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Ostholsteiner Anzeiger

10. Dezember 2016 | 21:35 Uhr

Mit Tricks das Lernen lernen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vortrag zu Lernmethoden an der Friedrich-Hiller-Schule Schönwalde / Experte rät zu Wechsel von Wiederholung und Entspannung

Auch das Lernen will gelernt sein. Welche Kniffe Eltern anwenden sollten, um ihren Kindern das Lernen für die Schule und das Leben zu erleichtern, verriet Andreas Hensing den Eltern in der vollbesetzten Aula der Friedrich-Hiller-Schule. Schulleiterin Doris Jürs hatte den Diplom-Pädagogen vom Verein LVB Lernen zu einem kostenlosen Vortrag nach Schönwalde eingeladen. Dabei erfuhren die Eltern dass ein Rap das Lernen erleichtern kann und was Hühner- und Katzen-Verben sind.

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück“, zitierte Hensing zu Anfang den chinesischen Philosophen Laozi. Das Gehirn sei ein Leben lang dynamisch und verändere sich ständig. Eines der Geheimnisse des Lernens sei es somit, das neue Wissen vom Ultrakurzzeit- über das Kurzzeit- ins Langezeitgedächtnis zu transportieren. Wenn Kinder Schwierigkeiten beim Lernen haben, liege das in den meisten Fällen nicht an der kognitiven Leistungsfähigkeit, sondern an Motivation oder Lernmethoden, sagte der 62-Jährige. Wichtig sei Struktur ins Lernen und so auch in „die unvorstellbare große Lagerhalle“ zu bekommen, die das Gehirn sei. Nur wer Ordnung hält findet auch etwas wieder. Planlos abgelegtes kann man nicht abrufen, wenn es benötigt wird, sondern stößt eher zufällig darauf.

Zur Verdeutlichung ließ der Referent das Publikum 20 Begriffe von einem Zettel auswendig lernen. Nach zwei Minuten fragte er ab. Fast alle konnten alle Begriffe in der richtigen Reihenfolge wiederholen. Die, denen es nicht gelang, hatten einen Zettel bekommen, auf dem die Worte ohne Struktur aufgelistet waren. Diesem Beispiel folgend näherte sich Hensing praktischen Lerninhalten, den unregelmäßigen englischen Verben. Auf den ersten Blick fehlt ihnen jede Struktur, was das Erlernen ungleich schwerer macht. Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch ein Muster, mit dessen Hilfe man sie in fünf Kategorien gliedern kann. Die unveränderlichen einsilbigen Verben sind die „Hühner-Verben“, benannt nach einem Vertreter der Kategorie, to put, put put. Die „Katzen-Verben“ zeichnen sich hingegen durch den Wechsel des Vokals von i zu a zu u aus, was sich wie „Miau“ anhört und ihnen den Namen eingebracht hat. Ochsenfrosch, Laubfrosch und das Echo komplettieren die fünf Schubladen die Ordnung ins vermeintliche Wirrwarr bringen.

Eines ist jedoch für alle Methoden wichtig: die Wiederholung. Je kürzer der Zeitraum zwischen den Wiederholungen, desto eher gelangt das Wissen ins Langzeitgedächtnis, wo es dann nur noch gelegentlich abgefragt werden muss. „20 Vokalen am Stück führen selten zum Erfolg sondern er zu Frust bei Eltern und Kindern.“ Hensing rät zu kleinen Lernpaketen mit stetiger Wiederholung. Wichtig sei es auch nach einer Lerneinheit zu entspannen. 20 Minuten Laufen oder entspanntes Lesen helfen beim Abspeichern. Fernsehen oder gar die Spielekonsole mit ihren Reizen verhindern dies jedoch. Um als Eltern zu wissen, wie Kinder zielgerichtet beim Lernen unterstützt werden können, sei es wichtig, sich darüber im Klaren zu werden, welchen der vier Lerntypen es verkörpert. Hensing unterscheidet zwischen logisch-abstrakt, sicherheitsliebend, kreativ-chaotisch und emotional, wobei ein Kind zu einhundert Prozent einem Typ entspricht. Der logisch-abstrakte Lerntyp ist wissbegierig und sucht Strukturen. Der sicherheitsliebende Typ braucht Ruhe und erledigt alles sehr gewissenhaft und ordentlich. Beim kreativ-chaotischen Lerntyp handelt es sich um den typischen „Last-Minute-Lerner“. Der emotionale Lerntyp lernt langsam und neigt zu Selbstvorwürfen.

Abschließend bekräftigte Hensing die Eltern jeden sich bietenden Weg der Lernunterstützung zu nutzen: „Alles, was sie tun, wird Ihren Kindern helfen, die Hürden zu überwinden. Das ganze Leben lang.“

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erstellt am 23.Okt.2016 | 14:30 Uhr

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