zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 09:17 Uhr

Oboen-Akademie in Bosau erfolgreich beendet

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kein freier Stuhl mehr im großen Saal im Haus des Kurgastes – wer zu spät kam, der musste mit Gartenstühlen von der Terrasse Vorlieb nehmen. Die Szene beschreibt das Abschlusskonzert der Oboen-Akademie.

Prof. Diethelm Jonas führte durch das Programm und erzählte über die Komponisten und deren Lebenssituation, die häufig genug von Armut und Bedrängnis gekennzeichnet war: So mancher Musiker musste ins Exil und träumte wegen der Perspektivlosigkeit in der Fremde immer wieder von der Rückkehr ins Heimatland.

Nach der Pause, in der es Getränke, Brot und Käse zu angeregten Unterhaltungen gab, stellte sich Moustafa Almahmud den Fragen von Prof. Diethelm Jonas. Maha Bickel, eine gebürtige Palästinenserin, die schon seit vielen Jahren in Bosau lebt, übersetzte für die Zuhörer.

Jonas wollte von Almahmud wissen, was Heimat für ihn bedeute. „Als ich vor zehn Jahren in Aleppo an der Universität studierte, war ich vor allem von den deutschen Philosophen Immanuel Kant, Martin Heidegger und Friedrich Wilhelm Nietzsche beeindruckt“, sagte Almahmud. Er träumte damals davon, eines Tages nach Deutschland, dem Land dieser Philosophen zu reisen. Aber er dachte im Traum nicht daran, dass er als Flüchtling vor einem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland kommen würde.

Er habe hier sehr viele freundliche Menschen getroffen und viel Hilfe bekommen – nicht nur materiell. Almahmud: „Vor allem erfahre ich hier sehr deutlich, was in Syrien schon immer mit viel Respekt über Deutschland gesagt wurde: Es ist ein Land mit sehr guter Bildung! Ich fühle viel Respekt für Deutschland.“

Almahmud stellte den Bosauern sein Heimatland vor. Es gebe dort etwa 50 Millionen Kurden, die seit der Grenzziehung von 1916 in der Folge des Ersten Weltkrieges auf vier Länder verteilt lebten: Iran, Irak, Syrien und Türkei. Die meisten Kurden seien sunnitische Muslime. Ihre Lehre sei die Sunnah, die auf dem Koran, den Lehren Mohammeds und sechs Büchern religiöser Traditionen basiere. Die Lehre der Sunniten folge vier gleichberechtigten Rechtsschulen. Im Unterschied zu den türkischen Nachbarn seien die Mehrzahl der Kurden Anhänger der schafiitischen Rechtsschule. „Die kurdische Sunnah hat auch zahlreiche mystische Elemente und es gibt darüber hinaus andere Traditionen“, führte Almahmud über seine Heimat und die Religion
aus.

Anschließend las Prof. Jonas die deutschen Texte der Gedichte, die Moustafa Almahmud ausgewählt hatte, um den Zuhörern seine bisherige Heimat näher zu bringen. Im Anschluss daran las Almahmud jeweils den kurdischen Text, der „wie eine fremde, melancholische Melodie auf mich wirkte“, so eine Zuhörerin.

Am Ende der Veranstaltung des Fördervereins „Freunde der Bosauer Sommer-Konzerte e.V.“ musste Moustafa Almahmud traurig feststellen, dass sein Fahrrad vor dem Kurgasthaus in Bosau gestohlen worden war. Das ist für ihn und seine Familie besonders schmerzlich, weil er nun seine Mobilität verloren hat. In Bichel hält nur gelegentlich der Schulbus.  

zur Startseite

von
erstellt am 14.Sep.2016 | 18:32 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen