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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 07:49 Uhr

Ostholsteiner sind häufiger krank

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Arbeitnehmer aus Plön und Ostholstein haben die meisten Fehltage im Land / DAK fordert Arbeitgeber zur Gesundheitsfürsorge auf

In Ostholstein meldeten sich 2015 erneut mehr Menschen krank als in anderen Teilen des Landes. Mit 4,5 Prozent hatte die Region den durchschnittlich höchsten Krankenstand in Schleswig-Holstein (vier Prozent). Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsbericht hervor, der gestern vorgestellt wurde. Demnach waren an jedem Tag des Jahres von 1000 Versicherten Arbeitnehmern 45 krankgeschrieben.

Die beiden Hauptursachen für langfristige Arbeitsunfähigkeit sind nach DAK-Bericht Erkrankungen am Muskelskelett (häufig Rückenleiden und Bandscheibenvorfälle) sowie psychische Erkrankungen, zu denen Depressionen und Angstzustände gehören. Auf Platz drei der Ursachen für Fehltage liegen Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis, die im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind aber immer noch deutlich hinter Skelett- und psychischen Erkrankungen liegen.

Frauen haben in den Kreisen Ostholstein und Plön zwölf Prozent mehr Fehltage als Männer. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein um 23 Prozent höher. „Damit ist der sonst so kleine Unterschied höher als gedacht“, sagte Nils Junker, Chef der DAK-Gesundheit in Eutin. Woran liegt das? „Das kann nur gemutmaßt werden“, sagt Nadine Sevegnani, Geschäftsführerin des Ärztenetzes Eutin-Malente. Auch sie stelle einen enormen
Anstieg der Krankschreibungen bei Frauen ab 50 Jahren und älter fest. „Das mag bei den Hauptkrankheitsursachen auch daran liegen, dass die Wartezeiten für einen Facharzttermin in der Region enorm sind. Zum anderen leben im Kreis auch überdurchschnittlich mehr Erwerbstätige als in anderen Kreisen. Gerade bei psychischen Erkrankungen sind die Frauen mit rund 413 Fehltagen (je hundert Versicherte) fast doppelt so lange arbeitsunfähig im Vergleich zu den Männern. Auch bei Krebsleiden liegen Frauen bei Erkrankungen über den Männern. Bedingt werde dies, weil Frauen oft an Brustkrebs erkranken, wenn sie noch voll im Beruf stehen. Der Prostata-Krebs (häufigstes Leiden der Männer) trete hingegen oft erst mit 60 plus auf und werde im Gesundheitsbericht mit Blick auf die Erwerbstätigen nicht mehr erfasst.

Männer hingegen leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen. „Frauen sind gründlicher in der Vorsorge und beugen bei möglichen Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System eher vor. Männer gehen in der Regel erst mit direkten Beschwerden zum Arzt“, sagt Sevegnani vom Ärztenetz.

Doch trotz Spitzenposition bei den Fehltagen geht die Mehrheit der Arbeitnehmer in Ostholstein und Plön auch krank zur Arbeit. Das bejahten in einer Befragung der DAK 79 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer. Ihre Beweggründe: Sie wollen die Kollegen nicht hängen lassen (mehr als 80 Prozent) und fühlten sich trotz Beschwerden arbeitsfähig (mehr als 65 Prozent) oder mussten ihre Arbeit fertig bekommen (mehr als 60 Prozent).

Für DAK-Chef Junker sind die Zahlen alarmierend: „Wir fordern eine betriebliche Gesundheitsfürsorge und appellieren an die Arbeitgeber, sich bei uns über die zahlreichen Möglichkeiten zu informieren.“ Dabei sei es völlig unerheblich, bei welcher Krankenkasse die Mitarbeiter versichert sind, da die Finanzierung aus anderen Töpfen laufe, so Junker. Mehr noch: „Arbeitgeber können den Eigenanteil von 20 Prozent komplett steuerlich absetzen.“ Im Fokus der Versicherung stehen dabei keine Großarbeitgeber, so Junker, „die haben das Bewusstsein meist längst für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen“. Es sind die kleinen Betriebe, die die DAK über Öffentlichkeitsarbeit erreichen will. Junker ist überzeugt: „Es mag auf den ersten Moment schwierig erscheinen ein bisschen Zeit während des Arbeitstages in die Gesundheit zu investieren, aber wenn der seltene Facharbeiter erst krank ist und völlig ausfällt, ist das Problem noch viel größer. Vorsorge und Prävention lohnt sich.“

Außerdem biete die DAK als erste Kasse bundesweit Beratung per Videochat an. „Versicherte können ihre Fragen so unkompliziert mit Fachärzten von zu Hause aus klären“, so Junker. Doch für die Behandlung und Diagnose bleibt nur der Weg in die Praxis. Sevegnani: „Gerade bei psychischen Erkrankungen kann dieser Service aber wichtig sein, denn niemand redet gern über Depressionen öffentlich.“



Mehr Infos unter nils.junker@dak.de oder www.aerztenetz-eutin.de

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erstellt am 06.Sep.2016 | 12:35 Uhr

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