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Ostholsteiner Anzeiger

25. August 2016 | 18:40 Uhr

Neues Verkehrsgutachten : Nabu: Fehmarnbelt-Tunnel ist überflüssig

vom

Zu geringes Verkehrsaufkommen, zu wenig Zeitersparnis: Ein neues Verkehrsgutachten rechnet mit dem Fehmarnbelt-Tunnel ab.

Berlin/Kiel | Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat am Montag ein neues Verkehrsgutachten vorgelegt. Es besagt: Es gibt überhaupt keinen Bedarf für einen Fehmarnbelt-Tunnel. Laut Nabu ist das Verkehrsaufkommen zwischen Europa und Skandinavien im Schienen-Güterverkehr seit Jahren stagnierend und sogar leicht Rückgängig. Die Erwartungen Dänemarks, dass sich die EU mit 1,7 Milliarden Euro aus den sogenannten Ten-T-Mitteln am Bau des Tunnels beteiligt, halten die Naturschützer für unberechtigt.

NABU: Eingeplante EU-Mittel unrealistisch

„Das Gutachten macht deutlich, dass die finanziellen Zuschüsse in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro aus Mitteln für den Ausbau der transeuropäischen Netze aus verkehrlicher Sicht nicht zu rechtfertigen sind. Der Bedarf für einen Neubau entlang des Fehmarnbeltes ist schlicht nicht vorhanden, das dort investierte Geld würde an anderer Stelle einen deutlich größeren Nutzen entfalten. Es deutet kaum etwas darauf hin, dass sich diese Entwicklung zukünftig umkehren wird“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Kritik: Jütlandroute wird vernachlässigt

Mit dem Bau einer alternativen Schienentrasse über den Fehmarnbelt würde zwar die für den Schienengüterverkehr wichtige so genannte Jütlandroute entlastet. Jedoch bestehe auch die Gefahr, dass aufgrund einer Priorisierung der Belt-Querung Engpässe auf der Jütlandroute zukünftig nachrangig angegangen würden, so der Naturschützer. Das wiederum könnte sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene auswirken.

Mehr Straße anstelle von besserer Schienenanbindung

„Wir sehen daher die Gefahr, dass der Güterverkehr nach dem Bau einer festen Fehmarnbeltquerung von der umweltfreundlichen Schiene auf die klimaschädlichere Straße verlagert werden könnte. Diese Erkenntnis scheint den Befürwortern des Tunnelprojekts bekannt zu sein, denn unlängst erklärte die dänische Regierung, die feste Fehmarnbeltquerung mangels Schienenverkehrsaufkommens mit dem Straßenverkehr refinanzieren zu wollen. Diese Rolle rückwärts ist jedoch mit dem europäischen Ziel einer Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene nicht vereinbar“, so Eick von Ruschkowski, Mitglied der NABU-Geschäftsleitung und Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik.

Gutachten: Zeitersparnis zu optimistisch berechnet

Weiterhin geht das Gutachten davon aus, dass sich die Zeiteinsparungen durch die Fehmarnbeltquerung – anders als von der staatlichen Planungsagentur Femern A/S behauptet – nicht 1:1 in eine Kostenreduzierung umsetzen lassen. „Wir sprechen hier über komplexe Produktionssysteme und optimierte Zugumläufe. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass eine um 20 Prozent kürzere Strecke auch 20 Prozent Zeit- und Kostenersparnis mit sich bringt, zumal unklar ist, wie hoch die Kosten für eine Tunnelquerung sein werden und ein theoretischer Zeitgewinn von zwei bis drei Stunden durch ungeplante Standzeiten schnell dahin sein kann“, sagt Torsten Tesch, Senior Consultant bei HTC, der Hamburger Firma, die das Gutachten erstellt hat.

Nabu: Alternativen nicht geprüft
 
Angesichts laut Nabu erheblicher ökologischer Schäden durch den Bau der festen Fehmarnbeltquerung bei Gesamtkosten von rund zwölf Milliarden Euro zuzüglich Kosten für die Anbindungen auf deutscher und dänischer Seite wirft der Nabu den Planern vor, einen vorteilhaften Ausbau der Jütlandroute von Beginn an durch den Staatsvertrag ausgehebelt zu haben.

„Gerade weil das Vorhaben einer festen Fehmarnbeltquerung offenkundig keinen Bedarf hat, ist dieser Trick so durchschaubar. Die mangelnde Prüfung des möglichen alternativen Ausbaus einer Jütlandroute verstößt zudem gegen europäisches Recht. Dieses Thema wird in einem juristischen Verfahren eine zentrale Rolle spielen“, so Malte Siegert, Fehmarnbeltexperte des Nabu.

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erstellt am 14.Mär.2016 | 12:47 Uhr

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