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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 00:51 Uhr

Feuer in Disko in Timmendorfer Strand : Pächter des „Nautic Club“: „Ich bin der größte Verlierer der Katastrophe“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Polizei konnte im Gebäude noch nicht ermitteln. Pächter Philipp Klein-Dohse wehrt sich gegen Verdächtigungen.

Timmendorfer Strand | War es Brandstiftung? Die Befürchtung, der legendäre „Nautic Club“ in Timmendorfer Strand könnte kurz vor seiner Wiedereröffnung mutwillig angezündet worden sein, lastet schwer auf dem Ostsee-Ort.

Es war ein Großeinsatz in Timmendorfer Strand - und einer der Feuerwehrmänner beklagte sich im Nachhinein über dreiste Gaffer, die den Einsatz behinderten. Aufgrund einer Vielzahl solcher Beschwerden soll die Strafe für Gaffer bald erhöht werden.

Besuch bei Pächter Philipp Klein-Dohse (28), der die Diskothek zum neuen Szene-Hot-Spot im Norden machen wollte. Er sagt: „Das Feuer ist eine riesige Katastrophe, und ich bin ihr größter Verlierer.“ Ein Jahr lang habe er sieben Tage in der Woche gearbeitet und die Familie vernachlässigt, um den Club umzubauen. „Dann stehe ich in der Brandnacht an der Absperrung und höre, wie Leute sagen: So funktioniert also eine warme Sanierung. Das hat mich tief getroffen und enttäuscht.“

Klein-Dohse macht sein Geld mit Spielhallen. Im vergangenen Oktober pachtete er das „Nautic“ (410 Quadratmeter) vom Timmendorfer Juwelier Mike Lindner  (57). Das Ziel: die alte Exklusivität aufleben lassen und überregional bekannt werden. „Weihnachten wollten wir eröffnen“, erzählt Klein-Dohse. „Noch am Abend vor dem Feuer habe ich das DJ-Pult bestellt. Dann bin ich mit einem Freund ins A1 nach Lübeck gefahren.“

Um 4.50 Uhr seien beide dann wieder in Timmendorf eingetrudelt. „Ich lag gerade im Bett, als mein Kumpel anrief und sagte, es qualme aus dem Laden.“ Vor Ort glaubte Klein-Dohse, die Sache sei in fünf Minuten geregelt. „Es war ja nur Rauch. Und da wir alles mit Brandschutzplatten kernsaniert hatten, war ich überzeugt, es könne gar nicht stark brennen. Feuerwehrleute holten die Mieter aus ihren Wohnungen und schnitten dann das Dach auf, um zu löschen. Da schlugen plötzlich riesengroße Flammen empor.“

Dem Gerücht, Brandschutzauflagen seien nicht erfüllt worden, widerspricht der Eutiner Geschäftsmann: „Bei der fehlenden baurechtlichen Genehmigung ging es um die Klimaanlage. Da es zwei Wohnungen in der Passage gibt, brauchten wir einen Extra-Schallschutz, der eigentlich heute abgenommen werden sollte.“ Stattdessen nun dieser Termin: „Ich muss meinen 15 Angestellten die Nachricht ihrer Entlassung überbringen.“

Klein-Dohse zeigt Fotos des sanierten Clubs – mit Tränen in den Augen. „Jedes Detail habe ich mir selbst ausgedacht. Jetzt ist alles vernichtet, es ist unbeschreiblich, wie sich das anfühlt.“ Dann berichtet er von einem seltsamen Vorfall eine Woche vor dem Feuer. Jemand wollte über den Blitzableiter auf die Dachterrasse klettern. Dort liegt der „Nautic Garden“, das bereits eröffnete Edel-Restaurant. Dessen Glastüren seien wegen der Lage im ersten Stock bis dahin nie abgeschlossen gewesen. Der Versuch allerdings scheiterte, der Blitzableiter riss.

Hat er Feinde? „Ich habe niemandem etwas getan, aber man weiß ja nie.“ Und wie geht es weiter? „Der Verpächter hat mir gesagt, er will in einem Jahr alles wieder aufbauen. Sollte das klappen, würde ich weitermachen.“

Die Brandermittlungen im Gebäude konnten am Donnerstag noch nicht beginnen. Polizeisprecher Dierk Dürbrook: „Wir prüfen gerade, ob es überhaupt gefahrlos betreten werden kann.“ Wenn nicht, müssten Bagger weitere Teile einreißen, was die Ermittlungen erschweren dürfte. „Es wird deshalb so viel wie möglich fotografisch dokumentiert“, so Dürbrook.

Neben „Nautic Club“ und „Nautic Garden“ sind sechs weitere Geschäfte in der Passage im Herzen des Ortes zerstört worden – durch das Löschwasser. „So wie ich es einschätze, muss alles abgerissen werden“, sagt Tourismuschef Joachim Nitz.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 17:25 Uhr

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