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Ostholsteiner Anzeiger

05. Dezember 2016 | 21:42 Uhr

Tote Frau gefunden : Nach Drama in Kellenhusen: Trauma-Ambulanz soll Flüchtlingen helfen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bereits mehrfach ist es in SH zu dramatischen Vorfällen in Flüchtlingsheimen gekommen. Das Land zieht Konsequenzen.

Kellenhusen/Kiel | Noch ist unklar, ob eine psychische Erkrankung Grund für das Gewaltverbrechens in Kellenhusen (Kreis Ostholstein) ist. Ein 30-jähriger Syrer hat vermutlich seine Mutter getötet und stand nach der Tat stundenlang schreiend und blutverschmiert auf dem Dach des Hauses und drohte zu springen. Bereits mehrfach ist es in Schleswig-Holstein zu dramatischen Vorfällen gekommen.

So hatte im November 2015 ein Asylbewerber (30) aus dem Jemen in einer Unterkunft in Westerland einen anderen Flüchtling erstochen. Er war psychisch schwer erkrankt. Auch der Asylbewerber (55) aus Russland, der vergangene Woche in Kiel eine Muslima niedergeschlagen hat, ist vom Amtsarzt in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden.

Nach ihrer Ankunft durchlaufen alle Flüchtlinge eine medizinische Untersuchung, in der ihr Gesundheitszustand ermittelt wird, heißt es aus dem Innenministerium. Würden dabei akute physische oder psychische Beschwerden festgestellt, werde eine entsprechende Behandlung veranlasst.

Doch gerade ein seelisches Leiden ist auch wegen der Sprachbarrieren nur schwer zu erkennen. Depressionen, Wahnvorstellungen oder posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) – „Es gibt dafür keine Blickdiagnose“, sagt Silja Knolle-Venntjer, stellvertretende Leiterin des Ambulanzzentrums am Zentrum für integrative Psychiatrie in Kiel. Dort wird derzeit eine Trauma-Ambulanz für Flüchtlinge aufgebaut. „Wir wollen ein System entwickeln, dass die Betroffenen zeitnah zu uns bringt“, erklärt die Psychotherapeutin. Wichtig dabei: Helfer und Betreuer von Flüchtlingen sollen geschult werden, die Symptome zu erkennen. Knolle-Venntjer betont: „Eine PTBS macht Menschen nicht gefährlich, sondern eher nervös und ängstlich.“ Zu Aggressionen könne es aber durch eine Verdichtung von Belastungsfaktoren kommen, etwa der Trennung von der Familie.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 20:22 Uhr

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