zur Navigation springen

Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 15:23 Uhr

Neue Therapie: Abstinenz im Alltag

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Suchthilfe der Vorwerker Diakonie bietet in Eutin die „ambulante Rehabilitation“ an / Bundesweit liegt der Erfolg bei 50 Prozent

Alkohol, Cannabis, LSD, Amphetamine, Glücksspiel – Peter Schmidt* hat das alles durch. Der 55-Jährige ist polytoxikoman – er ist abhängig von mehreren Substanzen. Dank einer ambulanten Therapie in der Vorwerker Diakonie Lübeck verspürt Schmidt heute wieder „eine zufriedene Abstinenz“. Die „ambulante Rehabilitation“ bietet nun auch die Suchthilfe Eutin an.

Friedemann Ulrich, Leiter der Lübecker Suchtberatungsstelle, erklärt: „Die ambulante Rehabilitation ist eine Mischung aus Einzel- und Gruppentherapie. Ein Mal pro Woche trifft sich die Therapiegruppe, ergänzend dazu gibt es regelmäßige Einzelgespräche.“ Diese Therapie, deren Kosten die Renten- oder Krankenversicherung trägt, dauert nach Bedarf sechs bis zwölf Monate und hat eine bundesweite Erfolgsbilanz von 50 Prozent. Bisher mussten Betroffene aus Ostholstein bis nach Lübeck, Neustadt oder Oldenburg fahren, um an der ambulanten Rehabilitation teilnehmen zu können. „Für Ostholstein ist das ein neues Angebot und wir sind glücklich, diese Therapie endlich auch in der Kreisstadt anbieten zu können“, sagt Friedemann Ulrich.

Ein Fokus der neuen Therapie, erklärt Dirk Preugschat von der Eutiner Suchthilfe, sei die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte im Einzelgespräch. „An welcher Stelle hat das Suchtproblem begonnen? Auf dem Weg in die Abstinenz entwickeln die Betroffenen neue Strategien, sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen“, erklärt Preugschat das Konzept.

Das hat auch Peter Schmidt am eigenen Leib erfahren: „Die Therapeuten haben hinter die Jalousien geguckt, manchmal auch da gebohrt, wo es wehtut. Aber die Gespräche haben mir sehr viel gebracht.“

Die Gruppentherapie dient den Teilnehmern dazu, sich auszutauschen und gemeinsam Ideen bei Problemen des Alltags zu entwickeln. Schmidt: „Die Gruppentherapie bietet die größte Chance, abstinent zu bleiben. Man lernt, dass es nicht zwingend um Suchtmittel, sondern um die Bewältigung von Alltagsproblemen geht.“ Denn Partnerschaftskrisen oder Ärger im Beruf können das Fass zum Überlaufen bringen, weiß Schmidt: „Manche entziehen sich dem Druck mit Rauschmitteln.“ Friedemann Ulrich weiß um die Ängste der Patienten: „Wer hier reingeht, befürchtet, er geht mit einem Etikett auf der Stirn wieder raus.“ Zudem hätten viele Betroffene Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie sich eine berufliche Auszeit wegen einer Entziehungskur nähmen. „Darum ist das Therapieangebot eine echte Chance, um nicht rausgehen zu müssen aus dem Alltag“, so Ulrich. Peter Schmidt suchte Hilfe bei der Vorwerker Diakonie Lübeck. „Die ambulante Therapie war genau das, was für mich als Selbstständigem gepasst hat“, sagt Schmidt, „ich finde supertoll, dass die Angebotspalette in Eutin jetzt erweitert wird“.

Noch hat die ambulante Rehabilitation der Eutiner Suchthilfe nicht begonnen. „Es gibt erste Patienten, aber es sollten schon wenigstens fünf Leute zusammenkommen“, sagt Dirk Preugschat. Hilfe bei den Anträgen beim Kostenträger – also Renten- oder Krankenversicherung – erhalten Betroffene bei Dirk Preugschat oder seiner Kollegin Heike Schorz-Roscher, Lübecker Straße 23.


* Name geändert

zur Startseite

von
erstellt am 22.Nov.2016 | 14:19 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen