenplatz war immer das Beste“) lieb ist. Außerdem sorgen Henck und seine Mitstreiter dafür, dass die Trainingswäsche gemacht wird und regelmäßig gemeinsam gegessen wird.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Warum heißt Carsten denn nun eigentlich Otto? „Mein Vater heißt Otto. Und damals auf dem Sportplatz wurden viele von uns so gerufen wie ihre Väter. Das hat sich seit frühester Jugend so gehalten.“

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erstellt am 23.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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