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Ostholsteiner Anzeiger

04. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Musik ist etwas Göttliches

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Erste und Wichtigste, wozu ich die Gemeinde aufrufe, ist das Gebet, und zwar für alle Menschen. Bringt Bitten und Fürbitten und Dank für sie alle vor Gott!“ Mit diesem Appell beginnt der Predigttext für den Sonntag Rogate, dessen Name übersetzt „Betet!“ heißt. Was heißt denn eigentlich „beten“, fragen immer wieder Christinnen und Christen, Kinder wie Jugendliche und Erwachsene mich als Pastor. Und dann nehme ich meist den obigen Satz als Antwort: „Beten heißt: mit Gott reden wie mit einem guten Freund!“ Wenn ich meine Hände zusammenlege, meinen Blick auf sie fixiere, dann muss ich mich lösen von dem, was mich umgibt. Dann kann ich mich konzentrieren und zurückziehen; meine Sicht auf meine kleine Welt, auf die Menschen meiner unmittelbaren oder weiteren Umgebung, auch auf mich selbst verändert sich.

Der Schreiber des 1. Timotheus-Briefes, aus dem der Predigttext stammt, will seine Gemeinde -unter Verwendung des Namens und in Anlehnung an die Autorität des Apostels Paulus- darüber aufklären, wie eine gute Ordnung in der Christengemeinde aussieht, und wie sich einzelne Christinnen und Christen darin einfügen und verhalten. Die Auseinandersetzung mit Irrlehrern und Irrlehren prägt den Brief, für heutige Leserinnen und Hörer eine eher abseitige, ungewohnte Frage.

Am kommenden Sonntag fallen der Sonntag Rogate und der ‚Tag der Arbeit‘ zusammen. Mich erinnert dieses Zusammentreffen an den lateinischen Sinnspruch „Ora et labora“ (bete und arbeite), der dem Benediktiner-Orden zugeschrieben wird. Mir macht dieses Wort deutlich, dass das Reden mit Gott im Gebet und der Einsatz für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen untrennbar zusammen gehören. Der kommende Sonntag ist eine gute Gelegenheit, sich diesen unauflöslichen Zusammenhang wieder einmal vor Augen zu führen, und dann gemeinsam mit den Glaubensgeschwistern Bitten und Fürbitten und Dank für alle Menschen vor Gott zu bringen und mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Gewerkschaften am Tag der Arbeit menschenwürdige, nachhaltige und gerechte Arbeitsbedingungen zu fordern. Beides gehört und geht für mich nur zusammen.

In diesem Doppelsinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag.
Pastor Dr. Carsten Berg,
Malente

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von
erstellt am 25.Apr.2016 | 10:22 Uhr

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