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Ostholsteiner Anzeiger

06. Dezember 2016 | 17:06 Uhr

Disko in Timmendorfer Strand : Nach Feuer im „Nautic“: Feuerwehrmann klagt Gaffer bei Facebook an

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sie klauten Brötchen und fragten während des Einsatzes nach Tee: Jan Rühmling macht seinem Ärger Luft.

Timmendorfer Strand | Es war sein bisher größter Einsatz als Feuerwehrmann – der Brand des legendären „Nautic Clubs“ in Timmendorfer Strand am Mittwoch. Doch als Jan Rühmling (43) nach zehn Stunden vor Ort am Abend alles sacken lässt, will er noch etwas bei Facebook posten: Seine ironische aber deutliche „Entschuldigung“ bei einem Audifahrer, der ihm an einer Absperrung über den Fuß fuhr – und bei zwei Herren, die sich am Einsatzmahl bedienten, schlägt im sozialen Netzwerk hohe Wellen.

Seit Smartphones weit verbreitet sind, kommt es bei Unfällen häufiger vor, dass Schaulustige Fotos und Videos machen und dabei Rettungskräfte behindern. Bisher ist das Gaffen an sich nicht strafbar, das soll sich nach einem Gesetzesentwurf künftig aber ändern - bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe wird gefordert.

In weniger als 24 Stunden kommentieren mehr als 1300 Menschen Rühmlings Beitrag, weit mehr als 13.000 teilen ihn und verbreiten ihn so weiter.

 

„Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet“, sagt Rühmling zu der großen Aufmerksamkeit, die sein Beitrag erhält. Weil unter den Kommentatoren einige wenige sind, die seine Worte falsch verstehen, schrieb er seinen Post sogar noch einmal um, erklärte ihn. „Aber eigentlich will ich das gar nicht. Ich bin weder wütend noch drohe ich jemanden mit den Zeilen. Ich bin lediglich enttäuscht, deshalb schrieb ich das.“

Jan Rühmling von der Feuerwehr Ratekau.

Jan Rühmling von der Feuerwehr Ratekau.

Foto: privat
 

Rühmling ist seit sechs Jahren bei der Ratekauer Wehr, betont aber, den Post nicht als Feuerwehrmann, sondern Privatperson verfasst zu haben. Auch hauptberuflich hat er als Ausbilder im Notfallmanagement mit Einsätzen zu tun und sagt nach dem Brand des „Nautic“: „Das war Gaffen in einer neuen Dimension. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Schaulustige mampften ungefragt die Verpflegung der Einsatzkräfte, fragten sogar nach Tee.

Bei Facebook schreibt er: „An die beiden Spinner, einer in blauer Camp David Jacke, der andere in der braunen Bugatti, entschuldigt bitte, dass ich Euch leider vom Essen meiner Kameraden verscheuchen musste und wir leider keinen Tee hatten. Aber ich hatte einfach Angst, dass die Brötchen eventuell etwas zu trocken sind und sich einer noch daran verschluckt. Ich werde natürlich gern dafür sorgen, dass das Catering das nächste mal besser ausfällt. Natürlich seid ihr keine Gaffer. Nein, nur interessierte Bürger, welche sich bei Brötchen und schwarzen Kaffee besser auf den Einsatz konzentrieren konnten. So Eure Aussage.“

Rühmling fügt im Gespräch mit dem sh:z hinzu: „Wir hätten jedem Bedürftigen noch fünf Brötchen mitgegeben, aber das klassische Timmendorfer Klientel hat das doch nicht nötig.“ Bei den umliegenden Geschäftsleuten, die kurzfristig die Verpflegung organisiert hatten, bedankt sich Rühmling ausdrücklich.

Dieses Video zeigt den Löscheinsatz:

Rühmling ist nicht der einzige, der schlechte Erfahrungen mit Gaffern in Schleswig-Holstein gemacht hat. Auch Michael Jöns, Wehrführer in Schuby, kann ein Lied davon singen. Hier erzählt er von seinen Erfahrungen.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 00:51 Uhr

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