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Ostholsteiner Anzeiger

03. Dezember 2016 | 22:57 Uhr

Motorrad-Diebstahl ging schief

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Angeklagter kommt vor Gericht ungeschoren davon: Zwar habe er die Tat nicht verhindert, sei dort aber hineingezogen worden

Da hatte einer „Bock auf Motorrad“, aber kein Geld, sich eines zu kaufen. Irgendwie kam bei einem (mittlerweile zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilten) Hauptangeklagten, einem heute 21-jährigen Kfz-Mechaniker aus Schönberg, die Idee auf, sich mit Hilfe von guten Freunden „eines zu beschaffen“. Dafür gewann er zunächst einen seiner Freunde, einen 20-jährigen aus einem Dorf bei Schönberg, dem er weismachte, er hätte einen Käufer für das Motorrad und er würde ihn finanziell beim Weiterverkauf beteiligen.

Dritter im Bunde wurde der gestern vor Gericht stehende heute 24-Jährige aus Schönberg, der aus Sicht des Gerichts eher unbedarft und naiv in die Sache geriet. Ohne zu wissen, worum es ging, fuhr er einfach mit im Transporter des Haupttäters, um das angeblich bei Hamburg gekaufte Motorrad im Juli 2014 abzuholen. Der andere Mittäter fuhr in seinem Pkw hinterher. Erst als die beiden Mittäter in einem Gewerbegebiet die Nummernschilder von einem geparkten Pkw abschraubten und am eigenen anbrachten, habe es ihm wohl gedämmert, befand das Gericht.

Doch jetzt kam der vom Richter als „dumm und unreif“ beschriebene 24-Jährige nicht mehr aus der Sache raus. Weil der zunächst angesteuerte Verkäufer eines Motorrades sein Gefährt klugerweise nicht für eine Probefahrt herausgeben wollte, scheiterte dieses „Geschäft“. Weiter ging es Richtung Lüneburg – ein neuer Versuch, der diesmal klappte. Der Haupt- und der zweite Täter fuhren in dessen Pkw mit falschen Nummernschildern zum Verkäufer, der überließ dem Haupttäter das Zweirad, eine Suzuki GSX 1000 im Wert von 7500 Euro, für eine Probefahrt. Die fuhr er zu dem abseits an einem Feld geparkten Transporter, wo der Angeklagte untätig wartete. Das gestohlene Motorrad wurde verladen und ab ging es in Richtung Holm.

Da das gestohlene Krad noch ein Nummernschild brauchte, stahl man dies später von einem Motorrad in Fiefbergen. Nach der bereits erfolgten Verurteilung der beiden anderen Täter ging es für das Gericht um die Frage, welche Rolle der nun Angeklagte, der mangels Führerschein sogar von seinem heutigen Chef zur Verhandlung nach Plön gefahren worden war, dabei spielte. Nach der Bewertung der als Zeugen gehörten Verurteilten kam das Gericht zu dem Schluss, dass der Angeklagte zwar dabei gewesen, aber nicht selbst tätig geworden sei. Selbst die Staatsanwältin hatte „erhebliche Zweifel, dass der Angeklagte an der Tat aktiv beteiligt“ war. Erst als die Kennzeichen entwendet worden seien, „ging dem Angeklagten ein Licht auf“. Erheblich entlastend war für ihn außerdem eine Nachricht, die er den beiden anderen schrieb, bevor die Polizei auf den Plan kam: „Ich hasse euch was ihr mir hier da untergejubelt habt.“ Die Staatsanwältin beantrage deshalb Freispruch für den Angeklagten.

Dem schloss sich auch der Richter in seinem Urteil an. Der Haupttäter hatte „einen Dummen für die Tat gesucht und sogar zwei gefunden“, begründete er sein Urteil. „Sie wurden da reingezogen.“ Aber er hatte auch deutliche Worte für den Angeklagten: „Sie haben die Taten geduldet, das ist nicht gutzuheißen, sondern nur dumm, auch wenn Sie strafrechtlich nicht zu belangen sind.“ Ein gewisses Unbehagen bleibe. Der (verurteilte) Haupttäter zog die Strippen, er organisierte diesen „Deal“, belog den Verkäufer und seine Freunde – weil er Motorrad fahren wollte. Und noch deutlicher: „Mit so einer Suzuki durch Schönberg zu fahren, kommt einem Ritt auf einem Elefanten durch den Ort gleich, wo man Sie kennt.“ Deshalb konnte der Coup einfach nicht gutgehen. Dumm nun, wenn man dann da reinrutscht und Glück, wenn das Gericht auch noch zu dieser Überzeugung kommt.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 12:37 Uhr

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